Idries Shah: Der vollkommene Meister


S
Ein Mann beschloss, den vollkommenen Lehrer zu suchen. Er las viele Bücher, besuchte einen weisen Mann nach dem anderen, hörte zu, diskutierte und übte, aber immer blieben Zweifel und Unsicherheiten zurück. Nach zwanzig Jahren traf er einen Mann, dessen Worte und Taten in jeder Hinsicht mit seiner Vorstellung eines völlig selbstverwirklichten Menschen übereinstimmten.

Der Wanderer verlor keine Zeit. Er sagte: „Ihr scheint mir der vollkommene Meister zu sein. Wenn Ihr es seid, bin ich am Ende meiner Reise angelangt.“ – „Ich werde allerdings so genannt“, sagte der Meister. „Dann bitte ich Euch, nehmt mich als Euren Schüler an.“ – „Das kann ich nicht“, sagte der Meister, „denn genau wie Ihr den vollkommenen Lehrer wünscht, kann der seinerseits nur den vollkommenen Schüler gebrauchen.“

aus: Idries Shah, „Die Weisheit der Narren“

Also bei dem vollkommenen Meister fiel mir nur „The Flying Spaghetti Monster“ ein. Leitet sich Meister ethymologisch nicht sogar von Monster ab? Ich tu mal was für meine Bildung und befrage Wikipedia: „Der Begriff Monster leitet sich von lateinisch monstrum (‚Mahnzeichen‘) sowie monstrare (‚zeigen‘) und monere (‚mahnen, warnen‘) ab“. Na bitte, sag ich doch.

Welcher Meister ist eigentlich ein vollkommener Meister? Nun, Buddha hielt sein Blümchen hoch und Mahakashyapa feixte. Warum der wohl feixte? Na ja, weil er genau wusste, was Buddha meinte. Er wusste es schon vor dem Blümchen, sonst hätte er nicht gefeixt. Er war der „vollkommene Schüler“. Und weil er der vollkommene Schüler war, war er der vollkommene Meister. Niemand hat ihn „gerettet“, weil ihn niemand „retten“ musste. Muss ihm wohl Spaß gemacht haben, sich bei seinem Kumpel Buddha rumzutreiben und von Zeit zu Zeit vor sich hin zu grinsen.

B

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3 Antworten zu Idries Shah: Der vollkommene Meister

  1. Paulette schreibt:

    lieber Nitya,
    den folgenden Text schrieb ich gestern am Morgen.
    Dann kam mir das Tao zuvor und er konnte nicht mehr gepostet werden.
    Mein kleiner Meister stand früher auf der Matte als von Oma erwartet😉
    Ich poste den Text nun heute hier in unveränderter Form, weil ich schon wieder aufm Sprung zum Kinderhüten bin.
    Herzensgruß ersteinmal, auf dass du die Hitze der kommenden Sommertage gut überstehst🙂

    ——————————————————————————————————————————
    lieber Nitya,

    wieder staune ich.
    Jetzt hab ich mir ersteinmal noch ne Tasse Kaffee geholt, schaue verblüfft auf das wunderbare Lichtspiel vor dem Fenster in diesen grünen Blättern, die so seltsame Schatten ins Zimmer werfen.
    Die meisten spirituellen Lehrer haben bei mir Schatten hinterlassen. Ich wollte immer nur das Licht und bekam von Samarpan den Namen Yama. Das bedeutet Nacht und im Hinduglaube ist Yama auch noch der Gott des Todes.
    Man kann sich vorstellen, was ich rumgeheult habe.
    Verdammter Pfeffer, ich wollte „leuchtende Sonne“ oder „Leiter zum Himmel“ oder wenigstens „aufgehender Stern“, wenn es denn schon was Nächtliches sein muss, heißen aber doch nicht einfach nur „Nacht“.
    Ich habe mich zwei Jahre bei Samarpan beschwert, wollte einen neuen „besseren“ Namen.
    Habe den Namen Yama offiziell zurückgegeben, mehrfach schriftlich und dann auch persönlich bei ihm.
    Samarpan hat gelächelt und gesagt: Der Name Yama gefällt mir für dich soooo gut, dass ich keinen anderen für dich finden kann. Und das, während er genau in diesem Satsang zwei anderen Schülern neue Namen gegeben hat, die ihren vorherigen, auch von Samarpan gegebenen, Namen nicht haben wollten.
    Da hab ich mich erstmal von Samarpan „entschülert“😀
    Aber natürlich ließ mir das keine Ruhe und so fing ich an, mich inhaltlich mit dem Namen auseinanderzusetzen. Osho schreibt im Buch der Namen zu Yama:

