Bankei: der kleinste Gedanke, besser zu werden, als ihr seid


B
Der Geist der Buddhas und der Geist der gewöhnlichen Menschen sind nicht zweierlei Geist. Die sich in ihrer Schulung ernsthaft bemühen, weil sie Satori erlangen oder ihren eigenen Herz-Geist entdecken wollen, unterliegen ebenfalls einem großen Irrtum. Jeder der das Herz-Sūtra rezitiert, weiß: „Der Geist ist ungeboren und unsterblich.“ Aber sie haben den Quell des Ungeborenen noch nicht ausgelotet. Sie vermeinen immer noch, sie könnten den Weg zum ungeborenen Geist finden und Buddhaschaft erlangen, indem sie Verstand und Unterscheidungsvermögen einsetzen. Sobald die Vorstellung „Buddhaschaft suchen“ oder „den Weg erlangen“ in eurem Geist auftaucht, seid ihr schon vom Ungeborenen abgeirrt, habt ihr euch an dem vergangen, was in euch ungeboren ist. Jeder, der so Erleuchtung zu finden sucht, fällt aus dem Buddha-Geist heraus und gibt sich mit zweitrangigen Dingen ab. Ihr seid immer schon Buddhas. Ihr könnt gar nicht jetzt erstmals Buddhas werden. In diesem Ur-Geist ist auch nicht die Spur von Verblendung. Ich versichere euch: Nichts geht je aus ihm hervor. Wenn ihr die Fäuste ballt und umherlauft zum Beispiel – dann ist das das Ungeborene. Ist da auch nur der kleinste Gedanke, besser zu werden, als ihr seid, ist da auch nur die geringste Neigung, etwas zu suchen, so kehrt ihr dem Ungeborenen den Rücken. Es ist weder Freude noch Zorn in dem Geist, mit dem ihr geboren werdet – nur der Buddha-Geist mit seiner wundervollen Weisheit, die alle Dinge erleuchtet. An das fest zu glauben und von allem Anhaften frei zu sein – das nennt man den „gläubigen Geist“.

aus: Meister Bankei, „Die Zen-Lehre vom Ungeborenen“

LWollte mein Kater Gregor je besser werden als er war? Nein, natürlich nicht. Deshalb war das ja auch so himmlisch, wenn er es sich auf meinem Schoß gemütlich gemacht hat, während ich gerade ein Buch las. Was für ein Frieden. Wie anders fühlte es sich an, wenn ich an die Schule denke, in der ich alles Mögliche erreichen sollte. Ich brauche bloß an die didaktischen Prinzipien denken, die damals gerade in Mode waren: „Zielorientierung, Wissenschaftlichkeit, Angemessenheit bzw. optimale Passung, Aktivierung und Motivierung, Strukturierung, Leistungssicherung und -kontrolle“ oder so. Alles läuft auf ein geplantes Werden hinaus. Die Schüler sind die zu bearbeitenden Objekte und als Subjekte im Grunde nur Störenfriede. Camerons Äußerung, die ich gestern in einem Kommentar erwähnte, passt da lückenlos hinein. Schule dient der Volksverblödung und der Heranbildung williger Staatsdiener.

Bankei sagt: „Ist da auch nur der kleinste Gedanke, besser zu werden, als ihr seid, ist da auch nur die geringste Neigung, etwas zu suchen, so kehrt ihr dem Ungeborenen den Rücken.“ Nun, das haben wir ja alle von der Pike auf gelernt, uns zu „verbessern“. Später dann haben wir es getan nicht nur, weil wir es sollten, sondern weil wir es wollten. Waren es dann nicht unbedingt die Ziele der Gesellschaft, die wir uns zu eigen gemacht, so waren wir doch getrieben von dem Gefühl, so wie wir uns vorfanden, nicht zu genügen. Kater Gregor hatte damit nicht das leiseste Problem. So wenig wie ein Baum oder ein Stein, hegte er jemals den Verdacht, an ihm könne irgendetwas verkehrt sein. Insofern interessierte er sich nicht die Bohne für eine Verbesserung seiner Katernatur. Wir aber wollen, wenn wir schon nicht Herrscher der Welt werden können, so doch zumindest erleuchtete Meister werden. Drunter wollen wir’s nicht tun. „Ist da auch nur der kleinste Gedanke, besser zu werden, als ihr seid, ist da auch nur die geringste Neigung, etwas zu suchen, so kehrt ihr dem Ungeborenen den Rücken.“ Gregor war ein wunderbarer Lehrmeister – so ganz ohne Erleuchtungsurkunde. Jeder Baum macht es uns vor und jede Wolke am Himmel. Nur wir sind starrsinnige Anhänger unserer Verbesserungsversuche. Und wenn wir es schon nicht schaffen, uns zu verbessern, dann sollten wir es doch wenigstens schaffen, unsere Mitmenschen zu ihren Gunsten zu verbessern. Bankei: „Es ist weder Freude noch Zorn in dem Geist, mit dem ihr geboren werdet – nur der Buddha-Geist mit seiner wundervollen Weisheit, die alle Dinge erleuchtet. An das fest zu glauben und von allem Anhaften frei zu sein – das nennt man den ‚gläubigen Geist‘.“ Ich kenne den Ursprungstext nicht, aber ich hätte ihn lieber den „vertrauensvollen Geist“ genannt.

KFredo hat ja gestern dem Ganzen noch ein Sahnehäubchen aufgesetzt. Er schrieb: „Und … mag sein … selbst dieses sich Einlassen wäre überflüssig, da es ohnehin kein „anders“ geben kann … ob jetzt eingelassen oder nicht. Genau dieses zu sehen … „es kann nie ein anders geben“ … hat nach einem anfänglichen irritierendem Gefühl von darin womöglich gefangen zu sein, mir dann aber einen feinen Frieden offenbart. Es kann nie anders sein … was für eine Vollkommenheit …“ So und nu setzt mal dieses Sahnehäubchen auf Bankeis Aussage: „Ist da auch nur der kleinste Gedanke, besser zu werden, als ihr seid, ist da auch nur die geringste Neigung, etwas zu suchen, so kehrt ihr dem Ungeborenen den Rücken.“ Und dann versucht mal, dem Ungeborenen den Rücken zuzukehren.

 

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4 Antworten zu Bankei: der kleinste Gedanke, besser zu werden, als ihr seid

  1. Eno Silla schreibt:

    hier mal wieder was von karl renz zum thema (juni 2015):
    http://workupload.com/file/W9yhFpTd

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  2. Ronny schreibt:

    „ich seh garnixmehr“ hehehe…

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