Jed McKenna: etwas so Einfaches wie das Sehen dessen, was ist


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Die große Mehrheit spirituell Suchender wird vom Verlangen motiviert, und so lässt sich von vornherein schließen, dass ihre Suche erfolglos bleiben wird, wofür die Geschichte der Menschheit und ihre fast völlige Unfähigkeit, die eine Sache zu finden, die nicht verloren gehen kann, zahlreiche Beweise liefert.

Wie ist es möglich, dass etwas so Einfaches wie das Sehen dessen, was ist, sich selbst unseren ergebensten Suchern und bedeutendsten Geistern entziehen konnte? Weil niemand das will, was Erwachen wirklich ist. Kann sein, dass wir so etwas wie ein unbestimmtes Verlangen nach Erwachen bekunden, aber wir wollen eine ganz spezielle Art des Erwachens. Wir wollen ein Erwachen, das es für uns nicht erforderlich macht, unseren kuscheligen Traumzustand zu verlassen, ja mehr noch, wir wollen, dass er noch kuscheliger wird. Wir wollen nicht aus dem Traum erwachen, wir wollen träumen, wir wären wach.

Das wahre Verlangen, das den Erwachensprozess antreibt, ähnelt eher psychotischem Wahnsinn. Es ist eine verteufelt tiefsitzende und langwierige Krise, nicht die öde kleine dunkle Nacht der Seele, die die Profitmacher von den Touristen als Pfand nehmen.

aus: Jed McKenna, „Spirituelle Dissonanz“

0„Wir wollen ein Erwachen, das es für uns nicht erforderlich macht, unseren kuscheligen Traumzustand zu verlassen, ja mehr noch, wir wollen, dass er noch kuscheliger wird. Wir wollen nicht aus dem Traum erwachen, wir wollen träumen, wir wären wach.“ Ich habe heute noch einmal das ganze Zitat von Jed McKenna, das Jürgen Fischer in sein PDF gepackt hat, reingestellt. Das ist wohl die Voraussetzung für den ganzen Ärger, den ganzen Stress. Der sog Sucher. In irgendeiner Weise sind sie unzufrieden mit sich und ihrem Leben und selbst, wenn es ihnen eigentlich ganz gut geht, irgendetwas scheint doch zu fehlen zu ihrem Glück. Irgendetwas scheint immer zu fehlen für den, für den sie sich halten.

Na ja, und so ’ne Erleuchtung wäre vielleicht das Sahnehäubchen auf meinem Leben. Man weiß ja nie. Keine Sorgen mehr, ewiges Glück, … das hat doch was. Aber hergeben will ich nichts dafür, und schon gar nicht meine kuscheligen Nischen. Ich möchte … ja, das ist es: Ich möchte. Ich will, ich will, ich will …IUnd weil ich das mehr will, als irgendetwas anderes, weil ich es auch endlich haben will, bin ich ein sehr spiritueller Mensch. Jed McKenna nennt das dem psychotischem Wahnsinn nahe und eine verteufelt tiefsitzende und langwierige Krise. Da bin ich wieder bei meinem esoterischen Arzt: Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst. Sie ist ein einziger Witz.

„Wie ist es möglich, dass etwas so Einfaches wie das Sehen dessen, was ist, sich selbst unseren ergebensten Suchern und bedeutendsten Geistern entziehen konnte?“ fragt Jed McKenna. Die Antwort liegt eigentlich auf der Hand: Weil ich weiße Mäuse sehe, sehe ich nicht das Offensichtliche. Stattdessen meditiere ich mir den Hintern platt, murmle heilige Mantras, zünde Räucherstäbchen und Kerzen an, hoffe und harre und sehe weiterhin weiße Mäuse (meine Vorstellungen).

Die verteufelt tiefsitzende und langwierige Krise besteht natürlich darin, dass ich meinen Vorstellungen mehr traue als meinen Augen. Es ist tatsächlich ganz einfach zu sehen, aber anscheinend fast unmöglich, das mit meinen Vorstellungen bleiben zu lassen. „Ich will“ bezieht sich übrigens auf eine reine Vorstellung.

