Chuang-tzu: oh, welch ein Vergnügen!


sDas Fischnetz ist da, um Fische zu fangen.
Wir wollen die Fische behalten und das Netz vergessen.
Die Schlinge ist da, um Kaninchen zu fangen.
Wir wollen die Kaninchen behalten und die Schlinge vergessen.
Worte sind da, um Gedanken zu vermitteln.
Wir wollen die Gedanken behalten und die Worte vergessen.
Oh welch ein Vergnügen,
mit einem Menschen zu sprechen, der die Worte vergessen hat!

aus: Chuang-tzu , „Das wahre Buch vom südlichen Blütenland, Kap XXVI“

Fischernetz, Schlinge, Worte, … alles nur Werkzeuge. Es gibt auch das Beispiel mit dem Boot. Wir wollen ans andere Ufer und benützen dazu ein Boot. Angekommen am anderen Ufer, ist es verrückt, das Boot weiter auf den Schultern zu tragen. Also wird es am Ufer zurückgelassen. Man könnte sagen, dass das ganze Leben aus lauter Werkzeugen besteht, die wir benützen oder auch nicht benützen, um zu … – ja, wozu? Wir haben ja nicht einmal die geringste Ahnung, wozu wir sie benützen. Und das andere Ufer – welches andere Ufer? Woran erkennen wir, dass das andere Ufer das andere Ufer ist, dass wir endlich angekommen sind?

„Oh, welch ein Vergnügen“, sagt Chuang-tzu, „mit einem Menschen zu sprechen, der die Worte vergessen hat.“ Der die Werkzeuge vergessen hat. Der jedes „um zu“ vergessen hat. Und, würde ich ergänzen, der auch ein anderes Ufer, irgendso’n Ziel vergessen hat. Was für ein Vergnügen und welche Erholung.

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6 Antworten zu Chuang-tzu: oh, welch ein Vergnügen!

  1. Giri schreibt:

    Ich mag es ja immer Übersetzungen zu vergleichen, weil manchmal andere Schwerpunkte gesetzt werden. Hier mal noch die von Wolfgang Kubin aus Zhuangzi – Vom Nichtwissen.

    „Eine Reuse ist für den fang von Fischen gemacht. Hat man diese gefangen, vergißt man die Reuse.
    Ein netzt ist zu dem Fangen von Hasen da. Hat man diese gefangen. Hat man diese gefangen, vergißt man das Netz.
    Ein Wort ist für den Ausdruck von Worten da. Hat man dies ausgedrückt, vergißt man das Wort.
    Wo nur finde ich jemand, der das Wort vergißt, auf das ich mit ihm ein Wort wechseln kann?“

    Und die von Hans-Georg Möller:

    „Reusen sind das, wodurch man Fische bekommt. Erst wenn man Fische bekommen hat, kann man die Reusen vergessen.
    Hasenfallen sind das, wodurch man Hasen bekommt.
    Erst wenn man die Hasen bekommen hat, kann man die Hasenfallen vergessen.
    Worte sind das, wodurch man das bekommt, was man im Sinn hat.
    Erst wenn man bekommen hat, was man im Sinn hatte (d.h. wenn man nichts mehr im Sinn hat), kann man die Worte vergessen.
    Wie sollte ich mit jemandem reden können, der die Worte vergessen hat?
    Kommentar Guo Xiang:
    Wenn zwei Weise erst einmal nichts mehr im Sinn haben, dann haben sie auch nichts mehr, worüber sie reden.“

    (Sitzen und vergessen, ist auch die daoistische Bezeichnung für Meditation).
    Wie oft bei Zhuangzi wird auch mal wieder gegen eine Lehre des Konfuzius polemisiert, der ja sagte, er würde um die Welt zu verbessern, mit dem Richtigstellen der Begriffe beginnen.

    Interessant ist, das auch der Daoismus die Boot-Metapher kennt. Und sie ist meiner Meinung nach anders gelagert als die buddhistische des den Fluss (des Lebens) überqueren, und dann das Boot nicht mehr mitschleppen.

    „Die Kunstfertigen schuften sich ab,
    die Wissenden sorgen sich.

    Einer der nichts kann,
    der sucht nach nichts.
    Er schlägt sich den Bauch voll
    und wandert umher.

    Wie ein nicht vertautes Boot –
    leer und treibend.“

    Giri

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  2. Eno schreibt:

    wenn wir
    nur mal so angenommen
    diese wortgebilde durchschauen
    als abbild
    als vorstellung und konzept
    als hinweis
    und das erkennen
    das alles umfassend
    grenzenlos raumend
    unfassbar
    ist
    dann begegnen wir uns
    vielleicht
    ohne weitere worte
    oder auch mit ihnen
    schauen uns an
    und sind einfach
    lachen
    lachen
    lachen
    „oh welch ein vergnügen!“

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  3. fredo0 schreibt:

    oh welch ein vergnügen ….
    manchmal😉 …. heute auf FB gefunden :

    Alles, was ich bin, ist Sehen, wenn ich sehe,
    Alles, was ich bin, ist Hören, wenn ich höre,
    Alles, was ich bin, ist Empfindung, wenn ich fühle,
    Alles, was ich bin, ist Verstehen, wenn ich weiß.
    Wahres Sehen ist Nicht-Sehen — keiner, der schaut.
    Wahres Hören ist Nicht-Hören — keiner, der lauscht.
    Wahres Handeln ist Nicht-Handeln — keiner, der tut.
    Wahres Denken ist Nicht-Denken — keiner, der überlegt.
    Allein Spontanität ist frei von Wollen — und da ist kein Ich.

    – Wei Wu Wei –

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