Jed McKenna: Meine Motive zielen nicht auf Resultate


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(Keine Ahnung, wie der Typ aussieht.)

Im Reich der Blinden ist der Einäugige ein Dusel. Er ist ein Schmetterling unter Raupen, ein Vampir unter Menschen, ein einäugiger Narr in einem Land der augenlosen Weisen. Er ist nicht überlegen, nicht mächtig, nur fehl am Platz, ein Fremder in einem fremden Land.

Wozu bleibt er dann? Was soll er tun? Sprechen? Lehren? Vorgeben, er wäre weise? Was kann der Einäugige dem Blindgeborenen sagen? Wozu überhaupt etwas sagen? Was wünscht er sich für sie oder von ihnen? Die Blinden wissen nichts von Augen. Sie wissen nichts vom Sehen, und diejenigen, die glauben, es zu wissen, wissen etwas Falsches. Wozu überhaupt sprechen? Wozu sollte der Sehende seine Stimme unter den Lärm der Nichtsehenden mischen, die zu sehen behaupten und denen es in Unkenntnis der Wahrheit freisteht, eine bessere Geschichte zu erzählen? Wozu so eine nutzlose und undankbare Mission ausführen?

Der Sehende mag der Skepsis der Nichtsehenden anfangs mit Geduld begegnen, weil er sich daran erinnert, da auch er sich einst in einem solch blinden und doppeltblinden Zustand befand, doch seine Toleranz wird rasch schwinden. Dem Bedürfnis des Egos nachzugeben, sich intelligent und urteilsfähig vorzukommen, ist ermüdend und dient nur dazu, die Torheit altruistischer Motive zu entlarven. So kann ich es mir jedenfalls vorstellen. Meine Motive sind nichtaltruistischer Natur und zielen nicht auf Resultate, also juckt es mich nicht, wenn ich sehe, wie Maya diese in Ohnmacht gefallene Menschheit noch immer im Würgegriff hält.

aus: Jed McKenna, „Spirituelle Dissonanz“

Erst mal herzlichen Dank, liebe Brigitte, dass du in deiner Kiste gestöbert und deinen Fund mit uns geteilt hast. – Im Reich der Blinden ist der Einäugige (kein König, sondern) ein Dusel, sagt Jed McKenna. Er ist ein Fremder in einem fremden Land. „Die Blinden wissen nichts von Augen. Sie wissen nichts vom Sehen, und diejenigen, die glauben, es zu wissen, wissen etwas Falsches. Wozu überhaupt sprechen?“ Ja, wozu überhaupt sprechen? Wozu Blinden, die sich noch zu allem Überfluss für Sehende halten, gegen ihren Willen etwas über ihre Blindheit erzählen wollen?

HPlato fällt mir ein und sein Höhlengleichnis. „Bedenke nun, fuhr ich fort, auch folgendes: Wenn ein solcher [inzwischen Einäugiger] wieder hinunterginge und sich auf denselben Platz setzte, hätte er da die Augen nicht voll Finsternis, wenn er plötzlich aus dem Sonnenlicht käme? – Ja, ganz sicherlich, sagte er. – Wenn er nun aber, während sein Blick noch verdunkelt ist, in seinem Urteil wieder mit jenen ewig Gefangenen wetteifern sollte, und zwar ehe sich seine Augen wieder angepasst haben, und diese zur Gewöhnung erforderliche Zeit dürfte nicht ganz kurz sein, würde er da kein Gelächter [unter den Blinden] hervorrufen, und würde es nicht von ihm heißen, weil er hinaufgegangen sei, käme er mit verdorbenen Augen zurück, und es lohne nicht einmal den Versuch hinaufzugehen? Und wenn er sie gar entfesseln und hinaufführen wollte, würden sie ihn nicht ermorden, wenn sie ihn ergreifen und ermorden könnten?“

„Wozu so eine nutzlose und undankbare Mission ausführen?“, fragt Jed McKenna. „Hosianna! Kreuziget ihn!“ Immer wieder der gleiche Schwachsinn. Jed McKenna scheint keine große Lust zu haben, da mitzuspielen; er sagt: „Meine Motive sind nichtaltruistischer Natur und zielen nicht auf Resultate, also juckt es mich nicht, wenn ich sehe, wie Maya diese in Ohnmacht gefallene Menschheit noch immer im Würgegriff hält.

IHaben die Einäugigen die Blinden abgeschrieben? Keinen Bock, Bodhisattva zu spielen und die Menschheit zu retten? Fällt mir wieder dieser Jonas ein, der Typ im Bauch des Wals. Der hatte auch keinen Bock. Als ob er da eine Wahl gehabt hätte. Er hatte nur einen Wal. (Ha ha, blöder Witz. Aber da hatte ich auch keine Wal.)

W

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7 Antworten zu Jed McKenna: Meine Motive zielen nicht auf Resultate

  1. Prem-Punito49 schreibt:

    Lieber Nitya ,
    einen schönen Sommeranfang – herzlichen Gruß
    PUNITO

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  2. fredo0 schreibt:

    ja … wozu diese nutzlosen hinweise ?
    ja … wozu dieser unmögliche versuch ?

    hmmm

    ( vielleicht ja ) weil entdeckt wurde , dass jeglicher „nutzen“ nutzlos ist ?
    und damit eigentlich überflüssig ….
    aber halt nur dann ( sic ! ) , wenn klammheimlich dennoch in nutzen-kategorien gedacht wird !
    ( was mir im lesen der texte von mckenna übrigens immer wieder mal so durchs hirn schlich …)

    ist da einfach nur ein bemerken des spiel des lebens , ohne jegliches festhalten am nützlichen ( oder dessen unterstellter unnützlichkeit ) , warum dann nicht ?

    es ist ja auch nur ein form ( unter milliarden ) wie sich BEWUSSTSEIN beliebt zu „äußern“ ( mit mir oder einem anderen als willfähriger figur ) …

    ()

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    • Eno schreibt:

      kann etwas gesagt, gewortet werden, das keinen widerspruch erzeugt?
      ich glaube nicht, ich weiß es nicht, aber ich glaube nicht.
      was mich interessiert sind nicht die worte, sie sind belanglos, unendlich kombinierbar.
      mich interessieren die stimmungen, dieses fühlen, dessen was erfahren wird beim lesen…
      eine stimmung entsteht, eine weite, eine resonanz, nicht wirklich zu beschreiben, nicht garantierbar, das es in dieser speziellen wortverpackung rüberkommt, nicht übertragbar. nur hier, spontan, jetzt in diesem was ist, in diesem moment gesehen, erkannt. darin liegt das vergnügen…

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  3. Eno schreibt:

    ein anderer duft:

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  4. Ingeborg schreibt:

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