Osho: eine große Verführung


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Man kann durchaus Therapeut sein. Tao hat nichts gegen Therapie – nur muss die Therapie von anderer Qualität sein. Sie wird wu wei sein, wird ein „Handeln durch Nichthandeln“ sein. Sie wird feminin sein und nicht aggressiv, sie wird den Patienten nicht „einer Heilmethode unterwerfen“, sondern ihn einfach nur sanft überreden. Sie wird den Patienten nur dazu ermuntern wieder gesund zu werden, mehr nicht. Das Ganze wird sich als eine große Verführung abspielen. Der Therapeut bleibt in seiner Mitte, ist geerdet, fließend; seine Präsenz, sein Licht, seine Liebe wird die Energie des Patienten locken aufzusteigen, sich über sein ganzes Dasein zu breiten. Sie war die ganze Zeit über da – nur hatte er den Kontakt zu ihr verloren.

aus: Osho, „Tao – Das Herz der Freiheit“

Tao hat natürlich gegen gar nichts was. Alles fließt, wie das der olle Heraklit schon wusste. Und das gilt natürlich auch für sog. Therapeuten. Therapeuten sind eigentlich Begleiter und keine Heiler. Das gilt natürlich auch für Ärzte, obwohl diese das nur ungern gelten lassen würden. Kein Arzt und auch sonst kein sog. Heilert kann einen anderen Menschen heilen. Schon der Spruch „wer heilt, hat recht“ ist völlig daneben. Aber wie das so ist: Nomen est omen. Der eine ist eben ein Heiler und der andere ein Patient, ein Leidender. Beides sind Rollen, für die es fast schon der Normalfall ist, dass sie die betreffenden Personen auf ein bestimmtes Rollenverhalten festlegen. Da begegnet nicht mehr ein Mensch einem anderen Menschen, sondern eine Rolle einer anderen Rolle. Und um die Sache noch unpersönlicher zu machen, versteckt sich der Heiler gern hinter irgendwelchen sog. Heilverfahren, die angeblich dem sog. Patienten helfen. Helfen sie nicht, dann liegt es mit großer Wahrscheinlichkeit am sog. Patienten, der den Empfehlungen des Heilers nicht folgen will, im Widerstand ist und überhaupt völlig therapieresistent. Die Folge ist für beide Seiten: Nichts fließt mehr. Wie soll da Heilung noch möglich werden?

Der Ausweg aus dieser Falle wäre, dass beide Seiten ihre Rollen als Rollen wahrnehmen und Therapieverfahren als möglicherweise unterstützende Maßnahmen, auf die sich beide geeinigt haben. Es gibt den lateinischen Spruch „medicus curat, natura sanat“ (Der Arzt behandelt, die Natur heilt), der im Grunde schon auf das Wesentliche hinweist. Oder anders gesagt: Der Arzt oder Therapeut versucht, die Selbstheilungskräfte in seinem Gegenüber zu unterstützen. Deshalb wurde auch immer wieder von der Heil-Kunst gesprochen und der Begriff der medizinischen Wissenschaft verworfen wird. Osho drückt es deshalb auch so aus: „Das Ganze wird sich als eine große Verführung abspielen.“ Wem dieser Begriff missfällt, möge sich vergegenwärtigen, dass der sog. Patient die ganze Zeit über versucht, den Therapeuten zu verführen und zwar, indem er ihn dazu zu bringen versucht, ihm seine traurige Geschichte abzunehmen. Wenn beide dann an diese Geschichte glauben, gibt es kaum noch Hoffnung für irgendeine Gesundung. Beide müssten sich jetzt eigentlich in den Armen liegen und ihr grausames Schicksal beweinen.

Osho empfiehlt das taoistische Handeln im Nicht-Handeln zu „nicht-praktizieren“ und sich an der kunstlosen Kunst der Verführung zu erfreuen. Mir fällt da natürlich sofort Puh ein, der jederzeit bereit ist, seinen Honigtopf großzügig mit jedermann zu teilen. Puh ist eine einzige Verführung dazu, sich zu entspannen und zu genießen und den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen. Das ist schon die halbe Miete auf dem Weg zur Genesung. Nur muss natürlich gesagt sein, dass Puh das nicht macht, sondern einfach nur der Puh ist, ein Bär mit sehr geringem Verstand und einem offenen Herzen.

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3 Antworten zu Osho: eine große Verführung

  1. Ingeborg schreibt:

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  2. Ingeborg schreibt:

    😂😂😂😂😂😂😂😂😂😂😂😂
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