Huang-po: vollkommen ohne Begriffe sein

PFrage: Was bedeutet relative Wahrheit?

Huang-po: Was soll man mit Parasiten wie dieser [Wahrheit] anfangen? Wirklichkeit ist vollkommene Reinheit. Warum eine Diskussion auf falschen Begriffen aufbauen? Vollkommen ohne Begriffe sein, das ist die Wahrheit des Nichtanhaftens. Bleibe jeden Tag, im Gehen, im Stehen, im Sitzen oder Liegen und in allen deinen Reden, losgelöst von allen Dingen im Bereich der Erscheinungen. Ob du redest oder nur mit den Augen blinzelst, tue dies mit völliger Ungebundenheit.

aus: Huang-po, „Der Geist des Ch’an“BAlso eigentlich heißt der Buchtitel ja „Der Geist des Zen“. Da aber Huang-po (gest. 850), der Lehrer von Lin-chi (gest. 866/7), chinesischer Ch’an-Meister war, scheint mir der Begriff Zen, der auf die japanische Version des indischen Dhyan (Meditation) verweist, passender. Und damit bin ich schon wieder, Teufel aber auch, bei den Begriffen gelandet.

„Vollkommen ohne Begriffe sein, das ist die Wahrheit des Nichtanhaftens“, sagt Huang-po und verwendet in seinen weiteren Ausführungen munter weiter jede Menge Begriffe. Also, mit Verlaub, ich finde das schlichtweg Schwachsinn. Wir sind eben keine Eichhörnchen, die völlig begriffslos die beiden Lärchen vor meinem Fenster rauf-und runterrasen. Als Zeugen für die Richtigkeit dieser vernichtenden Beurteilung rufe ich auf Meister Huang-po höchstselbst, schreibt er doch im übernächsten Satz: „Ob du redest oder nur mit den Augen blinzelst, tue dies mit völliger Ungebundenheit.“ Na ja, zum Reden braucht man Begriffe, wie uns Huan-po ständig vor Augen führt. Ohne seine Begriffe (oder die eines anderen) wüssten wir nicht einmal von seiner Existenz. Also kann es nicht darum gehen „vollkommen ohne Begriffe zu sein“. Mir ging das genauso bei dem von mir schon oft zitierten Satz von Seng-ts’an (gest. 606): „Suche nicht nach dem Wahren, enthalte dich nur deiner Meinungen.“ Meine Fresse, meine Meinungen sind zahlreich wie die Sandkörner am Meeresstrand. Dass ich Huang-pos Satz eben als Schwachsinn bezeichnete, war gerade eine Meinung von mir. Dass ich kurz darauf meine Meinung reviderte, war ein Zeichen dafür, um es buddhistisch korrekt zu sagen, dass ich nicht allzu sehr an dieser Meinung haftete. Und genau darum geht es.
EWenn „wir“ wie dieses Ice Age-Eichhörnchen an Begriffen, Meinungen, Glaubenssätzen so haften, wenn wir glauben, recht zu haben, dann haben wir uns wahrhaft irgendwelche Parasiten in den Pelz gesetzt und können nun sehen, wie wir sie wieder loswerden.

Gestern schrieb Fredo: „Was mir geholfen hat im Verstehen … da es ja nicht wirklich möglich ist, sich der individuellen Sicht zu entziehen … solange diese quasi aus Gewohnheit hypnotisch fixiert ist ,.. ist der Begriff ‚zusätzlich‘.“ Genau in diesem Sinn ist das Anhaften etwas Zusätzliches. Die Eichel des Eichhörnchens ist eine völlig harmlose Sache. Wenn du ein „Mein“ hinzufügst, „dann hoscht dein Dreck im Schächtele“, wie die Schwaben sagen. Dieses „Mein“ ist der geistige Parsit. Ihn als Parasiten sehen zu können, ist schon mal nicht schlecht. Ihn völlig zu eliminieren … also ich hab da meine Zweifel, ob das Seng-ts’an, Huang-po oder Lin-chi je gelungen ist. Vielleicht konnten sie auf alles verzichten, vielleicht sogar auf ihre Bettelschale. Aber wenn ich einen von ihnen gefragt hätte, ob sie mir vielleicht ihre rechte Hand schenken würden, hätten sie vielleicht doch gezögert. Kann jemand ohne die geringste Ich-Anhaftung überhaupt überleben? Also Eichhörnchen können es nicht. Ich auch nicht, muss ich zu meiner Schande gestehen. Wer unter euch ohne Anhaftung ist, der werfe den ersten Stein!G