    „Wir haben eine sehr dualistische Ideologie. Gott ist Licht; wer ist dann Dunkelheit? Dann muss es zwei Götter geben…auch noch den Gott der Dunkelheit. Dann ist es nicht nur so, dass du schizophren bist; dann ist deine ganze Existenz schizophren. Nicht nur, dass du geteilt bist; dann hast du auch die Existenz aufgesplittet.
    Nein, der Tag ist wunderschön; und die Nacht ebenso. Der Tag ist göttlich, und die Nacht auch. Es erstaunt dich vielleicht zu hören, dass das Wort „Tag“ dieselbe Wurzel hat wie das Wort „göttlich“. Sie haben beide dieselbe Wurzel. Also ist der Tag göttlich; und die Nacht? … Niemand sagt, die Nacht sei göttlich. Aber auch die Nacht ist es. Und es wäre besser, wenn du von beidem isst, von dem Tag und der Nacht. Und es wäre gut, wenn du aus einer Schale essen würdest.
    Ich gebe meinen Schülern eine Schale. Iss süß und sauer, gut und schlecht, bewusst, unbewusst. Genieße beides, und du wirst genährt sein, und du wirst sehr, sehr stark. Und deine Stärke wird nicht das Gegenteil von Weichheit sein, nein. Je stärker du wirst, desto zerbrechlicher wirst du auch sein. Und das ist die Schönheit – wenn ein starker Mensch so delikat wie eine Blume ist, stark wie ein Schwert und zerbrechlich wie eine Blume…dann bist du total. Dann bist du ungeteilt, dann kannst du nicht aufgesplittet werden, dann bist du wirklich ein Individuum. „Individuum“ bedeutet etwas, was nicht geteilt werden kann. Du bist nachhause gekommen, du bist eins geworden; jetzt kannst du entspannen und ausruhen.“

    lieber Nitya,
    gestern Abend im Bett, obwohl ich immer so müde bin von dem Tag mit meinem Enkel, konnte ich nicht einschlafen, weil ich mir überlegt habe, wie ich dir sagen kann, wieviel mir derzeit deine Blogbeiträge bedeuten. Weil ich las, was du an Brigitte geschrieben hast war ich mir unsicher, wie ich es am besten rüberbringen kann, was ich meine.
    Hinter einem Namen kann sich so viel verbergen, dass auch ich nicht Willens bin, sowas einen Gedankenfurz zu nennen und zwar deshalb, weil es sein darf, dass ein Name etwas bedeutet.
    Gerade in dem, was alles sein darf bist du mir, lieber Nitya, in der letzten Zeit eben lieb und teuer geworden, wie man so schön sagt.
    Du bist der Meister im Daraufhinweisen, was alles sein darf. Das bewegt mein Herz und hat mir soooo sehr geholfen meine Zweifel über das, was sein darf und was ich mir alles verbiete, ich möchte fast sagen, gänzlich zu vernichten.
    Z.B. mein Realname wurde von meinen Eltern gewählt, weil er 1961 modern war und gut zu unserem Familiennamen passte. Dass dieser Name in seiner Bedeutung dem Christentum und einer heiligen Verbindung zu Jesus zugeordnet wird, wusste ich gar nicht. Das erfuhr ich erst vor kurzem. In meinem Blog (sechstes Kapitel der Sachbearbeiterin, fast fertig😀 ) schreibe ich aber auf, wie sehr ich einen christlichen Weg geführt wurde. Das ist doch verblüffend.
    Ich vermute, dass du nun sagen wirst, einen Namen einen Gedankenfurz zu nennen das darf auch sein.
    Seufz, ja, das ist wohl (leider) wahr.

    Zurückkommend auf den perfekten Meister möchte ich noch anfügen, der perfekte Schüler ist m.E. derjenige, der gar nicht weiß, dass er ein Schüler ist und der perfekte Meister wohl jener, der ebenfalls über seine Meisterrolle unwissend ist.
    Insofern bist du für mich, lieber Nitya, der perfekte Meister und einige der Schreiber hier auf deinem Blog deine perfekten Schüler😀

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    • Nitya schreibt:

