Nisargadatta: Es ist so einfach

 

NAlles, was Ich bin, alles was Ich immer gewesen bin und immer sein werde, ist was Ich war, ehe ich ‚geboren‘ wurde. Da Ich kein Körper bin, wie könnte Ich meines Gewahrseins gewahr sein? Ich bin kein ‚Ding‘ und kenne keine ‚anderen‘, derer Ich gewahr sein könnte.

Als das Noumenon bin Ich des Gewahrseins nicht gewahr. Als Phänomen ‚funktioniere‘ Ich. Ein Aspekt meines Potentials als das Noumenon funktioniert auf einer unpersönlichen Ebene, spontan und nicht-willentlich. Ich bin demzufolge das Sehen, das Hören, das Wahrnehmen, das Wissen, das Tun aller Dinge, die gesehen, gehört, wahrgenommen, gewusst oder getan werden – ‚Ich nehme wahr, wie Das Hier-Jetzt objektiviert wird.

Als Noumenon (absolut) nicht erfahrbar, werde Ich in der Phänomenalität (relativ) ein Objekt der Erkenntnis und der Wahrnehmung. Nachdem alle Phänomene verneint worden sind, ist es das Noumenon – Ich, was bleibt. Ich bin das Hier-Jetzt, völlige phänomenale Abwesenheit. Wie kann Ich, das Noumenon, gekannt, erfahren, wahrgenommen werden? Ich manifestiere mich selbst als ‚Empfindungsfähigkeit‘ durch die konzeptuelle Ausdehnung in Raum und Zeit. Jede Erfahrung kann nur in der Dualität als Subjekt-Objekt erfahren werden und durch die voneinander abhängigen Gegenteile wie Freude und Trauer unterschieden und beurteilt werden.

Wenn der Verstand völlig still und leer ist, wenn die Vorstellung von Raum und Zeit außer Kraft gesetzt ist, dann bin Ich und alles was Sie sind – Einheit, Ganzheit, Heiligkeit, Demut und Liebe. Das ist die Wahrheit – alles andere ist Mist! Es ist so einfach, aber ich frage mich, wie viele verstehen, was ich sage. Hören Sie auf, Konzepte zu schaffen und ‚Sie‘ sind ‚Ich‘ – kein selbst und kein anderer.

aus: Nisargadatta, zitiert von Ramesh S. Balsekar in „Pointers“

i„Es ist so einfach, aber ich frage mich, wie viele verstehen, was ich sage. Hören Sie auf Konzepte zu schaffen und ‚Sie‘ sind ‚Ich‘ – kein selbst und kein anderer.“ ‚Sie‘ sind natürlich auch ‚Ich‘, wenn Sie Konzepte schaffen, hätte Nisargadatta hinzufügen können. Und weiter: ‚Sie‘ sind es ja gar nicht, der die Konzepte erschafft. „‚Sie‘ schaffen Konzepte, hören ‚Sie‘ damit auf!“, wäre die phänomenale Ebene, auf der ‚Sie‘ scheinbar niemals ‚Ich‘ sein können.

Von Shankara stammt „Das Kleinod der Unterscheidung“ in dem es genau um dieselbe Erkenntnis geht, wie sie hier Nisargadatta zu vermitteln versucht. „Es ist so einfach.“ sagt Nisargadatta und zeigt, wie an diese einfache Erkenntnis zu gelangen sei: „Hören Sie auf, Konzepte zu schaffen.“ Womit ich schon wieder bei Seng’tsan bin mit seinem „Suche nicht nach dem Wahren, hör’ nur auf, Meinungen zu hegen.“ Da ist niemand, der aufhören könnte, Konzepte zu schaffen oder Meinungen zu hegen. Das alles – einschließlich desjenigen, der aufhören soll – ist Teil der Phänomenalität. All diese Empfehlungen gehen ins Leere, und doch scheinen sie bisweilen etwas zu bewirken. Sie können scheinbar dieselbe Wirkung haben wie Buddhas Blümchen oder „dazu führen“, dass ein scheinbarer Jemand mit einem scheinbar heiligen Buch etwa das Vergeben empfiehlt. Dieses scheinbare Verhalten taucht ja immer wieder auf – etwa bei Jesus, wenn er empfiehlt: „Liebe deine Feinde!“ Ein Phanömen kann nicht lieben und „seine Feinde“ schon gleich gar nicht. Also wird daraus sofort wieder ein Konzept gebastelt. Den „Feinden“ genützt hat das bisher herzlich wenig.

Also, es ist ganz einfach. Und wenn etwas kompliziert zu sein scheint und eine Frage die nächste hervorzubringen scheint – lehnt euch zurück und schaut den Eichhörnchen zu. Es dürfen auch Vöglein sein oder Wolken oder … .

