Jed McKenna: so etwas ist reine Verkaufspropaganda


y„Einheitsbewusstsein ist ein Riesending“, sage ich, und sie wirkt erleichtert. „Mystische Vereinigung, Einssein mit dem Universum, die unmittelbare Erfahrung der Unendlichkeit. Glückseligkeit, Ekstase – ein Vorgeschmack auf den Himmel. Sich jenseits von Raum und Zeit zu befinden, jenseits von allem, was in Worte zu fassen ist. Ein Frieden, der alle Vernunft übersteigt.“

„Wow“, lautet ihr passender Kommentar. Sie heißt Sarah. Sie ist noch jung, Anfang zwanzig vielleicht, und soeben habe ich der Reihe nach auf jeden einzelnen ihrer spirituellen Knöpfe gedrückt. Wäre ich ein Guru, müsste ich das täglich acht Stunden lang tun. Bei dem Gedanken schaudert mir.

„Ja“, reitet sie darauf herum, „genau das …“

„Ja gut, aber das hat nichts mit Erleuchtung zu tun.“

„Oh!“

„Erleuchtung heißt nicht, dass du irgendwo hingehst, sondern dass dieses Irgendwo zu dir kommt. Es ist kein Ort, den man besucht und sich dann wehmütig daran erinnert, wohin es einen zurückzieht. Es ist kein Besuch, den du der Wahrheit abstattest, sondern das Erwachen der Wahrheit in dir selbst. Kein flüchtiger Zustand von Bewusstheit, sondern die bleibende Erkenntnis der Wahrheit – dauerhaftes, non-duales Bewusstsein. Es ist kein Ort, den man von hier aus besucht, im Gegenteil: Das Hier ist ein Ort, den man von dort aus besucht. Schau mich an: Ich bin ein Erleuchteter, bin es hier und bin es jetzt. Ich habe mich aller Illusionen entledigt, mich von meinem Ego befreit, und obwohl ich das große Glück hatte, mystische Vereinigung bei ganz unterschiedlichen Gelegenheiten erfahren zu dürfen, befinde ich mich im Augenblick nicht in diesem Zustand und beabsichtige auch nicht, ihn ein weiteres Mal zu erleben. Einen Zustand dauerhafter Glückseligkeit gibt es nicht, Sarah, so etwas ist reine Verkaufspropaganda.“

„Puh“, ist alles, was sie hervorbringt.

 aus: Jed McKenn, „Verflixte Erleuchtung“

Scheint ja eine dubiose Figur zu sein, dieser Jed McKenna. Der Name soll erfunden sein, kein Bild von ihm soll stimmen, sein angeblicher Ashram soll nicht existieren, … der Kerl gefällt mir.

„Puh“, meint die junge Sarah zu den Offenbarungen des „heiligen Mannes“, nachdem dieser ihr alle ihre Träume in Stücke geschlagen hat. Das sei alles reine Verkaufspropaganda, an was sie da geglaubt hat. Wer ist sie denn noch ohne all ihre HHoffnungen? Ich denke gerade an ein Mädchen aus so einem trostlosen Dorf, in dem es nur diesen trostlosen Alltag gibt, ein Tag wie der andere und einer so hoffnungslos wie der andere. Kein weißer Ritter ist bisher auf seinem Schimmel vorbeigeritten und hat es mit auf sein Schloss genommen und dabei hat es schon so lange auf ihn gewartet. Wie heiß es so schön: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“ Ein Albtraum! Aber vielleicht wäre das Mädchen ohne diese Hoffnung schon längst in den Dorfweiher gesprungen.