 MEIN Schatz !

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15 Antworten zu Huang-po: vollkommen ohne Begriffe sein

  1. fredo0 schreibt:

    bei betrachtung des „mein“ fällt ja auch erstmal nur dessen völlige normalität auf .
    es bezeichnet ja sprachlich nur eine zugehörigkeit mit der figur , die „fredo“ genannt wird.
    „mein“ handeln ist erstmal nur das handeln , das „meine“ figur durchführt, und damit ja ihren teil am dynamischen geschehen des augenblicks erledigt.

    bei peniblerer betrachtung des typisch menschlichen fällt aber häufig noch eine verdopplung auf.
    da wird dann ein „mein mein“ bemerkbar.
    es ist nicht dann nur dieses rein hinweisende „mein“ , sondern häufig zusätzlich noch ein possesives „mein“ im spiel.

    das „mein“ allein ist schlichte beobachtung aus der sicht einer figur heraus .
    ein „mein mein“ jedoch wird zur verfestigung des augenblicks .

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    • Nitya schreibt:

      Ja, das „typisch Mensche“ besteht aus meiner Sicht eben darin, dass Menschen über eine abstrakte Sprache verfügen, die sich völlig verselbständigen kann. „Das Wort ist nicht das Ding.“ Wird es aber für das Ding gehalten, entwickeln sich daraus ganz irre Anhaftungen und ja so kann es zu dieser Verdoppelung fürheren „mein mein“. Dann streiten sich zwei Irre um ein Wort, als ob es um ihr Leben ginge. Und gefühlsmäßig geht es dann tatsächlich um ihr Leben. Für nix und wieder nix.

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  2. Paulette schreibt:

    lieber Nitya,

    du hattest mir ja kürzlich meinen Enkel als Meister zugeordnet😉

    Er ist jetzt 2 Jahre und 3 Monate. In der Kinderpsychologie lese ich, dass in diesem Alter das Ego erscheint.
    Insofern stimme ich Fredos:
    „bei betrachtung des “mein” fällt ja auch erstmal nur dessen völlige normalität auf .“
    zu. Ich gehe davon aus, dass dieses „mein“ einen wichtigen Teil der Erkenntnis als Vorraussetzung für zukünftiges verantwortliches Handeln darstellt.
    In spirituellen Texten liest man ja immer wieder, dass es kein verantwortliches Handeln gäbe.
    So dachte ich auch einmal, stelle aber bei der Beobachtung meines kleinen Meisters fest, dass da wohl etwas in unseren Genen zu sein scheint, das einen erheblichen Unterschied macht ob es mein oder nicht mein in der Erfahrung gibt.
    Der kleine Kerl räumt z.B. „sein“ Spielzeug oder das, womit er gespielt hat, auf, das von anderen fasst er nicht an.
    Und gnade dir Gott du kommst in sein Zimmer mit einem „fremden“ Kind an der Hand.
    Man hat ja auch mal Besuch mit Kindern. Au Backe, da gehts aber ab.
    Alles, was sich in seinem Zimmer befindet wird lauthals verteidigt mit „meins, meins, meins“.
    Ein Wahnsinnsgeschrei und sogar körperlicher Einsatz mit Wegschubsen und Hauen wird sichtbar.
    Vielleicht wird dieser Impuls dann später auf unsere Meinung übertragen?

