Tun wir mal so, ALS OB es uns gäbe!


V
Man hat ja so seine Lieblingssprüche auf Lager. Einer meiner Lieblingssprüche ist zweifellos die Aufforderung des deutschen Philosophen Hans Vaihinger (1852-1933), auch genannt der Philosoph des ALS OB:

Handle,
ALS OB
du der Handelnde wärest,
mit dem Wissen,
dass du nicht der Handelnde bist!

 
Er hätte natürlich hinzufügen müssen, dass du nicht derjenige bist, der diesen Satz liest oder hört und der ihn also auch gar nicht befolgen kann, weil es ihn ja nur gibt, ALS OB es ihn gäbe. Insofern kann er ja nicht einmal so tun, ALS OB es ihn gäbe, denn um dies tun zu können, müsste es ihn zunächst einmal geben. Und wenn ihr, die es allem Anschein nach gibt, aber eben nur dem Anschein nach, mal wieder richtig schön und von Herzen lachen wollt, dann tut euch den Gefallen und guckt euch diesen herrlichen Film u.a. mit Charles Laughton an, der 1935 gedreht wurde. Lauter herrliche Figuren, die allesamt nichts anderes tun als wir auch, nämlich „so zu tun“ ALS OB es sie gäbe. Und sie tun dies auch so perfekt und so voller Charme und Humor und so zu Herzen gehend, dass wir, die auch nur so tun, ALS OB es uns gäbe, es diesen komischen Figuren auch nur gar zu gern glauben wollen. Selbst glauben wir es uns schließlich auch nur gar zu gern.

C„Für mich“ ist „Ein Butler in Amerika“ ein hochspiritueller Film und ohne diese ganze spirituelle Scheiße, bei der man schon wieder eingeschüchtert von all dieser gruseligen Heiligkeit kaum noch zu atmen wagt. „Heilig“ meint „etwas ungeheuer Besonderes“. Da gibt es den Werktag und den Sonntag oder sonst einen für heilig erklärten Tag. Da gibt es heilige Häuser, heilige Schriften, heilige Bilder, heilige Menschen, heilige tote Menschen, Knochen, Zähne, … – und den schäbigen Rest. Das alles hab ich mal zusammengefasst als heilige Scheiße. Osho hat es mal so schön auf den Punkt gebracht: Entweder ist alles heilig oder nichts. Das jetzt strömende Tao, von dem gestern die Rede war, kennt jedenfalls kein Heilig und kein Unheilig. Es kennt keinerlei Unterschied, da alles was erscheint, seine Manifestation ist, so wie Ring und Krone nur zwei Manifestationen von Gold sind. Es ist alles Gold, es ist alles das jetzt-strömende-Tao.

G„Ein Butler in Amerika“ zeigt auch einen Unterschied auf: Den zwischen blasierten Hohlköpfen und ganz stinknormalen lebenslustigen und herzlichen Menschen. Irgendwie erinnert mich das tatsächlich sehr stark an die Spiris und die einfachen Leute, die sich leider Gottes schon viel zu lange von den Königen von Gottes Gnaden und den Stellvertretern Gottes haben verarschen lassen. Besonders die Figuren von „Butler und Earl“ erzählen von der wundervollen Emanzipation von all diesen doofen Rollen und von der Rückkehr zum Lebendigen. Das jetzt-strömende-Tao schließt sie natürlich alle ein, die Blasierten und die Normalen, die Könige und Päpste und die einfachen Leute und alle anderen Polaritäten.

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2 Antworten zu Tun wir mal so, ALS OB es uns gäbe!

  1. Eno Silla schreibt:

    „(Eine) STILLE, die kein leeres Objekt ist. Es ist nicht die Abwesenheit von Geräuschen – dies wäre tatsächlich gar keine STILLE. Vielmehr ist diese STILLE der Hintergrund der PRÄSENZ, die die Grundlage und Substanz aller Erscheinungen ist, inklusive der Erscheinung der Abwesenheit von Geräuschen.

    Sie ist ein lebendiges, offenes Nichtwissen, das frei ist, in jedem Moment jede Gestalt oder Position einzunehmen, abhängig vom jeweiligen Moment.

    Die Worte der Lehre sind die Gestalt, die diese STILLE annimmt, und diese STILLE selbst wird in der Antwort übermittelt.

    Die Worte sind die Verpackung. Ist erst einmal die Botschaft, diese nichtwissende Offenheit, übermittelt oder offenbart, so kann die Verpackung entsorgt werden. Die Worte können vergessen werden.

    So bleibt die Lehre frei von festen Formulierungen, von Dogmen und von Fundamentalismus. Sie bleibt fließend, spielerisch, genussvoll, unvorhersagbar und ungreifbar. Sie belässt uns stets im offenen Nichtwissen.

    Dieses offene Nichtwissen ist, was wir sind. Es ist nichts, was wir wissen.“

    aus: Ruper Spira „Bewusstsein ist alles“

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