Linji: gebt ihnen keinen Namen

0Jünger des WEGES, es ist dringend nötig, dass ihr versucht, wahre Einsicht zu erlangen und mutig [hier] unter dem Himmel dahinschreitet und nicht wegen diesem Haufen Gespenster den Verstand verliert. [Der welcher] nichts zu tun [hat], ist der Edle. Bemüht euch nicht – seid einfach normal. Aber ihr rennt draußen hin und her, stellt Fragen und sucht einen, der euch hilft. Ihr täuscht euch. …

Jünger des WEGES, wenn ich Bergmönch den Dharma erläutere, welchen Dharma erläutere ich? Ich erläutere den Dharma des Geistes-Grundes, durch den man in das Weltliche und das Heilige gelangen kann, in das Reine und das Schmutzige, in das Wahre und zeitlich Begrenztes. Aber merkt auf! Ihr geht falsch in der Annahme, dass euer Wahres und zeitlich Begrenztes, Weltliches und Heiliges alles Wahre und zeitlich Begrenzte, Weltliche und Heilige benennen kann. Das Wahre und zeitlich Begrenzte, Weltliche und Heilige kann diesen Menschen nicht benennen.

Jünger des WEGES, begreift und nutzt diese Dinge, aber gebt ihnen keinen Namen – dies wird der ‚geheimnisvolle Grundsatz‘ genannt.

aus dem Linji-Lu

Was könnte Linji mit diesem Haufen Gespenster meinen, bei dem man glatt seinen Verstand verlieren kann? Nun, ich denke, er spricht von all den Vorstellungen, die sich aufgrund irgendwelcher Benennungen gebildet haben. Da sagt einer: „Erleuchtung“ und jeder versteht weiß der Teufel was darunter. Da sagt jemand: „Liebe“ und jeder versteht weiß der Teufel was darunter. Oder jemand sagt: „Dharma“ und jeder versteht weiß der Teufel was darunter. Heraklit sagte aus gutem Grund: „Lasst uns keine beliebigen Vermutungen anstellen über die höchsten Dinge.“ Diese Vermutungen sind diese Gespenster, die uns dann im Nacken sitzen.GGestern konnte Fredo ja einen möglichen Sinn in den ganzen Anstrengungen der Sucher entdecken. Er kritisierte allerdings das mit der Anstrengung verbundene Versprechen auf Erfolg. Genau dies ist vermutlich das, was Linji als einen Haufen Gespenster bezeichnet, mit denen man seinen Verstand verlieren kann. Allerdings kenne ich niemanden, der ohne dieses Versprechen je in die Hufe gekommen wäre und brav seine Übungen gemacht hätte. Linji sagt zu alledem: „Bemüht euch nicht – seid einfach normal.“ Ganz einfach. Wozu differenzieren, wenn es so einfach, so klar ist?

Um es noch einfacher zu machen, empfiehlt Linji: „Jünger des WEGES, begreift und nutzt diese Dinge, aber gebt ihnen keinen Namen – dies wird der ‚geheimnisvolle Grundsatz‘ genannt.“ War am Anfang oder im Anfang wirklich das Wort? Wort in dem Sinn, wie wir es alltäglich zu benützen pflegen? Im Psalm 90,9 wird gesagt: „Darum fahren alle unsere Tage dahin durch deinen Zorn; wir bringen unsre Jahre zu wie ein Geschwätz.“ Heraklit hat es auf seine Weise gesagt, aber im Grunde ist alles Gerede über das Unsagbare nichts als Geschwätz, mit dem wir unsere Zeit bis zu unserem Ableben strukturieren, um diese grauenhafte innere Leere nicht fühlen zu müssen. Rhabarber, Rhabarber, Rhabarber, …

E

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