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6 Antworten zu Nisargadatta: Es ist so einfach

  1. Eno schreibt:

    „Als Phänomen ‘funktioniere’ Ich.“

    Es ist ganz einfach, wenn es einfach ist.
    Es ist ganz schwer, wenn es schwer ist.
    Der Traum kommt und geht.
    Die Erscheinungen kommen und gehen.
    Was bin ich?
    Ich weiß es nicht.
    Immer wenn ich glaubte es zu wissen,
    ging es in die Hose,
    aber voll und ganz.
    Ein Scheitern wieder und wieder.
    Seit ich mir die Hörner abgestoßen habe,
    die mir aufgesetzt wurden,
    oder die ich mir aufgesetzt habe,
    funktioniere ich einfach.
    Ich dieses
    gelegentlich erscheinende
    Phänomen
    und es ist gut oder nicht,
    so oder so,
    wie auch immer es ist:
    So einfach ist es!

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  2. Prem-Punito49 schreibt:

    Mal so an dieser Stelle , ohne auf sie zu treten , ein bißchen Ich-Losigkeitserleben
    zum besten geben . So `ne echte rattenscharfe Erleuchtungserfahrung in die Runde
    streuen . Höchst durchgeistigt , intellektuell , Brokat aus Ich-losgkeit gewoben auf die Balkongeranien streuen ?
    Warum formen Hände Worte mittels Tastendruck ?
    Ich weiß es nicht , ich weiß es nicht –
    Die Ohren lassen der Kyotaku-Klang Wort-Leere durch mich fliessen .
    Was kümmert mich da ein MEIN-NICHT- ICH-Diskurs ,

    Herz-Gruß
    PUNITO

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  3. fredo0 schreibt:

    oft selbst gesagt „es ist so einfach“ …

    doch nicht weil es so eben nebenbei erledigbar wäre …

    denn dieses „es ist so einfach“ meint keine simple Aufgabe , sondern es meint eine (einfache) vorhandene Unmittelbarkeit , eine völlig distanzlose Anwesenheit von Unmittelbarkeit in Abwesenheit einer (persönlichen) Anwesenheit …😉 .
    ohne jegliche Ausdehnung in Komplexität von Objekthaftigkeit ist da einfach (!) nur diese Unmittelbarkeit …diese ist , einmal bemerkt , einfach (!) evident und fürderhin unbezweifelbar …
    Noumenon ist halt nicht „irgendwo da oben“ und etwas ungeheuer komplexes , sondern dieses in Einfachheit so perfekt „verborgene“ offensichtlich Geheimnis , oder dieses „Geheimnis der Offensichtlichkeit“ in Unmittelbarkeit …

    Das Bemerken des Noumenon wäre vergleichbar mit dem Entdecken von Wasser für einen Meeresbewohner („mein Gott da ist ja einfach (!) Wasser !“) .

    In diesem „einfach sein“ ist es bestens verborgen … und wenn „ES“ sich zeigt, erweckt es bei fast allen „Betroffenen“ als erste Reaktion ein tiefes Lachen … ein HoTei hat damit gar nicht mehr aufgehört … „mein Gott , so einfach unmittelbar war es schon immer da , wie konnte ich nur so bekloppt sein , es im komplizierten zu suchen . wie konnte ich überhaupt die Luft suchen , die ich atme ?😀 “ .

    Also … einfach ist es als Sucher mit dem was da „einfach IST“ keinesfalls , denn all unsere Sinne und Denkweisen , sind hypnotisch auf Komplexität gepolt , ( noch ein weiteres SuperHicksTeilchen dazu … noch ein Bewusstseinsfragment ins „Erleuchtungsschüsselchen“ und und ) .

    Damit sich „einfach“ zeigt , was da einfach DA ist , bedarf es meistens eines Kollapses der automatischen Wahrnehmung der den Komplexitätsmechanismus der üblichen Wahrnehmungsinterpretation gewissermassen aushebelt , quasi kalt stellt …

    Doch das ungeheuer schwierige an diesem Kollaps ist , dass er halt „unmachbar“ ist …
    Es kann nur dann geschehen , wenn es dem Einfachen selbst einfach beliebt , es so geschehen zu lassen .

    Also … ne ziemlich schwierige Nummer für der Sucher ( genaugenommen ne unmögliche Nummer ) dieses „vorfinden“ des Einfachen …

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    • Nitya schreibt:

      Sag mal einem, der in einen Strudel hineingezogen zu werden droht und verzweifelt um sein Leben kämpft: Es ist so einfach!

      Würde er sich einfach hinein- und hinunterziehen lassen, wüsste er, dass es stimmt: Es ist so einfach.

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      • Ronny schreibt:

        Sag mal einem, der in einen Strudel hineingezogen wird, lass dich hineinziehen… Ja nur das. Da ist dann selbst „es ist so einfach“ nur noch eine Idee, denn Dies was einfach ist, ist einfach was es ist

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    • Ronny schreibt:

      irgendwie das schönste diese unmöglichkeit des machbaren.

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