Jed McKenna: der Rest sorgt für sich selbst


Sja wo isn der Schwimmlehrer?

Es vom Konzept her zu begreifen ist nicht so wichtig. Man lernt zu schwimmen, indem man ins Wasser springt und schwimmt, nicht, indem man in einem Klassenzimmer sitzt und die Theorie der Hydrodynamik studiert. Die plötzliche Anwendung ist es, die zählt, und du befindest dich bereits im Pool, um es einmal so auszudrücken. Der Rest sorgt für sich selbst durch natürliche Prozesse, Experimentieren, Beobachtung und Spiel, so wie du als kleiner Hosenmatz gelernt hast, deine Körperbalance auszubilden. Mit deinem fein abgestimmten Gleichgewichtssinn bist du nicht geboren, er hat sich im Lauf der Zeit entwickelt, weil du aufgestanden bist und dabei angefangen hast, ihn zu benutzen.

aus: Jed McKenna, „Spirituelle Dissonanz“

Ich weiß noch, wie ein Bademeister versucht hat, meinem Bruder das Schwimmen beizubringen. Er gab ihm einen Schwimmgürtel aus Kork und alle möglichen Direktiven vom Rand des Schwimmbeckens. Während er dies tat, löst er mit einer langen Stange, an deren Ende sich ein Haken befand, heimtückisch irgendeine Schlaufe am Schwimmgürtel und zog diesen unter meinem Bruder weg. Aber anstatt nun, wie vom Bademeister geplant, allein weiter zu schwimmen, ging mein Bruder unter wie ein Stein und der Bademeister musste sich wohl oder übel selbst nass machen und ihn retten. Ich weiß noch, wie ich schwimmen gelernt habe. Ich hoffe, ich hab`s noch nicht erzählt. Ich war immer in einer Flussbadeanstalt. Dort durfte ich auf strikte Weisung meiner Eltern nur in den „Affenkasten“ genannten Nichtschwimmer-Bereich herumturnen. Natürlich wollte ich zu den Großen außerhalb meines Gefängnisses. Also gehorchte ich meiner Gaunernatur und ließ meine Eltern an meinen neu erworbenen Schwimmkünsten teilhaben. Ich „schwamm“ also, indem ich auf einem Bein herumhüpfte und mit dem anderen Bein gekonnte Schwimmbewegungen vollführte. Meine Eltern ließen sich beeindrucken und erlaubten mir, mein Gefängnis zu verlassen. Was ich bei meinem Täuschungsmanöver nicht bedacht hatte: Ich lernte auf diese Weise tatsächlich, wirklich zu schwimmen.

TIch bin der geborene Autodidakt. Wenn man mir den Nürnberger Trichter aufsetzen will, verweigere ich mich hartnäckig jeglicher zwangsweise zugeführten „Wissenserweiterung“. Das ist ein bisschen so, als würde ich bei einem Hungerstreik zwangsernährt werden. Heute bedauere ich das manchmal. Das eine oder andere zu wissen, wäre schon ganz praktisch gewesen. So behelfe ich mich heute halt notfalls mit den Suchmaschinen.

wEin Lieblingsausdruck von mir als kleines Nesthäkchen war immer: „Sääälbär!“ Meine Lehrer haben das leider nie ernst genommen. Und so wurde ich zum notorischen Gauner. Mit der Erleuchtung muss ich das auch mal probieren wie mit dem Schwimmen. Ich hüpf auf einem Bein herum und tu einfach so, als sei ich erleuchtet. Mal sehen.

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4 Antworten zu Jed McKenna: der Rest sorgt für sich selbst

  1. fredo0 schreibt:

    Es ist wohl ein zentraler Irrtum , dass nur eine verstandene Welt , sich drehen kann .
    Genau diese Hybris des Ich-Helden wird damit zum eigenen Gefängnis mit einem DauerPowerAnspruch der Selbstausbeutung.

    und es ist eher Ausdruck einer kreatürlichen Cleverness , still vor sich hinzusingen „es ist so schön Idiot zu sein“ wenns durch die Wellen des Lebensozeans geht .

    und was gibt es schon zwingend zu tun … außer dem einatmen und ausatmen zu lauschen … wenns denn gerade mal passt …😀

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  2. Ingeborg schreibt:

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  3. Jens Gantzel schreibt:

    Hat dies auf Wünschen. Wollen. Tun. rebloggt und kommentierte:
    Ein vergnüglicher Blogpost zum Thema Lernen im Tun.

    Und das passt gut zu Veränderungsprozessen im eigenen Leben:
    Eine Zeit lang wird noch analysiert, was ist und werden Thesen aufgestellt, was war und wie das das Ist beeinflusst hat. Gut so.

    Dann ist es aber auch mal gut!

    Die Analyse ist abgeschlossen, das Verstehen ist eingetreten.
    Jetzt: machen oder lassen. Punkt.

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