    Du hast z.B. hier lieber Nitya:

    https://satyamnitya.wordpress.com/marguerite-porete/

    das Schicksal einer Frau beschrieben, die für ihre Meinung gestorben ist.

    Aber jetzt kommt meine Frage zum heutigen und immerwährenden Thema:

    Ist alles, was wir denken können „nur“ Meinung?

    Diese gilt es loszulassen?

    Aber dann taucht „Wahrheit“ auf und wir „sollen“ dann tapfer und unbeugsam für diese Wahrheit in den Tod gehen?

    „Also bin ich, sofern ich bin, nur das, was Gott ist.“ Porète

    Gott, der sich umbringen lässt nachdem er erkannt wurde?

    Es grübelt………..und geht sich mal um den kleinen Meister kümmern😀

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    • Nitya schreibt:

      Liebe Paulette,

      versuch mal Gott umzubringen. Und berichte mir bitte über deine Erfahrungen!😉

      Wir sollen natürlich gar nichts. Also bitte, ja, komm nicht auf komische Gedanken und setz dich bloß auf keinen Scheiterhaufen. Das soll übrigens höllisch weh tun. Also lass das gefälligst bleiben! Wir brauchen dich noch.

      Also, Eichhörnchen. Wenn ein Eichhörnchen eine Walnuss erwischt hat, dann ist das seine Walnuss wie bei deinem Enkel mit seinen Spielsachen. Anders als dein Enkel sagt das Eichhörnchen nicht „mein“, es tut „mein“. Ja, völlig normal, also genetisch programmiert. Ich schrieb ja, bitte mal einen Guru, dir seine rechte Hand zu schenken, er würde dir vermutlich einen Vogel machen.

      Ja, die Porète. Es geht nicht darum, ihr oder wem auch immer irgendetwas nachzuäffen. Sie wollte einfach nicht das, was ihr zum Allerwichtigesten gewoder war, verleugnen. Und dafür war sie bereit, nicht nur eine Hand, sondern die ganze sterbliche Person zu opfern. Das ging eindeutig gegen die genetischen Programme. Das war alles andere als normal. Aber du kennst das doch sicher auch, wenn es auch nicht gleich die Existenz der Persön zerstört hat. Schau, ich war mal ein paar Jahre Beamter. Dann bekam ich eine neue Vorgesetzte. Als die mich das erste Mal visitierte, sagte sie mir hinterher, was ich falsch gemacht hätte und wie ich es zukünftig machen sollte. Ihr „Rat“ spottete allem Hohn, was ich meinen Schützlingewn beibringen sollte und was ich auch als notwendig erkannt hatte. Also sagte ich ihr, ich würde es zukünftig wieder so machen, wie ich es gemacht habe. Als sie dann auch noch verlangte, einen meiner Schützlinge bei der Regierung zu verpfeifen, war das Fass voll und ich kündigte, Nein, das war kein Scheiterhaufen, aber es kostete mich meinen sicheren Job auf Lebenszeit. Es gibt möglicherweise Dinge, die einem wichtiger sind, als die eigene Existenz. Machen ja die IS-Selbstmordattentäter auch so und ist wahrscheinlich ziemlich verrückt.

      Liebe Grüße an den kleinen Meister und an dich!

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  3. Paulette schreibt:

    lieber Nitya,

    was du über Porète sagst, finde ich interessant.
    Ich habe das jetzt nocheinmal überdacht. Beim Wäsche sortieren und bügeln kam mir die Idee, es könnte doch sein, dass Porète eine „advaitische“ Erfahrung gemacht hat und somit fielen alle Begriffe plötzlich aus, auch der Gottesbegriff. Und als sie das begriff, konnte sie den Körper verbrennen lassen. Als Nonne eine logische Schlussfolgerung, wem sollte sie denn noch dienen?

