Jed McKenna: Wer trifft schon bewusst die Wahl?



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Wer trifft schon bewusst die Wahl, sich selbst in Ketten zu legen? Wer trifft die Wahl zugunsten Heirat, Kindern und Karriere? Wer trifft die Wahl, sich den Reihen schuldengeplagter Konsumenten zuzugesellen und die Früchte lebenslanger Arbeit als Sklaven von Besitz und Körperschaften zu vergeuden? Wer trifft die Wahl, in seiner freien Zeit Besorgungen zu machen, Haushaltspflichten zu erledigen und fernzusehen? Wer trifft die Wahl, vergiftete Nahrung zu sich zu nehmen, in einer vergifteten Umwelt zu leben, umgeben von vergifteten Menschen? Wer sucht es sich aus, ein von der Geburt bis zum Tod vorprogrammiertes Leben zu führen? Wer hat schon solche schäbigen, widerwärtigen, lebensverneinenden Träume?

Gut, vielleicht ist ja ein Leben aus Schinderei und Karottenjagd genau das, was wir wählen würden, wenn wir wählen würden, aber wir wählen nicht. Das bedeutet es, bewusstlos zu sein, innerhalb des Traumzustands zu schlafen. Wir schlüpfen in unser Leben, das für uns bereitgelegt wurde, so wie Kinder in die Kleider schlüpfen, die ihre Mutter am Morgen für sie bereitgelegt hat. Niemand entscheidet etwas. Unser Leben beruht nicht auf unserer Wahl, sondern auf Vorgaben. Wir spielen die Rollen, für die wir geboren wurden. Wir leben unser Leben nicht, wir werfen es weg.

aus: Jed McKenna, „Spirituelle Dissonanz“

HMan sagt, in den ersten sechs Lebensjahren finden die entscheidenden Prägungen statt. In den letzten Jahren hat man sich ja verstärkt mit den traumatisierten Kriegs- und Nachkriegskindern auseinandergesetzt, deren Traumata nie so richtig wahrgenommen wurden. Ich bin Jahrgang 42. Drei Jahre Krieg, drei Jahre Nachkriegszeit. Was bin ich doch für ein armes traumatisiertes Würstchen! – Von wegen. Ich bin ein richtiger Glückspilz. Wie soll man in solchen Zeiten eine ordentliche Prägung hinbekommen? Alles ging drunter und drüber. Alle Werte gingen den Bach runter, Sicherheiten wurden über Nacht zerstört, Hoffnungen begraben, Zukunft war kein Thema, wichtig war wie man den gegenwärtigen Tag überlebte. Und dann hatte ich da noch einen Vater, der 53 Jahre älter war als ich, der für mich die Brüchigkeit meines Lebens noch massiv verstärkte. Was für eine wundervolle Voraussetzung, seine Heimat nicht im Außen, sondern, um es mit Osho zu sagen, in der Heimatlosigkeit zu suchen.

Klingt jetzt so großkotzig. Keine Sorge, ich habe nicht nur genug Traumata mit auf den Weg gekriegt, sondern auch noch genug völlig absurde Programme. Programme kann man, so man sie denn überhaupt als solche bemerkt, hinterfragen und sie so ihrer Wirksamkeit berauben. Mit den Traumata ist das schon schwieriger. Nicht mal meinen Ekel vor Spinnen und Spinnweben bin ich losgeworden, der noch aus der Zeit der Ruinen stammt, als man dort herumkroch, dabei auf ganz furchterregende Typen stieß und zu allem Überfluss auch noch ständig irgendwelche eklig-klebrigen Spinnennetze nebst ihren Eigentümern in die Augen bekam. Aber das ist ja harmlos. Dass bei mir ganz leicht bei Überlastungen die Sicherung rausspringt und ich bisweilen nur noch mit dem Stammhirn reagiere und in regelrechte geistige Schockstarre verfalle, ist dann schon weniger lustig.

Aber was ist das alles neben dieser großen Gnade, nur sehr unzulänglich und mit absolut widersprüchlichen Programmen beackert worden zu sein. Welche Möglichkeiten eröffnen sich da. Am schlimmsten ist doch der dran, der seine Programmierung und sein ganzes Sklavensein gar nicht mehr bemerkt und vehement seine Ketten verteidigt.

AWat haste denn?
Mir jeht’s doch bong!

 

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3 Antworten zu Jed McKenna: Wer trifft schon bewusst die Wahl?

