Und warum ist Nichts-Sein besser als Sein?


B
A: Der Kreis steht also für die Endlichkeit? Das Yin-Yang-Symbol ist demnach kein Symbol für die Harmonie und das Gleichgewicht des Universums, sondern für die Dualität und das falsche Universum?
B: Beides. Ich würde sagen, beides trifft zu, je nach Stimmung.
A: Und was befindet sich außerhalb dieser Sphäre? Außerhalb der Blase?
B: Genau.
A: Wie bitte?
B: Das ist die Frage. Das ist es, worum dieses ganze spirituelle Zeug sich eigentlich dreht – was ist in letzter Instanz wahr? Wenn du erst einmal zu dem Schluss gekommen bist, dass das, was wir für die Realität halten, gar nicht die Realität ist, lautet die nächste Frage: Was ist sie dann? Was verbirgt sich jenseits der dualistischen Illusion? Was befindet sich jenseits des Rahmens?
A: Raum? Unendlichkeit?
B: Klar. Die Wahrheit ist da draußen – die Leere, der Abgrund, das Nicht-Selbst -, und unsere hauchdünnen kleinen Blasen sind es, die es uns ermöglichen, durch diese Unendlichkeit zu treiben, so dass wir die Erfahrung genießen können, es sei etwas da, wo gar nichts ist. Die Illusion, es gäbe etwas wie Gegensätze – Gut und Böse, Liebe und Hass, Freude und Sorgen – die gibt es da draußen, in der unendlichen Realität, nicht. Sie existiert nur innerhalb unserer Blasen.
A: Und warum ist Nichts-Sein besser als Sein?
B: (Das ist eine gewichtige Frage. Was ist an der Einheit besser als an der Dualität? Was ist an der Wahrheit besser als an der Lüge? Was ist an der Unendlichkeit besser als an der Endlichkeit? Was ist am Erwachen besser als am Träumen?) – Hab ich nie gesagt, dass daran etwas besser ist. Ich stehe genau an der Grenze. Ich befinde mich innerhalb der Blase und außerhalb der Blase, beides und keins von beidem.

Klar musste ich bei dieser Unterhaltung wieder an die Unterhaltung vor fast 70 Jahren mit meinem Vater denken, in der ich ihn auf einem nächtlichen Waldspaziergang mit meinen Fragen arg in Verlegenheit brachte. „Vati, was ist hinter dem Mond?“ – „Da sind all die Sterne, die du da siehst.“ – „Und hinter den Sternen?“ – „Da sind noch viel mehr Sterne, die so weit weg sind, dass wir sie nicht mehr sehen können.“ – „Und hinter den Sternen, die wir nicht mehr sehen können?“ – „Da sind noch mehr Sterne, die wir nicht sehen können.“ – „Und dahinter – und dahinter – und dahinter?“ – „Da ist die Unendlichkeit.“ sagte mein Vater, und ich weiß noch, wie ich dabei bis in meine tiefsten Tiefen erschauerte.

Ich war froh, dass ich meine Hand in der Hand meines Vaters spüren konnte. Die war für mich in diesem Augenblick wie die letzte Rettung. Hätte man mich gefragt, was mir lieber wäre, das Dahinter oder der feste Halt der Hand meines Vaters, ich hätte keine Sekunde gezögert, die Hand meines Vaters zu wählen. Ich fühlte mich ein bisschen wie dieser Naseweiß auf diesem Bild – sicher auf Mutter Erde einen neugierigen Blick ins Gruselkabinett werfend:

A

„Und warum ist Nichts-Sein besser als Sein? Was ist an der Einheit besser als an der Dualität? Was ist an der Wahrheit besser als an der Lüge? Was ist an der Unendlichkeit besser als an der Endlichkeit? Was ist am Erwachen besser als am Träumen?“

Gute Frage. – Und ist das besser:Ich stehe genau an der Grenze. Ich befinde mich innerhalb der Blase und außerhalb der Blase, beides und keins von beidem.“ ???

Als ob es da eine Wahl gäbe.

 

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2 Antworten zu Und warum ist Nichts-Sein besser als Sein?

  1. zartgewebt schreibt:

    Ich liebe dieses Intro,
    liebe Raumschiff Enterprise und …
    ich liebe das Fragen.😉

    Wie zum Beispiel gestern erst:
    Warum fällt der Mond nicht herunter,
    wieso dreht er sich,
    wieso dreht sich die Erde,
    warum werde ich nicht schwindlig dabei …. usw.
    bis hin zu:
    WO HÖRT DAS UNIVERSUM AUF (es muss doch wo aufhören *lach*)
    UND WAS KOMMT DANN?

    Ja, ja, ich frage mich das schon noch,
    bestaune all die Wunder und erschaudere dabei
    jedes Mal aufs Neue.

    Nicht, dass ich mir eine
    Antwort erwarten würde,
    (manches weiß man ja bereits)
    und auch wenn man mir es
    bis ins Detail genau erklärt,
    ist und bleibt es für mich
    ~ un ~ be ~ greiflich ~

    Weißt du, oft stehe ich nur da,
    mit offenem Mund und bin
    soooo dermaßen angetan,
    von all dem, was mich umgibt,
    so voller Hingabe für die Welt,
    die ein einziges
    Fragezeichen zu sein scheint.

    … auch liebe ich

    DICH

    ;-*

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    • Nitya schreibt:

      Ach, welche Freude, dich hier mal wieder zu sehen! Und wie schön, dass bei dir das Fragen und das Staunen und das Lieben nie aufgehört haben! Hingabe für die Welt – welche seltene Kostbarkeit! Ich umarm dich …

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