Ryokan: dem nächtlichen Regen lauschen


B

Zu träge, um Pläne zu schmieden,

überlasse ich die Welt sich selbst.
Reis im Beutel für zehn Tage,
ein Bündel Reisig neben dem Kamin.
Wozu das Gerede von Illusion und Erleuchtung?
Dem nächtlichen Regen lauschen, der auf die Schindeln tropft,
sitze ich behaglich hier und halte die Beine ausgestreckt.

Ryokan

 Irgendwie musste ich bei diesem Gedicht an dich denken, Eno. Ich könnte vielleicht auch an Puh denken, der wohl ähnlich empfunden hat. Wozu das Gerede von Illusion und Erleuchtung? Ich könnte ergänzen, wozu diese ganzen unnützen Gedanken an Politik und was es sonst noch so für müßige Hirnwichsereien gibt? Ständig verpassen wir dabei das Wesentlichste überhaupt: Diesen einen kostbaren Augenblick. Es ist so ein wundervolles Bild, das Ryokan da für uns malt: Die Beine ausgestreckt behaglich dasitzend dem nächtlichen Regen lauschen, der auf die Schindeln tropft. Für die nächsten Tage ist alles Nötige vorhanden. Wozu sich also überflüssige Gedanken machen? Und die Tage danach werden für sich selbst sorgen, wie sie dies schon immer getan haben. „Zu träge, um Pläne zu schmieden, überlasse ich die Welt sich selbst.“ Das ist nicht nur Trägheit. Das ist auch die Einsicht, dass sich die Welt ohnehin ganz von selbst um sich dreht – ganz unabhängig von unserem nichtendenwollenden Verbesserungswahn. Leistung muss sich wieder lohnen – ja, ja.


Trotz dieser abgrundtiefen Einsicht wird sich der Verstand weiter drehen und an alles Mögliche denken und planen und beurteilen … Auch Ryokan hat zumindest für 10 Tage in Voraus geplant. Aber die Lauscherei, mit ausgestreckten Beinen wohlgemerkt, macht einfach Spaß. Ob der Amigo hier lauscht oder pennt, weil’s hier nicht regnet, sondern sauheiß ist, entzieht sich leider meiner Kenntnis, spielt aber auch nicht die geringste Rolle. Hauptsache, die Beine sind ausgestreckt.

M

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21 Antworten zu Ryokan: dem nächtlichen Regen lauschen

  1. Thorsten Schäffer schreibt:

    Passend dazu dieses wundervolle Lied eines deutschen Liedermachers: „Erleuchtet“

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  2. Ronny schreibt:

    wie schön, ja genau so;-) …selten das ich mal für 10 Tage voraus plane, und nun das. Ohne Internet, dafür mit Reis und Tee im Koffer bin ich für 10 Tage in Ireland und wünsche, was-auch-IMMER

    Herzlichst, Ronny

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    • Brigitte schreibt:

      Falls du das hier noch liest. Eine gute Reise wünsch ich Dir! Genieße Land und Leute. Und bring coole Audios und Fotos mit, wenn du magst.;) Meine Sprachlosigkeit hält an. Seltsame Sache das. Bye, bye und eine schöne Zeit.

      Liebe Grüße, Brigitte

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    • Nitya schreibt:

      So so, lieber Ronny, zieht es dich mal wieder ins Land meiner Väter. Dann lass dich mal schön von den Síde verwöhnen und pass auf, dass du nicht bei ihen hängen bleibst!

      Herzlichst
      Nitya

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      • Ronny schreibt:

        hehehe… fragt mich jemand ob ich auch von zeit zu zeit nach indien reisen würde. darf sagte ich: ireland ist mein indien ,-) NEeee ich weiß net, hängenbleiben, am liebsten bin ich dahaam. naja mal schaun, so gott will, geht die nächste reise dann richtung cork… ein pisswetter war das, von den 10 tagen 7 tage davon regen und sturm. am tag der abfahrt hat der wind bei Desmond im garten die halbe mauer umgefegt. leider wars ein bisschen kühl denn in beara gibt ganz schöne sandstrände. so what, schee wars und schee wieder dahaam zu sei;-) SHANTI

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      • Nitya schreibt:

        Wie sagen die Bayern: „Dahoam, is dahoam!“ Also mein Indien is mei Dahoam. Sehr gemütlich kann ich dir sagen, und trocken und warm. Irgendwann werden mir noch die Beine abfallen.

