Jean Ziegler: Ändere die Welt!


Z
Hören wir Voltaire: „Die Freiheit ist das einzige Gut, das sich nur abnutzt, wenn man es nicht benutzt.“ Ich sage es noch einmal: Es gibt keine Ohnmacht in der Demokratie. Die allermeisten Oligarchen stammen aus Nordamerika und Europa. Bürger und Bürgerinnen dieser Staaten besitzen laut Verfassung alle demokratischen Rechte, Freiheiten und Werkzeuge, die notwendig sind, um die Diktatur der Konzerne zu stürzen. Alles, was es braucht, ist, die verfassungsmäßigen Waffen zu ergreifen und sie gegen die weltbeherrschende Finanzoligarchie zu richten … und schon morgen früh bricht die kannibalische Weltordnung zusammen.

Der Entfremdungs- und Unterdrückungsapparat zeigt Risse. In Südeuropa, in Frankreich, in Deutschland entstehen radikale gesellschaftliche Widerstands- und Protestbewegungen und schließen sich zusammen. Auf den fünf Kontinenten wirkt die neue weltweite Zivilgesellschaft. Der moralische Imperativ ist ihr Antrieb, aber auch die Wut, der Zorn über das Chaos in der Welt. Wie Victor Hugo gesagt hat: „Der Zorn facht den Aufruhr an wie der Wind das Feuer.“ Im Süden und Norden, im Osten und im Westen hat sich der Wind erhoben.

Auf den Fronten des Widerstands ruht die Hoffnung der Völker. Bertold Brecht sehnte in sehr finsteren Zeiten die Morgenröte herbei:

Am Grunde der Moldau wandern die Steine
Es liegen drei Kaiser begraben in Prag.
Das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine.
Die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag.

aus: Jean Ziegler, „Ändere die Welt!“

Ich hab mal erzählt, dass ich einen Gentest gemacht habe und dass dabei herauskam, dass ich sowohl väterlicher- wie mütterlicherseits von den Kelten abstamme. Ich sage jetzt mal: „Leute, ich bin ein Kelte. Ich muss ja nicht gleich stolz darauf sein, aber ein Kelte ist ein Kelte. Basta. Oder noch besser: ich bin ein Druide.“ So, jetzt habt ihr euern Dreck im Schächterle, wie der Schwabe zu sagen pflegt. Ihr habt nämlich so gut wie keine Ahnung, was die Kelten so gedacht und getan haben. Ich übrigens auch nicht. Und genau das will ich mir zunutze machen. Ich schreibe hier als Kelte, als Druide, und niemand kann dagegen anstinken, weil er meine Aussage an den Aussagen irgendeines Buddhas, Jesus, Bodhidharma oder wie die ganzen Typen auch immer heißen mögen, messen kann. Clemens von Alexandria (ca.150 – 215) war übrigens der Meinung, dass Pythagoras seine Lehren von den Druiden geklaut habe.

CUnd – können diese Augen etwa lügen? Aber gelogen oder auch nicht, das Schönste an den Druiden ist für mich, dass sie nichts Schriftliches hinterlassen haben. Ich spreche also mit der ganzen Autorität meiner Vorfahren, und wer das anzweifelt, soll mir erst mal beweisen, dass die Druiden etwas anderes gesagt haben als ich.

Nach diesem umfangreichen Schlenker wieder zu Jean Zieglers „Ändere die Welt!“ Diese Aufforderung ist für edle Advaitins anscheinend bis in alle Ewigkeit völlig unannehmbar. Aufforderungen richten sich an eine Person, die ja, wie schon jedes Advaitinkind weiß, reine Fata Morgana ist. Sag mal einer Fata Morgana, sie solle gefälligst die Welt ändern! So blöd können auch nur völlig unerleuchtete Normalbürger sein. Die Druiden waren so blöd. Sie haben sich kräftig in das Leben mit all seinen Facetten eingemischt. Sie wussten, wie ja auch Buddha, dass Leere Form ist und Form Leere. Sie waren weder reine Materialisten noch so vergeistigt, dass sie nicht mehr aufs Klo gehen mussten. Letzteres versuchte mir als Kind mein Vater von sich längere Zeit weiszumachen.

Was macht hier Jean Ziegler in seinem Schlusswort? Er spricht vom Scheißen. Er spricht von der Welt. Er spricht von der Unerträglichkeit der Zustände und davon, dass diese Zustände dringend geändert werden müssen. Hätte auch ein Druide sagen können. Ja, er spricht nicht von Transzendenz oder so was. Er spricht wie ein Materialist. Aber wie erwähnt: „Form ist Leere, Leere Form.“ Als ob es da eine Trennung gäbe. Die kriegt nur der Verstand zustande. Kaum jemand hat die Einheit von dieser und nicht dieser Welt so betont wie die Druiden. (Höre ich Protest?) Manche der edlen Advaitins lassen sich anscheinend jedoch lieber von einem Panzer überrollen und rufen sterbend noch: „Aber ich habe Recht!“ Dieser letzte Triumph sei ihnen von Herzen gegönnt. Aber mausetot ist halt mausetot.

