Karl Renz: trotz des heiligen Schwindels passiert nichts

Karl Renz
Es gibt weder die Schriften,
noch Welten, Götter oder Opfergaben.
Es gibt ganz bestimmt keine Kasten,
keine Lebensstellung, keine Familie und keine Geburt.
Es gibt weder den hellen noch den dunklen Pfad.
Die höchste Wahrheit allein
offenbart sich als das All-eine – Brahman.

aus: Avadhuta-Gita [1.34.]

 Schau, es hört niemals auf. Yoga Vahista, König Rama, so viele Bücher, die Mahabharta, Arjuna und Yudhishtir, der in die Hölle geht und alles annimmt und blah, blah, blah. Und schau, die Geschichte geht weiter, als ob nie etwas passiert wäre. All diese fantastischen Geschichten über Verwirklichung. Trotz Ramana, trotz Buddha, trotz Jesus, trotz des ganzen heiligen Schwindels passiert nichts.

aus: Karl Renz, „Erstes und Letztes“

baeDante Alighieri: „Lasst, die ihr eintretet, alle Hoffnung fahren!“ steht über dem Höllentor. Ich hätte ihn über die Himmelspforte geschrieben. „Und schau“, sagt Karl, „es hört niemals auf.“ Warum ist genau das für die einen das Aufstoßen des Höllentors und für die anderen das Aufstoßen der Himmelspforte? Na ja, die einen leben geradezu von der Hoffnung, vom Retter, der demnächst kommen und alles wieder heile machen wird und halten das für das Paradies auf Erden.

Die anderen, die sind eher wie der Karl. Die müssen immer alles kaputt machen … buaahhh! Die sind ja so gemein, so herzlos! „Trotz Ramana, trotz Buddha, trotz Jesus, trotz des ganzen heiligen Schwindels passiert nichts.“ Was soll denn auch schon passieren? „The same procedure as every year.“ Oder irgendwas anderes. Die Geschichte geht weiter und weiter. „All diese fantastischen Geschichten über Verwirklichung.“ Blah, blah, blah. Ich erinnere mich gerade wieder, wie wir im Windsbacher Knabenchor das Chorstück „Jesaja dem Propheten das geschah …“ von Melchior Vulpius gesungen haben. Hier eine Version vom Dresdner Kreuzchor. Was der Jesaja wohl für’n Stoff genommen hat? „Jesaja, dem Propheten, das geschah, dass er im Geist den Herren sitzen sah auf einem hohen Thron in hellem Glanz, seines Kleides Saum den Chor erfüllet ganz. Es stunden zween Seraph bei ihm daran, sechs Flügel sah er einen jeden han … “ usw. usw. Was man alles so sehen kann, wenn der Tag lang ist. Ich hab auch mal ein paar Engel gesehen, sogar ganz ohne Stoff. Aber wie Hein Butz zu sagen pflegte: „Ja gell, das sind halt so G’schichten.“ Nicht mehr und nicht weniger. Und „trotz des ganzen heiligen Schwindels passiert nichts.“

„Es gibt weder die Schriften, noch Welten, Götter oder Opfergaben. …“, sagt der Avadhuta. „Die höchste Wahrheit allein offenbart sich als das All-eine – Brahman [oder: Einzig Brahman, die höchste Wirklichkeit, manifestiert sich].“ Alles, was erscheint, ist eine Manifestation, ist eine Offenbarung des All-einen. Alles, auch die Visionen eines Jesaja, auch das Wasserrauschen nach der Klospülung. Aber das ist natürlich intellektuelles Gequake, es sei denn …VexierBildKavaliere_m

Das hier ist ein launiges Vexierbildchen, da kann man sich seinen Teil dazu phantasieren. Vielleicht sieht man ja sogar beide Versionen zugleich? Aber das, wovon der Avadhuta da spricht, hat natürlich nichts mit irgendwelchen Phantasien von dir zu tun. Du bist doch selbst nur eine Phantasie von Brahman.

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