    Ich diene ja dem Leben und daher besteht bei mir keine Gefahr, dass ich auf einen Scheiterhaufen steige, ich lasse mich vom Leben verbrennen😀

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    • Elwood schreibt:

      „Als Nonne eine logische Schlussfolgerung, wem sollte sie denn noch dienen?“

      „Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde.“

      „Meine Logik – mein Verstand“, ist mein Gott, mein Götze. Ich bin Gott, ich bin der Handelnde(im Glauben). Somit auch der Verantwortliche, Der Schuldige – da unvollkommen/sterblich.
      Fällt mein Gottesbegriff(vom Äußeren)(höhere Instanz),
      vom Allmächtigen(Vollkommenen – da Unsterblich), Planer, Sinnstifter, Hoffnungsträger, was auch immer:
      So fällt auch MEIN Götze, MEINE Logik, Mein Verstand, Mein Glaube Handelner/Täter zu sein.
      Alle Vorstellungen = Nichts!
      Glaube = Nichts!
      Nada! Pustekuchen!
      Keine logische Schlussfolgerung mehr…
      So formuliert es Meine Logik, Mein Verstand, aber glaube ich ihr/ihn?
      Wer ist ICH?
      Wer ist ER?(ES)
      Was ist Mein?
      Meine Mein-ung = Vor-Stellungs-Glaube?
      Keine Ahnung….

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      • Nitya schreibt:

        Wie wundervoll: „Keine Ahnung….“

        Dann gibt es nur diesen Augenblick mit „Keine Ahnung….“, „meins“, „is doch logisch“, „ich hab recht“, „wer ist ICH?“, „Dolchheini“, „ich will’n Kaffee“, „mir ist so heilig zumute“, „Scheiß Fliege, hau ab!“, „…..“, „jetzt hab ich drei Sekunden nix gedacht“, …. und was da sonst noch für’n Schrott auftaucht oder, oh Wunder!, nicht auftaucht. „Aahhh, dieses Nichtauftauchen!“ „Scheiße, jetzt hab ich doch wieder gedacht!“ …

        Starren ins Leere.

        Wie wohltuend. Und wieder Denken. Auch das wohltuend. Kein Unterschied. Offene Weite, nichts von heilig. Wie wahr, wie wahr. Denken, Nicht-Denken, Vorstellungen, Meinungen, … nichts besser, nichts schlechter.

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      • Paulette schreibt:

        lieber Elwood,

        fein,😀

        darauf:

        „Fällt mein Gottesbegriff(vom Äußeren)(höhere Instanz),
        vom Allmächtigen(Vollkommenen – da Unsterblich), Planer, Sinnstifter, Hoffnungsträger, was auch immer:
        So fällt auch MEIN Götze, MEINE Logik, Mein Verstand, Mein Glaube Handelner/Täter zu sein.“

        wollte ich hindeuten als ich schrieb:

        „es könnte doch sein, dass Porète eine “advaitische” Erfahrung gemacht hat und somit fielen alle Begriffe plötzlich aus, auch der Gottesbegriff.“

        wie lustig, da hatten wir beide wohl die gleiche:

        „Meine Mein-ung = Vor-Stellungs-Glaube?“

        während wir doch wissen, dass wir keine Ahnung haben.

        Was für ein Glaube, dieses Nichtwissen, diese Freiheit von Ahnung……schöööööön……

        Sonntägliche Sonnengrüße in die Runde

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  4. Brigitte schreibt:

    Ja Nitya, das mit dem Job ist ein gutes Beispiel. Mir ging es ähnlich. Innerlich gekündigt hatte ich ja schon lange. Trotzdem mit bereits über 50J. immer wieder aufgeschoben. Irgendwann war das Maß voll. Die Konfrontation mit meinem Chef war so existentiell, dass diese Entscheidung „in diesem Irrenhaus bleibe ich keine Sekunde länger“ dann völlig unvermittelt fiel. Es war eine innere Zerreißprobe. Es fühlte sich an als drohte eine gewaltige Kraft mich in zwei gegensätzliche Richtungen in der Mitte auseinanderreißen. In dieser extremen Spannung zu verbleiben ist schlicht unmöglich und so schrieb „es“ noch am selben Tag die Kündigung. „Ich“ als Entscheidungsträger war da gar nicht beteiligt.