  1. Sandra schreibt:

    Ein junger Mönch fragte den Meister:
    „Wie kann ich mich nur befreien?“
    Der Meister antwortete:
    „Wer hat dich nur versklavt?“

    Dazu fällt mir eine kleine Geschichte ein.Letztes Jahr war ich mit meiner Familie in Spanien, Freunde besuchen. Die dachten, sie täten uns was feines (die Spanier haben´s nicht so mit Tierschutz) und haben uns mit zu einer Greifvogelwarte mitgenommen.
    Ich kann nicht beschreiben, welche grausigen Gefühle das in mir hervorgerufen hat, diese prachtvollen Wesen mit ihren weisen Augen an Ketten angebunden auf dem staubigen Boden vor sich hinvegetieren zu sehen. Ich war tieftraurig und hätte sie am liebsten alle befreit!
    Tatsächlich wurden sie das alle später – befreit. Und wir schauten zu, wie all diese Adler, Bussarde, Milane und Falken ihre Flügel ausbreiteten, sich in die Luft stießen und majestätisch hoch über den spanischen Bergen ihre Kreise zogen. Sie wurden dabei immer lebendiger, flogen die kühnsten Flugmanöver, breiteten sich aus, manche sah man nur noch als kleines Pünktchen über den Pyrenäen. Dabei steißen sie laute Schreie aus – es klang als würden sie die Freiheit begrüßen!
    Dann – ein Pfiff aus einer Pfeife, Fleischstückchen hingehalten von den Mitarbeitern und alle kamen wieder zurück. „Neiiiiiiiin“ schrie es da in mir…macht das nicht – fliegt weg, fliegt doch wieder weg – ihr seid alle frei….
    aber alle ließen sich füttern und danach wieder an Ketten legen!
    Ich war entsetzt…ich bin es noch immer! Ich hab später mal gefragt, ob die nicht begreifen, das sie frei sind „Doch“, sagte einer der Pfleger, „manchmal kommen manche für 1-2 Tage nicht wieder, aber dann kommen sie zur nächsten Fugshow, lassen sich füttern und erneut einsperren!“
    Scheiße, dachte ich…die sind wie wir. Für ein bisschen Bequemlichkeit, nur dafür, dass sie ihr Futter nicht selbst jagen müssen fristen sie ihr Leben lieber in Ketten als frei ihrer Natur zu folgen!

    Unsere Ketten sind glaube ich das Geld! Wenn des das nicht gäbe, sondern wir frei untereinander tauschen würden, was uns von der Natur mitgegeben wurde…unsere Talente, Berufungen…dann wäre wir nicht mehr so gefangen.
    Vielleicht wären wir dann frei…vielleicht auch nicht…vieleicht ist uns da ja zu unbequem und wir mögen unsere Fesseln, die uns ein Dach über dem Kopf, ein gutes Essen, ein Bierchen, einen Platz vor unserem Fernseher, die Bildzeitung…als Sicherheit vorgaukelt.

    Wer hat mich nur versklavt…???

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    • Eno Silla schreibt:

      Liebe Sandra, danke für diesen Beitrag!!!

      Wer hat mich nur versklavt?
      Nur weil Ich bin erscheinen
      Sklaven und Sklavenhalter…
      Der Preis der (Vorstellung von) Freiheit –
      Unfreiheit.
      Ein echtes Dilemma,
      wenn nicht sogar ein Tetralemma.
      So scheint es mir!

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    • Nitya schreibt:

      Wer hat mich nur versklavt?

      Liebe Sandra,

      eine feine Frage. Also so aus dem Ärmel geschüttelt, fällt da raus: Der liebe Gott natürlich, der alte Halunke.Sind’s nur die Vorstellungen von Freiheit, die Unfreiheit bedingen? ich denke an meinen Kater Gregor; der hatte keinerlei Vorstellungen von Freiheit. Aber wenn ich ihn in eine Tragetasche stopfen wollte, um ihn zum Tierarzt zu bringen, wurde aus dem friedfertigsten Wesen ein Ungeheuer. Unfreiheit konnte er auf den Tod nicht ab, ohne das Wort Unfreiheit überhaupt zu kennen.

      Na ja, Unfreiheit ist auch nur ein Wort. Wofür soll es stehen? Für jemanden, der in Ketten liegt und jederzeit getötet werden kann, wenn er nicht tut, was man ihm sagt, oder für jemanden, der sich unfrei fühlt? Das ist ja nicht unbedingt dasselbe.

      Ich bin ein fauler Sack, hab’s gern gemütlich, warm und kuschelig. Natürlich macht mich das abhängig. Aber wer ist nicht abhängig? Zum Beispiel von der Luft zum Atmen? Bin ich also versklavt? In gewisser Weise schon, auch wenn es sehr klare Grenzen geben mag. Aber jetzt gehe ich immer von einer Person aus, die das in irgendeiner Weise benennt. Womit wir sofort wieder bei der Frage wären:Wer ist diese angebliche Person?.

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