Man erzählt sich da so Geschichten – von Leuten, die die Gnade ihres Gurus mit einer Einweisung in die Klapsmühle oder dem Strick zu bezahlen hatten. Zu unerträglich war die Vorstellung, ohne die Hoffnung auf ein Paradies auf Erden oder wenigstens im Himmel leben zu müssen. Ich denke gerade an die Juden, die immer noch auf den Messias warten müssen. Was wohl geschähe, wenn sie kollektiv diesen Glauben zu Grabe tragen müssten? Kollektiver Selbstmord? Was für ein Wahnsinn! Nein, nicht erst, wenn alle Illusionen zusammenstürzen wie ein Kartenhaus, sondern schon längst vorher, wenn der Wahnsinn gesellschaftlich noch völlig akzeptiert, ja geradezu eingefordert wird.

Und der arme „Erleuchtete“ – was wird aus dem?

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22 Antworten zu Jed McKenna: so etwas ist reine Verkaufspropaganda

  1. Nitya schreibt:

    s

    Die kleinen Schwarzstörche staksen auch schon munter im Horst herum.

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  2. Eno Silla schreibt:

    aller illusionen beraubt
    keine hoffnung auf eine bessere welt
    sehr grau scheint das leben
    so wie das wetter heute

    ah hör mal hin
    das ist interessant
    gerade eben
    der sound des sommerregens
    der auf dem fensterglas trommelt

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  3. fredo0 schreibt:

    wie frei ist doch ein leben dekoriert mit nacktem wissen …
    was könnte da je versäumt , übersehen oder missverstanden werden …

    mist … schon wieder das doofe knöllchen nicht rechtzeitig bezahlt …😦
    😀

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  4. Prem-Punito49 schreibt:

    Sind wir nicht alle sehr gewöhnliche Menschen ?
    L.G.
    PUNITO

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  5. Nitya schreibt:

    Hab eben die Diagnose „grauer Star“ bekommen. Linsenaustausch soll Abhilfe schaffen.

    Mal sehen, ob das das Grau raus und die Farben rein zwingt.

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    • Eno schreibt:

      lieber nitya, du läßt wohl nichts aus, oder?
      hoffe ich krepiere vor dir!
      der ganze scheiß kann mir erspart bleiben!
      herzliche grüße
      eno

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      • Nitya schreibt:

        Lieber Eno,

        ich muss mal giucken, was ich noch nicht hatte. Dann mach ich mir eine Liste und arbeite das alles auch noch ab.🙂

        Mit dem Krepierenwollen wäre ich an deiner Stelle lieber etwas vorsichtig: Es gibt ziemlich scheußliche Todesarten.

        Herzlichst
        Nitya

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      • Eno schreibt:

        Lieber Nitya,
        viel kann es ja auf deiner Liste nicht mehr sein ;)!
        Und das krepieren ist doch eh nicht unter meiner Kontrolle und schon garnicht welche Todesart mich ereilt… Wenn ich mir was wünschen dürfte, dann würde ich einen plötzlichen Tod vom Fahrad auf eine Wiese fallend ganz angenehm empfinden (sozusagen ins Gras beißend), vorausgesetzt, ich kann dann noch empfinden… So träumt es vor sich hin.🙂
        Mögen die bevorstehenden Torturen von dir gut überstanden werden!
        Grüße
        Eno

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      • Nitya schreibt:

        Ooch, lieber Eno, so schlimm wird’s schon nicht werden. Da stochert dir jemand ein bisschen im Auge rum und hinterher kann ich vielleicht wieder lesen, was ich hier alles zusammenschreibe. Vielleicht krieg ich davon so einen Schreck, dass ich lange, lange vor dir ins saftige Gras beiße.

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      • Eno Silla schreibt:

        Na dann, ist ja alles nicht so schlimm, so ein bisschen in den Augen rumstochern ist doch ne Kleinigkeit. Iiiiiiih wie schrecklich diese Vorstellung! Ich bin so ein Weichei in diesen Dingen…

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      • Nitya schreibt:

        Guck ma, Eno, alles halb so wild – und so’ne schöne Musike! Hab ick als Kind ooch ma jespielt. Und dann liechste da und hörst die Musike und denkst an vajangene Zeiten. Det hat doch wat. Oda?