    Und dieses Besitzerding „mein“ erinnert mich gerade an eine Begebenheit aus der Kindheit. Manchmal, wenn etwas Geld übrig blieb, brachte meine Mutter Süßigkeiten mit. Und ich als älteste von drei Geschwistern durfte sie gerecht aufteilen. Da ich besonders scharf auf diesen Süßkram war, teilte ich diese natürlich so auf, dass meine Wenigkeit am meisten davon abbekam. Später ging dann die „Meinheit“ auf andere Dinge über. Wehe irgendwer vergriff sich an meinen Sachen oder ging gegen meine Ansichten (ein Schritt zum Mord war da nur ein Katzensprung).

    „mein/dein“ „ich/du“ „ich/Welt“ die Verhaftung an die Idee einer autonomen Wesenheit, die getrennt von anderen/m existiert und handelt. Das ist der Hexenkessel, aus dem es kein Entrinnen gibt. Aber wer weiß, vielleicht ist der eine oder andere entwischt und träumt auf Wolke sieben den Traum von der ewigen Erlösung.

    Wenn die künstliche Trennung fällt, BIST DU Nichts&Alles. „Himmel und Hölle“ sind nicht irgendwo da draußen. Es ist eine Gratwanderung, sich nicht in den Dingen und Begrenzungen zu verlieren, sie aber auch nicht zu leugnen,und den Herausforderungen des Menschseins nicht auszuweichen (doch wer hat schon die Wahl). Unsere wahre Natur verwirklicht sich genau so und schließt nichts aus. Auch nicht die Scheißhaufen, die wir überall hinterlassen und genauso wenig die scheinbaren Ketten, die uns an Ideen und Vorstellungen von was-auch-immer binden.

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    • Paulette schreibt:

      liebe Brigitte,
      danke für das Lied, ich kannte es bisher nicht.
      In dem Lied heißt es:

      „…weil alles bricht am Lauf der Zeit
      und damit trotzdem nicht alles sinnlos bleibt,
      weder erster Schritt, noch letzter Tanz,
      will ich dass du mein Freund, meine Geschichte kennst.“

      Das finde ich soooooo schön und berührt mich sehr.
      Manchmal hab ich schon gedacht, ich sollte wieder aufhören meine Geschichten aufzuschreiben aber dann ist da diese Freude, trotzdem sie selbst und ihr Objekt wieder im Nichts verschwinden.

      Einen sehr herzlichen Gruß an dich ins Wochenende

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      • Brigitte schreibt:

        ja, liebe Paulette, auch ich liebe Geschichten. Mein Vater hat mich schon als kleines Kind mit unzähligen beschenkt. Ein Ort der Geborgenheit ganz tief in mir konnte ich so finden. Und jede Geschichte ist in sich frei. Sie braucht keinen Besitzer. Was gibt es Schöneres als das zu tun, was man liebt.

        Dir auch ein wunderschönes Wochenende und viel Spaß mit dem Schreiben.

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    • Nitya schreibt:

      „Es ist eine Gratwanderung, sich nicht in den Dingen und Begrenzungen zu verlieren, sie aber auch nicht zu leugnen,und den Herausforderungen des Menschseins nicht auszuweichen (doch wer hat schon die Wahl).“

      Liebe Brigitte,

      das gefällt mir.

