Linji Yixuan: der leere Himmel

NEin Mönch fragte: Meister, aus welchem Haus stammt die Melodie, die Ihr singt? Welchem Ch’an-Stil folgt Ihr selbst?

Linji antwortete: Als ich bei Huang-po weilte, befragte ich ihn drei Mal und wurde drei Mal geschlagen.

Da wollte der Mönch etwas sagen. Doch Linji schrie ihn an und sprach: Du kannst keinen Nagel in den leeren Himmel schlagen.

aus dem Linji Yulu

Gestern hatten wir die angeblich schwachsinnigen Ch’an- oder Zen-Heinis in der Mangel, die angeblich völlig unverständlichen Mist absonderten. Heute bringe ich zur Feier der Schwachsinnigen noch so ein Beispiel ihres Schwachsinns.

Der Berater Wang Changshi, oberster Provinzgouverneur, mitsamt seinen Beamten hatte Linji „auf den hohen Sitz“ eingeladen. Keine Ahnung, was ein hoher Sitz sein soll. Jedenfalls wollten die hohen Herren Linji bei der Arbeit zusehen. Linji forderte die hohen Herren, die Generäle und seine besten Schüler auf, gegen ihn anzutreten. Einer seiner Schüler wagte es, Linji nach seiner spirituellen Herkunft zu fragen. Möglicherweise wollte er ihm beispringen. Linji erwähnte in seiner Antwort zwar seinen Meister Huang-po, aber nur um zu zeigen, wie der mit Fragestellern umgegangen ist.

Linji war da vergleichsweise harmlos. Er brüllte einfach ein bisschen rum. Und dann fügte er noch eine Portion Schwachsinn hinzu:

Du kannst keinen Nagel in den leeren Himmel schlagen.

Friss Vogel oder stirb! Entweder du hast es oder du hast es nicht. Keine Spur von einem behutsamen Heranführen an das, was ist. Gestern gab Joshu den klaren Hinweis: Der große Weg liegt genau vor deinen Augen. Und wenn der andere immer noch nichts sieht, kriegt er auch seine Portion Schwachsinn ab.

Gestern habe ich mal wieder einen Kommentar nicht freigeschaltet. Der Kommentator zitierte u.a. auch den allseits geschätzten Kodo Sawaki:Zazen ist keine Theorie. Es bedeutet körperliche Praxis: Die Praxis, durch die du selbst dich selbst zu dir selbst machst. Du tust es mit dem Körper. Wenn du es tust, bist du Buddha. Wer auch immer sitzt: Es ist Zazen. Wer auch immer sitzt: Es ist ein Buddha. Zazen bedeutet den Buddhaweg zu erfühlen. Erfühlen bedeutet, in der richtigen Haltung in Zazen zu sitzen: Im vollen Lotus oder im halben Lotus, mit einer Haltung, die dir nicht die geringste Blöße gibt.“ Linji: „Du kannst keinen Nagel in den leeren Himmel schlagen.“ Sich den Arsch platt zu sitzen ist auch so ein Nagel. Jede Methode ist ein Nagel. Erfühlen ist wunderbar. Als Heinz Butz zu uns sagte: „Spüren Sie’s?“, war alles gesagt und was immer dann geschah, war gut. Da musste sich niemand die Beine verrenken. „Spüren Sie’s?“ war einfach genug. War das Zazen, Zen, Satori, Unterhose? Zum Teufel mit allen Begriffen! Mit all diesen überflüssigen Diskussionen! Huai-Rang: „Wie wollt Ihr mit Sitzen ein Buddha werden?“

Wenn Buddha sagte: „Es führt kein Weg zum Glück – Glücklich-Sein ist der Weg!“, dann gilt das genauso für den Dharmakâya, für die vollkommene höchste Erleuchtung. Es führt kein Weg dahin, kein Kachel-Polieren, kein Arsch-platt-Sitzen und kein gar nix. Linji als ein Vertreter der frühen Ch’an-Patriarchen drückte es eben auf seine Weise aus: „Du kannst keinen Nagel in den leeren Himmel schlagen.“ Huang-po auf seine, indem er dir eine Tracht Prügel verabreicht hätte, wenn du ihn nach Weg und Methode oder gar nach seiner spirituellen Linie gefragt hättest.

Na

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2 Antworten zu Linji Yixuan: der leere Himmel

  1. chantaltalia schreibt:

    Lieber Nitya,
    schon längere Zeit nur „stille“ Beiträge von mir. Wie bei der Musik, lasse ich mich lieber tanzend forttragen, ohne selbst eine Melodie dazu erfinden zu müssen. Und schliesse mich Thomas an, der vor 2 Tagen „Ein grosses Danke für die Arbeit“ reinsetzte.
    Da ich ja den Nachnahmen „Nagel“ habe, fühlte ich mich von dem Zitat: „Du kannst keinen Nagel in den leeren Himmel schlagen.” angesprochen. Würde zur Zeit nur „nageln“. Lieber tanzend auf deinem Blog mitschwingen.
    Herzliche Grüsse Chantal

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    • Nitya schreibt:

      Liebe Chantal,

      „stille“ Beiträge sind doch ganz prima! Mach dir bloß keinen Kopf! Und wenn du dich tanzend forttragen lässt, hast du dich doch wunderbar auf deine Weise ausgedrückt. Das ist auf jdeden Fall beschwingter als zu „nageln“. Da muss ich gleich an Jesus am Kreuz denken und erschauere.

      Herzlichst
      Nitya

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