Seeadler

Der kleine Seeadler sucht nicht nach dem Wahren und enthält sich allerMeinungen.

 

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14 Antworten zu Jed McKenna: etwas so Einfaches wie das Sehen dessen, was ist

  1. Leturos schreibt:

    I once told a story to a group of religious. I can’t recall the lay order I was looking at then. Some were angry. I heard a mutteled „unplowed fields or something“. I hand’t been looking for anything, for a while I thought I’d found it, and others reacted with anger which helped me realize I had found nothing other than more evidence of human pettiness and the power of delusion.
    But, that’s just me.

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  2. fredo0 schreibt:

    feiner text …. nur warum nimmst du ein foto von adjashanti ? … abgesehen davon dass der zwar aus der zen-ecke kommt , aber auch zu den sehr kompetenten berichtern gehört …. einer meiner favoriten im zirkus … ich hab mal ne weile in jedmckennas blog mitgeschrieben , aber da mein englisch doch recht jämmerlich ist , wurde es mir dann etwas mühselig … und auch dort hat mister mackenna ein großes geheimse um sein foto gemacht … es gab aber doch mal eines , aus seinen alten satsängertagen und da wurde deutlich , es ist nicht adjashanti😀

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  3. fredo0 schreibt:

    es ist ja dieses merkwürdige faktum , dass wohl jeder bemerkt , dem diese selbst-hypnose (warum auch immer) entrissen wurde , und der da beginnt (warum auch immer) seinen mitmenschen tipps zu geben , dass diese nüchterne klarheit garnicht „gesucht“ wird …. was gesucht wird ( bei mindestens 95% derer die sich sucher nennen ) ist eine steigerung bzw. optimierung der persönlichen befindlichkeit .

    wenn dann ein ehrlicher berichter berichten muss , dass sich diese befindlichkeit womöglich sogar „danach“ erheblich verschlechtern kann , ja , es sogar häufig genau so geschieht , sich häufig der „feine grauer schleier“ übers befinden ausbreitet , und dies kein leichtes unwohlsein ist , es sogar diverse suizide in dieser phase gab und wohl auch geben wird . tja …. dann verdünnisieren sich die glücks-sucher sehr schnell und orientieren sich in richtung satsang-marzipan oder orgasmus-optimierungs-verkünder .

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  4. fredo0 schreibt:

    zum weiteren vertiefen dieses themas ein beitrag von heute in fb eines meiner weiteren favoriten :

    „““ To believe that you know the truth is to live in a prison. All you are convinced you know is true are the shackles that restrict your ability to live freely.
    But occasionally comes the courage to escape.
    A crack opens in the cell wall and you dig through it toward the light beyond.
    It is however a narrow passage and to squeeze through it you much leave everything behind.
    To walk naked in a world where most everyone else is clothed takes courage indeed.
    – Wayne Liquorman „““

    und für unseren bekennenden english-hasser nitya😀 , meine wahrscheinlich ebenso jämmerliche übersetzung :
    „zu glauben , die wahrheit zu wissen , ist wie das leben in einem gefängnis . all das , von dem du überzeugt bist , es wissend zu besitzen , ist genau das , was dich von einem wahrhaft freien leben fernhält . aber gelegentlich ( manchmal bei mancheinem d. übersetzer ) entsteht die gelegenheit zum entkommen . eine lücke entsteht in der mauer des gefängnisses , und du schlüpfst hindurch , angelockt durch das licht dahinter. (ich würde ja formulieren „und du wirst hindurchgesaugt“) . Es ist jedoch ein enges schlupfloch und um es zu durchqueren muss alles zurückgelassen werden. Und um dann in einer welt der angezogenen fürderhin als nackter zu leben , bedarf es einer menge courage …“

    und welcher glückssucher will schon nackt durch die lande ziehen ?