Jean Ziegler drückt für mich seine Sehnsucht aus und seine Hoffnung. Ich halte es da mehr mit Dantes „Lasst, die ihr eintretet, alle Hoffnung fahren!“ Und dann handelt – einfach aus der Notwendigkeit des Handelns heraus. Wenn das Haus brennt, wirst du – hoffentlich – rausrennen, auch ohne jede Hoffnung, dass du es schaffst.F

 

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7 Antworten zu Jean Ziegler: Ändere die Welt!

  1. Georg Alois schreibt:

    o.k., o.k., dann bleiben wir mal auf der Ebene der Talkshows, finde ich auch viel lustiger.
    „….das alles und noch viel mehr……….wenn ich König von Deutschland wär…..“
    denn wie Volker Pispers so treffend feststellte: „…..in einer Demokratie ändert sich nüscht!“
    Irgendwie habe ich den Eindruck, dass die Meinung: „Arme wären die guten und Reiche die bösen“ vorherrscht.
    Meine Lebenserfahrung zeigt mir eher das Gegenteil. Ich habe schlicht Angst, vor dem Nachbarwolf. Denn solange die Volldeppen nicht verstehen wollen, dass Geld nicht arbeiten kann….
    Und ein Jeder der dann mal über Knete verfügt…………. und immer weiter geht das alte Spiel…….und wir können viele Abende mit Talkshows füllen…………..“moralischer Imperativ“…….herrlich diese Worte, oder?

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  2. Paulynette schreibt:

    lieber Nitya,
    deine letzte Antwort zum gestrigen Thema möchte ich auch gleich noch kommentieren, denn sie hat mich berührt. Du sagst darin, dass es in dem, was als dein Leben erscheint, durch – ich erlaube mir es Erwachen zu nennen – eine Erleichterung gab. So, wie du es begründest, verstehe ich das, mir ging es ähnlich. Allerdings, und das ist mir eben sehr schwer auszudrücken, empfinde ich in der Gesamtheit deiner Texte ob hier auf diesem Blog oder auf Facebook eben insgesamt keine Erleichterung in deinen Vorstellungen über das, was als Leben erscheint.
    Und wie könntest du auch, du erlebst dich als ein fühlendes Wesen in einer lieblosen Welt. Auch wenn dir das vielleicht nicht bewusst ist und du dich für eher emotionslos hältst, von wegen Steinbock🙂 deine Texte und Kommentare sind voller Gefühl, nämlich Mitgefühl für das, was „dir“ erscheint. Auch kräftige Gegenwehr wird ja aus Emotionen geboren.
    Zwei Tage beschäftigen wir uns nun mit dem Thema der Veränderung der Welt, hier auf diesem Blog, in Wahrheit beschäftigt das Thema ja fast jeden denkenden Menschen. Ob er nun „die“ Welt verändern möchte oder „nur“ seine Welt. Aber weder „meine“ (äußere) noch „die“ (äußere) Welt sind änderbar. Lediglich die Wahrnehmung dessen, was als Leben erscheint ist (im Jetzt also für den Moment) änderbar. Denn so wie „die“ Welt oder „meine“ Welt ist, ist sie von innen heraus entstanden. Ich schreibe ja auf meinem Blog auch über meine Erlebnisse in der DDR und ich kann sagen, dass die Menschen, die zum Umsturz des Systems geführt haben diejenigen waren, die weggegangen sind. Sie haben den Ort der Unerträglichkeit verlassen und somit die Grenzen für alle geöffnet. Ich sehe das als Sinnbild für den inneren Ort, den wir verlassen müssen, wenn wir etwas ändern möchten. Dieser innere Ort ist der unbewusste Teil des Verstandes. Ich zähle mich nicht zu den Advaitinis oder wie die heißen, dennoch sehe ich im Advaita Vedanta eine tiefgreifende Liebeserklärung an die Verzweiflung des Menschen. Genauso sehe ich das für die Idee des Determinsimus. Oftmals wird es als Ohnmachtsidee abgewertet dabei ist es in Wahrheit eine Befreiung für all das, was im Außen erscheint, nicht verantworltich sein zu müssen. Somit also jeden Versuch das Außen verändern zu müssen fallen lassen zu können.
    Und doch sagt das Advaita Vedanta, das Tun entstehe ganz natürlich ohne einen Jemand, der das möchte. Wenn man das einmal tiefer betrachtet, dann kann man sehen, dass gerade durch das Wegfallen desjenigen, der tun, nämlich ändern möchte, was ihm im Außen erscheint, eine andere Art des Tun entsteht.
    Irgendwohin muss Aufmerksamkeit gerichtet werden, wenn sie erscheint. Sollte sie also nicht mehr nach Außen gerichtet werden, sondern nach Innen, entsteht eine andere Art der Wahrnehmung. Man wird feststellen, dass Äußeres getan wird. Vollkommen ohne eine Idee, des Tuns. Viele „Geistesgifte“ erledigen sich dann auf der Stelle. Stolz und Gutmenschsein z.B.
    Ich habe keinerlei Interesse hier diese Zeilen zu schreiben, denn das, was in mir persönlich ist, weiß um die Missverständnisse. Die Person Kerstin schmerzt das. Aber da ist auch das Unpersönliche, welches den „Ort“ der Heilung kennt. Dieser Ort ist der Teil des Verstandes, der Bewusstheit ist. In dieser Bewusstheit gibt es nur eine heilsame Idee und das ist die Idee der Vergebung. In „Ein Kurs in Wundern“ heißt es, dass Vergebung die einzige Illusion sei, die keine weiteren Illusionen hervorbringt.
    Wenn man nun den Weg der Vergebung antritt spielt sich das natürlich im Persönlichen ab. Ich sehe es ja gerade in dem, was als mein Leben erscheint. Mehr als 30 Jahre habe ich über die Erlebnisse in der DDR und ab 1986 im Westen geschwiegen, nun, wo sich Bewusstheit in meinem Geist breit machen möchte, das heißt es immer ruhiger und friedlicher wird, es immer unpersönlicher wird, da kommt all das Persönliche noch einmal zum Vorschein. Es kommt um vergeben zu werden, um zu heilen. Und so schreibe ich es auf. Vielleicht es ja auch bei dir, lieber Nitya so, dass du all die Ideen der äußeren Revolution nocheinmal ans Tageslicht bringen musst um sie heilen zu lassen. Bis hin zu deinen Wurzeln der Kelten?