      Liebe Paulette,

      ich weiß nicht, ob du noch gelesen hast, was ich auf Brigittes Einwand auf meinen „Gedankenfurz“ geschrieben habe. Das sollte ja keine Herabsetzung von was auch immer sein, sondern einfach die Feststellung, dass alles Gesagte und Geschriebene eben nicht das ist, wofür es steht. Eine meiner Lieblingsgedichte von Rilke ist dieses „Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort …“ Wenn du es kennst, wird es dir vermutlich ein Leichtes sein, meinen „Gedankenfurz“ zu verstehen. Eine andere Ausdrucksweise ist „Namen sind Schall und Rauch“. Als ich auf die Welt kam, bekam ich drei Vornamen. Wir waren drei Jungs. Da mein Vater Hugo hieß, bekam der Älteste diesen Namen, der Zweitälteste diesen als zweiten Vornamen und ich als dritten Vornamen. Damit hatten wir alle unseren Stempel weg. Dann bekam ich noch die seit Generationen üblichen Vornamen Johann und Wilhelm. Wilhelm wurde mein offizieller Rufname. Als sich mein Vater bald danach mit seinem Bruder Wilhelm verstritt, wurde ich nur noch Johann oder Jo gerufen. Mit dem Namen rannte ich rum bis zu meiner ersten Scheidung. Da war ich 26. Es war so eine Art Emanzipation von meinen Eltern, dass ich mich fortan wieder ordnungsgemäß Wilhelm nannte. Als ich 40 war, verpasste mir Osho einen Namen, nach dem du dir vielleicht die Finger abgeschleckt hättest: Satyam Nitya, Ewige Wahrheit bzw. die Wahrheit des Ewigen. Ich hatte mir damals ein Bild von Osho an die Wand gehängt und oben drauf einen Vogel gebastelt, der Osho auf den Kopf schiss. Damit drückte ich ihm gegenüber meinen Respekt aus: „Ich werde alles von dir, was du sagst, hinterfragen.“ Aber meinem perfekten Meister bin ich ja schon viel früher begegnet. Das war mein Kunstdozent, der Maler Heinz Butz. Zu meinem Meister habe ich ihn gemacht. Er selbst hatte keine Ahnung davon und hätte sich sicher dagegen gewehrt. Als ich ihn das erste Mal sah, hab ich mich unsterblich in ihn verliebt. Ich habe noch nie einen so liebevollen Mann getroffen wie ihn. Ich hatte das Gefühl, alles was er berührte, wurde zu „Gold“. Seine ganze Botschaft war ein Innehalten, so eine kleine typische Handbewegung und ein Flüstern: „Spüren Sie’s?“ Er hielt für mich wahrlich die Zeit an und ich verstand, verstand ohne irgendetwas zu verstehen. Jedes weitere Wort wäre zu viel gewesen. Es war alles „gesagt“. Ich hatte meine „Heimat“ gefunden und sie nie wieder verloren. Das mit Buddhas Blümchen muss etwas ganz Ähnliches gewesen sein. Kein einziges Wort nur diese kleine Geste – und Mahakashyapa verstand, vermutlich auch ohne zu verstehen, weil’s gar nichts zu verstehen gibt. Jedes Wort scheint diesen Moment zu überlagern, ja fast zu zerstören. Deshalb mag ich auch gar nichts darüber sagen.

      Ja, alles darf sein. Osho hat mal gesagt, dass uns allen schon genug von Gesellschaft, Kirche und Staat aufgebürdet wurde. Er hätte keine Lust uns noch mehr aufzubürden. Er würde sich wünschen, dass wir all dieses überflüssige Gepäck einfach wieder abschütteln würden. Jetzt in der Hitze ist eine schöne Zeit zum Abschütteln und wenn das Gewitter mit Blitz und Donner kommt ganz besonders. Man muss ja nicht gleich nackt auf dem Friedhof herumtanzen. Da kommen dann vielleicht doch die Herren in den weißen Kitteln und wollen keinen Spaß verstehen.

      Liebe Yama, genieße deinen göttlichen Namen, genieße alles.
      Einen herzlichen Gruß von der ewigen Wahrheit! ,-)

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  2. Paulette schreibt:

    wie schön, lieber Nitya und tausend Dank für deine Ausführungen.
    Ja, genießen, das übe ich noch.
    Erstmal jetzt den „Feierabend“, das Kind ist im Bett, was noch lange nicht heißt, dass es auch bald einschläft.
    Die Nachtschicht macht meine Tochter, ich überdenke nun genussvoll deine Erzählung und versuche die Nacht zu genießen, in jeglicher Hinsicht.

    p.s. Rilke, da bin ich im übrigen dauerverliebt in einfach jeden Text von ihm. Also auch danke für diese Erinnerung – ja, manchmal fürchte ich mich sogar vor meinem „eigenen “ Wort, es machte schon manchmal Manches kaputt😦

    gehab dich wohl du ewige Wahrheit (neidisch drein guck)

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