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  5. Ingeborg schreibt:

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  6. Eno Silla schreibt:

    „Suffering just means you’re having a bad dream. Happiness means you’re having a good dream. Enlightenment means getting out of the dream altogether.“
    (möglicherweise von Jed Mckenna)

    Wer möchte schon nackt, entblößt durch dies Leben gehen?
    Wer wäre in der Lage wirklich eine Wahl zu treffen?
    Ganz sicher nicht diese Person, die wir glauben zu sein…
    „To walk naked in a world where most everyone else is clothed takes courage indeed.“ Sagt Wayne Liquorman, und sicherlich stimmt dies aus der Sicht der Person. Aber die Person ist ja daran überhaupt nicht beteiligt, es geschieht und insoweit gehört überhaupt nichts dazu, was irgendeine Person tun oder nichttun könnte… Angezogensein scheint der Traum zu sein und Nacktheit das, was wir wirklich sind. Und darüber hinaus ist möglicherweise jedes verlorene Wort nichts als Unsinn, oder auch nicht… Wer weiß schon Bescheid?

    Den Adler übrigens zieht es mit Macht in die Lüfte, bald verläßt er den Horst. Die Bussarde sind schon flugfähig. Bei ihnen ist ein harter Kampf um jede Maus zu beobachten.
    So oder so müssen auch wir unser gemütliches und sogar das ungemütliche Nest (aus flüchtigen Traummaterialien gebastelt) verlassen!🙂

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  7. Brigitte schreibt:

    An Jed McKenna komm ich natürlich nicht vorbei! … ich liebe seine Kompromisslosigkeit und Radikalität … und seinen Humor natürlich! Hab mal in meiner Kiste gestöbert und was gefunden.

    „Ich bin auch gern glücklich, genauso wie alle anderen Menschen, aber
    es ist nunmal nicht das totale Glück, das uns auf die Suche nach der
    Wahrheit schickt. Es ist der blindwütige, fieberhafte, fanatische Drang,
    kein Lügengebilde mehr zu sein, um keinen Preis, komme, was da wolle.
    Dabei geht es nicht etwa um ein höheres Bewußtsein, um Selbstfindung
    oder den Himmel auf Erden. Nein, es geht um blutverklebte Schwerter und
    den verfaulenden Kopf des Buddha, um Selbstaufgabe geht es, und jeder,
    der etwas anderes erzählt, will dir was verkaufen, das er gar nicht auf Lager hat.“

    Jed McKenna

    Und auch das ist nicht von schlechten Eltern🙂

    Im Reich der Blinden ist der Einäugige ein Dusel. Er ist ein Schmetterling unter Raupen, ein Vampir unter Menschen, ein einäugiger Narr in einem Land der augenlosen Weisen. Er ist nicht überlegen, nicht mächtig, nur fehl am Platz, ein Fremder in einem fremden Land. Wozu bleibt er dann? Was soll er tun? Sprechen? Lehren? Vorgeben, er wäre weise? Was kann der Einäugige dem Blindgeborenen sagen? Wozu überhaupt etwas sagen? Was wünscht er sich für sie oder von ihnen? Die Blinden wissen nichts von Augen. Sie wissen nichts vom Sehen, und diejenigen, die glauben, es zu wissen, wissen etwas Falsches. Wozu überhaupt sprechen? Wozu sollte der Sehende seine Stimme unter den Lärm der Nichtsehenden mischen, die zu sehen behaupten und denen es in Unkenntnis der Wahrheit freisteht, eine bessere Geschichte zu erzählen? Wozu so eine nutzlose und undankbare Mission ausführen? Der Sehende mag der Skepsis der Nichtsehenden anfangs mit Geduld begegnen, weil er sich daran erinnert, da auch er sich einst in einem solch blinden und doppeltblinden Zustand befand, doch seine Toleranz wird rasch schwinden. Dem Bedürfnis des Egos nachzugeben, sich intelligent und urteilsfähig vorzukommen, ist ermüdend und dient nur dazu, die Torheit altruistischer Motive zu entlarven. So kann ich es mir jedenfalls vorstellen. Meine Motive sind nichtaltruistischer Natur und zielen nicht auf Resultate, also juckt es micht nicht, wenn ich sehe, wie Maya diese in Ohnmacht gefallene Menschheit noch immer im Würgegriff hält.

    Jed McKenna, „Spirituelle Dissonanz“

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