Liä Dsi: Nichts kommt der Stille, nichts der Leere gleich.


L
Es sagte jemand zu Meister Liä Dsi: „Wie kann der Meister die Leere so hochschätzen!“

Liä Dsi sprach: „Die Leere braucht keine Hochschätzung. Es kommt nicht auf die Namen an. Nichts kommt der Stille, nichts der Leere gleich. Durch Stille, durch Leere findet man die Heimat, durch Nehmen und Geben verliert man seinen Ort. Wenn eine Sache verdorben und zerstört ist, und man fuchtelt nachher herum mit Liebe und Pflicht, so kann man sie nicht wiedergutmachen.“

aus: Liä Dsi, „Das wahre Buch vom quellenden Urgrund“

Ich hab’s ja mit den Eichhörnchen, wie ihr wisst. Ist ja auch kein Wunder, ich brauch bloß aus dem Fenster gucken, dann sehe ich sie in den beiden Lärchen herumturnen. Manchmal halte ich unwillkürlich den Atem an, wenn sie einen ihrer geradezu Wahnsinns-Sprünge vollführen. Da ist kein Messen und Abwägen, nicht das geringste Zögern. „Veni, vidi, vici.“ fällt mir ein, nur sagen das halt nicht die Eichhörnchen, sondern dieser Mister Imperator. Ich kann mir die Version dieses von einem satten, dämlichen Lachen begleiteten Spruchs zur Ermordung von Muammar al-Gaddafi aus dem Munde der demokratischen Präsidentschaftskandidatin nicht verkneifen:We came, we saw, he died.“ Howgh, das Imperium hat gesprochen. Aber zurück zu den Eichhörnchen. Wenn die kamen, sahen und „siegten“, dann haben sie zum einen nicht damit angegeben und zum anderen gab es da keine Aufspaltung in einzelne Abschnitte, sondern „Kommen, Sehen, Siegen“ waren absolut eins. Der „Sieg“ oder besser das Gelingen stand von Anbeginn fest.E

Liä Dsi war ein alter Taoist, ca. 450 v. Chr. , und er wusste noch, was es heißt, ganz im Fluss des Tao zu leben. Die Eichhörnchen wissen es auch, auch ohne je eine Abhandlung über das Tao gelesen zu haben. Ohne dieses instinktive Wissen, würden sie fast bei jedem Sprung auf dem Boden landen und von einer Katze gefressen werden. Wenn Liä Dsi von der Stille oder der Leere spricht, dann meint er damit das Tao. Aber, wie er sagt, es kommt nicht auf die Namen an. Die Eichhörnchen haben’s eh nicht so mit den Namen, aber sie wissen genau, was für sie möglich ist und was nicht. Der Ort, aus dem sie stets handeln, ist die Leere, ist die Stille. Dieser Ort ist ihre Heimat.

Dann sagt Liä Dsi: „Durch Nehmen und Geben verliert man seinen Ort.“ Nehmen die Eichhörnchen von ihrem Heimatort je etwas weg, fügen sie je etwas hinzu? Das wäre nur durch den Verstand möglich. Wo das hinführt, können wir sehr schön bei Hillary Clinton sehen. Liä Dsi fügt hinzu: „Wenn eine Sache verdorben und zerstört ist, und man fuchtelt nachher herum mit Liebe und Pflicht, so kann man sie nicht wieder gut machen.“ Das, was da in Libyen kaputt gegangen ist, kann durch alle wohltönenden Lügen über Menschenrechte und dergleichen nicht wieder gut gemacht werden. Oder wie Bert Brecht sagte: „Der abgerissene Strick kann wieder geknotet werden. Er hält wieder, aber er ist zerrissen.“

„Nichts kommt der Stille, nichts der Leere gleich. Durch Stille, durch Leere findet man die Heimat.“ Im Fluss des Tao zu sein, ist keine nette Spielerei von irgendwelchen ausgetickten Freaks. Es ist eine unbedingte Notwendigkeit, wenn unsere Welt nicht vollends vor die Hunde gehen will.

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6 Antworten zu Liä Dsi: Nichts kommt der Stille, nichts der Leere gleich.

  1. Brigitte schreibt:

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  2. Eno Silla schreibt:

    Mascha Kaléko

    Sei still …

    Als ich der Mutter meinen Kummer klagte,
    Ich höre noch, was sie dem Kinde sagte
    Mit einem Lächeln, wie ich’s nie gesehn –
    „Sei still, es wird vorübergehn.”

    So hielt ich still. Und manches ging vorüber.
    Denn alles geht vorüber mit der Zeit:
    Das große Glück. Das Frösteln und das Fieber.
    Selbst ein Novembertag, ein noch so trüber.
    Beständig bleibt nur Unbeständigkeit.

    Als dann der große Zweifel an mir nagte,
    – Ich wusste schon, dass man es keinem klagte
    Und dass sogar die Freunde missverstehn –
    So oft ich damals an mir selbst verzagte,
    war es die leise Stimme, die mir sagte:
    Sei still, es wird vorübergehn.

    Was ist nicht alles schon dahingegangen
    Wie Schneegestöber und wie Windeswehn…
    und dennoch hab ich jetzt erst angefangen,
    Den Dingen auf den Grund zu sehn.
    Wer nichts begehrt, der ist nicht zu berauben,
    Gespenster sind nur dort, wo wir sie glauben.
    Ich habe lange, lange nicht geklagt.
    Nichts tut das Leid dem, der „es tut nichts” sagt.
    Sei der du bist. Mag kommen, was da will.
    Es geht an dir vorüber, bist du still.

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    • fredo0 schreibt:

      Es riecht einfach nach einem erneuten NSA-Kriegszug … um nicht zu sagen es stinkt danach … dieses seit einigen Jahren systematisch destabilisierte Griechenland … wenn man bedenkt , dass in der Ägäis extrem ergiebige Gas- und Ölvorkommen vermutet werden , ist es schon seltsam , dass dieser Aspekt aber so gar nicht in der Diskussion auftaucht … die Wallstreet hat das sicherlich im Fokus

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