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  5. fredo0 schreibt:

    Nityas Lieblingssatz :
    „““Mir ging das genauso bei dem von mir schon oft zitierten Satz von Seng-ts’an (gest. 606): “Suche nicht nach dem Wahren, enthalte dich nur deiner Meinungen.” Meine Fresse, meine Meinungen sind zahlreich wie die Sandkörner am Meeresstrand. „““

    ich habe gerade im zenartblog eine etwas andere Übersetzung gefunden :
    „“Suche nicht die Wahrheit , sondern höre auf Meinungen zu hegen““ ,
    die mir ein weiteres Schlaglicht auf diesen Hinweis zu geben scheint .

    es geht wohl nicht um ein „sich enthalten“ … wer könnte das schon , kommen doch meinungen wie brandung , mit der gedankenflut … es ist ja stets ein mit „ich“ zusätzlich dekorierter gedanke , der erst als nackter impuls eintreffend , dann „dekoriert“ werden muss , um der erinnerung zugänglich zu werden , der dann auch völlig automatisch vom nackten gedankenimpuls zur meinung aufgeblasen wird … ein prozess der wahrnehmung , und ihrer „weiterleitung“ … jeder kontrolle enthoben , jedem „sich enthalten“ entzogen …
    jedoch …
    diesen gedanken , als meinung dekoriert , dann zu > hegen … ihn also – zusätzlich – zu „päppeln“ , verleiht ihm dann eine bedeutsamkeit über den reinen erscheinungsmoment hinaus …
    und da liegt wohl der „hase im pfeffer“ , auf den der olle seng-tsan so vortrefflich hinweist .

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    • Nitya schreibt:

      „es geht wohl nicht um ein “sich enthalten” … wer könnte das schon , kommen doch meinungen wie brandung , mit der gedankenflut … es ist ja stets ein mit “ich” zusätzlich dekorierter gedanke ,“

      Liebwerter, sehr geehrter Hochwohlgeborener Herr Fredo, bitte erhelle meinen Sinn: Worin bestht denn nun der Unterschied zwischen „enthalte dich nur deiner Meinungen“ und „höre auf Meinungen zu hegen”? In beiden Fällen haben wir esmit einer Aufforderung an eine Person zu tun, die an sich schon eine Dekoration ist. In beiden Fällen wird diese Dekoration mit einem zusätzlichen Gedanken dekoriert. Einmal geht es darum, sich einer zusätzliche Dekoration zu enthalten, einmal darum diese zuätzliche Dekoration nicht zu hegen. Trifft nicht für beide zu: Wer könnte das schon , kommen doch Meinungen wie Brandung , mit der Gedankenflut … es ist ja stets ein mit “ich” zusätzlich dekorierter Gedanke,“? Da ist niemand, der sich enthalten könnte, da ist niemand, der hegen könnte. Beide Aufforderungen schweben im Winde davon und leise rauscht die Linde.

      Hab ich irgendwas nicht kapiert?

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      • fredo0 schreibt:

        hmmm …. so als ein sich auch mal outender wortklauberix …
        wenn ich mich von etwas enthalte , besteht (sprachlich) ein versuch ( so müßig er auch sei ) meinung per tuto nicht zuzulassen … was ja , unmöglich ist …

        wenn jedoch der hinweis mit einem „nicht hegen“ formuliert wird , bezieht sich der hinweis nicht auf das reine auftauchen von meinung ( was ja unvermeidbar ist ) , sondern eher darin , diese meinung dann nicht zu konservieren …
        natürlich ist beiden formulierungen der „macher“ zu eigen …
        was aber mit jeder denkbaren formulierung in sprache geschieht …

        doch gibt es halt doch auch manchmal bei mancheinem ein wenig diesen aspekt der stimulation der wissenden ahnung ( bzw. der vertrautheit mit eigener ahnungslosigkeit ) durch „feine“ worte … auch wenn alle müßig sind , und niemals etwas „mittig“ treffen , so ist es doch manchmal möglich , dass sie ein zwischen den worten hinhören/hinfühlen ermöglichen … und dieses zwischen den zeilen ahnen kann immer vertrauter und auch vertrauenswürdiger werden … so mein kleines credo für einen möglichen wert der worte .

        und manchmal juckt es mich , dieses „feine“ mögliche ein wenig herauszukitzeln …
        denn der sprachlose schweiger im staunen der stille war ich noch nie …
        ich vermag das für mich durchaus in wortreicher stille zu erleben … dieses staunen …
        😀

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