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  3. fredo0 schreibt:

    auf dem familiengrundstück steht im garten ein kleines atelierhaus in dem sich mitlerweile meine werkstatt und mein büro befindet …. durch die fenster dringt der anblick des wuchernden djungelgartens meiner mutter … direkt hinter diesem häuschen steht der alte birnbaum … unser hausbaum …leckere birnen … mindestens 15 meter hoch und ziemlich alt mitlerweile ….. als kind bin ich in den wipfel geklettert und habe mich dort im wind wiegen lassen … als alter knacker ist mir dies vergnügen leider verwehrt …. dafür habe ich seit einiger zeit an dem stärksten ast einen hängemattenstuhl befestigt , in dem man leicht schwingend das gefühl des schwebens im uterus erleben kann … nach anfänglicher skepsiz hat meine 90 jährige mutter diesen hängestuhl auch entdeckt , und ich werde mir wohl einen zweiten ast mit zweitem hängesitz suchen müssen , wenns mich wieder mal nach uterus gelüstet … denn mutter scheint den rest ihres lebens in diesem uterusstuhl verbringen zu wollen … so dass ihr djungelgarten noch unbeeinflusster sein wuchern zelebrieren kann … fein das …

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  4. Eno schreibt:

    Lieber Nitya,
    ganz wunderbar diese Zeilen von Ryokan. Ich habe mich beim Lesen sofort sehr wohl und behaglich gefühlt. Sehr oft geht es mir so, dass diese ganze Menschen-Welt mit ihrem Trallala und Wichtigtun, mit all dem absurden Geplapper, mächtig am Arsch vorbei geht. Ich habe ein Sofa, das so gestellt ist, dass ich in den Himmel schauen kann (für eine Stadtwohnung ein echter Luxus). In den letzten Wochen war es wieder und wieder eine große Freude einfach so dazuliegen in den Abendstunden, vor allem in der blauen Stunde, die ich besonders schätze, und Venus und Jupiter anzuschauen und die am Himmel ihr Leben feiernden Mauersegler, an zwei, drei Abenden gesellte sich noch der Mond in einer feinen Sichelform dazu… Das ist für mich worauf das Wort „Ananda“ hinweist.
    Auch ich muß ab Morgen bis zum Samstag darauf verreisen (ich reise ja nicht gern, am liebsten erkunde ich die Welt um mich herum in einem Fahrradumkreis von ca. 40 km). Ich bin eingeladen worden mit zum Glück sehr netten Menschen eine Woche in Bodstedt (Darß) zu verbringen. Ich werde da kein Internet haben und so viel wie möglich aufs Wasser sehen in diese unendliche Weite…
    Seid alle herzlich gegrüßt von
    Eno

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    • Nitya schreibt:

      Kein Internet …

      lieber Eno, ich weiß gar nicht, ob ich das noch aushalten könnte. Ich sollte vielleicht mal eine Internet-Entzugs-Therapie machen. Aber ich denke, du wirst da kein Problem haben. Wellen und Wasser und Wellen und Wasser – das ist mindestens so gut wie der Unterusstuhl. Lass es dir gut gehen im ehemailigen Ossiland und viel Freude mit deinen Freunden.

      Herzlichst
      Nitya

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      • Eno schreibt:

        Kein Internet, das wird auch für mich hart. Es geht zwar was mit dem Handy, aber das wird da auch nicht wirklich funktionieren und macht auch nicht wirklich Spaß.
        Lieber Nitya, auch dir danke für die guten Wünsche. Bleib schön gesund und bis bald!
        Herzliche Grüße
        Eno

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    • Prem-Punito49 schreibt:

      ……Sehr oft geht es mir so, dass diese ganze Menschen-Welt mit ihrem Trallala und Wichtigtun, mit all dem absurden Geplapper, mächtig am Arsch vorbei geht. ….
      Yo , lieber Eno absurdes Geplapper – absurdes Theater DAS !🙂

      Ich wünsche Dir eine gute Reise und manche glücklichen Momente mit den Freunden .

      Herzliche Grüße
      PUNITO

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    • Prem-Punito49 schreibt:

      Nachtrag : Nun der Song …, Eno , weil`s beim ersten mal nicht geklappt hat .

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  5. Brigitte schreibt:

    boah, wie schön es dort ist in Bodstedt. Du bist ein Glückspilz🙂
    Das wird eine wundervolle Woche, lieber Eno, flüstert mir mein kleiner Zeh ins Ohr.
    Viel Freude und schöne Begegnungen mit Mensch und Natur. Bis bald.

    Herzliche Grüße, Brigitte

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    • Eno schreibt:

      Liebe Brigitte, du kennst den Ort. Dann lass ich mich mal überraschen, wenn schon dein kleiner Zeh nur schönes ahnt🙂 …
      Das Foto ist schon mal sehr schön. Ich liebe ja das Wasser…
      Bis bald
      Lieben Gruß
      Eno

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