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  3. fredo0 schreibt:

    Tja … ich mag da auch immer wieder sagen …. Demokratie ist letztlich die Diktatur der Mehrheit …. und wenn es dieser Mehrheit endlich gelingt ihren Wunsch nach „Ent-Reichung“ der Reichen zum Diktat zu erheben , ist alles möglich …
    Und das wissen all die Reichen auch ganz genau , desderwegen haben sie so konsequent die Knute und Droge Presse und Medien in ihre uneingeschränkte Verfügungsgewalt geholt .
    ( so gehören etwa 20 reichen Familien mitlerweile fast 90 % der deutschen Presseorgane , darunter ehemaligen kritischen Meinungsträgern wie Spiegel oder Frankfurter Rundschau )
    Und ich befürchte , es wird ihnen auch bald gelingen , die Lücke des Internets zu schließen …

    Doch … genau da setzt meine Erwartung an … in der Kulminierung , also im Extrem einer Entwicklung , hier der völligen Kontrolle der öffentlichen Meinung ( der Mehrheit ) …. liegt im Sinne der Eigenart jeglicher Entwicklung bereits der Umschlag ins Gegenteil ….
    Dies ist für mich kein Resultat aus Analyse der Situation sondern schlichte Gesetzmässigkeit ….
    Und genau dies lässt mich einen massiven Wandel erwarten und natürlich auch durch „eigenes😀 “ Handeln befördern …

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    • Georg Alois schreibt:

      Neulich hörte ich davon, dass Karlchen, also unser lieber Herr Marx, zu seiner Frau gesagt haben soll, dass wenn sie in England seine Theorien in die Praxis umsetzen sollten, er hier schnellstens verschwinden wolle.
      Auch Marx wollte vom „Freigeld“ nichts wissen.
      Was soll sich ändern? Vielleicht wird mal die Reset-Taste gedrückt…… aber „der Umschlag ins Gegenteil“….???
      Wer soll denn den Kindergartenkinder die Unmöglichkeit eines exponentiellen Wachstums lehre? Und ohne dass dieses Wissen nicht quasi „angewölft“ ist, was soll sich da ändern???

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      • Georg Alois schreibt:

        Vielleicht ist das ganze hier eine Art Quiz, Zen-mäßig oder Dadaismus-mäßig…….
        Die Frage der letzten Tage war doch:
        „Sei selbstsüchtig“ und „Ändere die Welt“, wie geht das zusammen?
        Welchen Preis gibt es denn, wenn man die Lösung findet???

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      • Nitya schreibt:

        Der Preis ist ungetrübte Heiterkeit.

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  4. Prem-Punito49 schreibt:

    .

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