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    • Prem-Punito49 schreibt:

      Lieber Nitya ,
      möge der operative Eingriff , dir den Grauschleier im Auge nehmen .
      Ich denke an dich , und wie ich dich einschätze , ist der Zustand des
      sich Ausliefern am O.P: Tag dieschwierigste Übung für dich .
      Alles Liebe
      PUNITO

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      • Nitya schreibt:

        Lieber Punito,

        jetzt frage ich mich Haare ausreißend, wie du zu dieser Einschätzung dieser unwürdigen Person hier kommst. Also, was gibt es Schöneres als sich einem blutrünstigen Operateur auszuliefern? Vielleicht sticht er mir ja die Augen aus, dann kann ich keine Beiträge mehr schreiben und darf mich stattdessen morgens noch mal auf die Seite drehen und eine weitere Runde vor mich hin schnarchen. Es hat eben alles zwei Seiten.

        Einen lieblichen Gruß
        vom blinden Suppenhuhn

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  6. Ingeborg schreibt:

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  7. Ernst Werner schreibt:

    Guten Tag Nitya, herzlichen Dank für Deine Veröffentlichungen und die Arbeit die diese erst ermöglichen! Der „Graue Star“ ist mir auch vor ein paar Jahren zugeflogen, neue Linsen sind drin (nicht in der Suppe…) und es ist besser als es zuletzt war. Auf eines würde ich aufmerksamer achten, als ich es damals tat: Die Ausmessung der Stärken der neuen Linsen sollte sorgfältig und wiederholt vorgenommen werden! Sind die Dinger erst einmal drin, „sieht“ man das dauerhafte Ergebnis. Anders als bei Brillengläsern, die man austauscht und entsorgt, wenn diese falsch angemessen wurden, was bei Augenärzten häufig vorkommt.
    Aber die OP hilft! Also „Mutig vorwärts, dankbar rückwärts, gläubig aufwärts“!
    Mit guten Wünschen & herzlichen Grüßen, E.W.

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    • Nitya schreibt:

      Lieber Ernst,

      danke für deine Aufmunterung: “Mutig vorwärts, dankbar rückwärts, gläubig aufwärts!“ Klingt wie das Trösterchen für die Gladiatoren beim Einzug in die Arena.😉

      Was deine Warnung betrifft: Wat soll ick armes Luder machen? Ich kann ja nicht vorher nachprüfen, was man mir da ins Auge steckt. Hinterher bin ich dann schlauer. Aber dann isses zu spät. Aber ich werde den/die Operateur/in vorher genau beschnüffeln. Sollte er oder sie eine Fahne haben, werde ich mich hartnäckig verweigern.

      Danke für die freundlichen Wünsche!
      Herzlichst
      Nitya

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  8. chantaltalia schreibt:

    Lieber Nitya,
    denke auch, dass der operative Eingriff bei dir gut ausgeht. Habe auch die Diagnose, auf baldigen grauen Star, aber der wollte bei noch nicht nisten. Da gehst du mal voraus. Habe dafür einen grauen Star in den Hirnwindungen. Du weisst schon. Das Schreiben fällt mir nicht mehr so leicht.
    Hingabe üben, wie Punito schreibt.
    Herzgruss Chantal

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    • Nitya schreibt:

      Liebe Chantal,

      die Augen sind eine Ausstülpung des Gehirns, habe ich von meinem Augenarzt gelernt. Hab also auch einen grauen Star im Gehirn. Wie’s mit dem Rest des Gehirns aussieht, will ich vorsichtshalber gar nicht wissen. Wenn ich völlig desorientiert auf der Straße herumirre, kommt mir vielleicht die Idee: „Oh, der Herr Alzheimer! Nett, dass ich Sie endlich auch mal kennen lernen darf!“ Und schon wieder kann ich was auf meiner Liste abhaken. Ich mache Fortschritte.

      Ich wünsch dir allzeit einen frischen Wind in deinen Gehirnwindungen, der dir alle trüben Befürchtungen immer wieder wegpustet!

      Herzlichst
      Nitya

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