Bert Brecht: Ändere die Welt, sie braucht es!


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Mit wem säße der Rechtliche nicht zusammen
Dem Rechte zu helfen?
Welche Medizin schmeckte zu schlecht
Dem Sterbenden?
Welche Niedrigkeit begingest du nicht, um
Die Niedrigkeit auszutilgen?
Könntest du die Welt endlich verändern, wozu
Wärest du dir zu gut?
Wer bist du?
Versinke in Schmutz
Umarme den Schlächter, aber
Ändere die Welt, sie braucht es!

aus Bertolt Brechts Lehrstück „Die Maßnahme“.

Das Denkmal steht vor dem Berliner Ensemble, Theater am Schiffbauerdamm, Bertolt-Brecht-Platz 1. Ich hab’s ja nicht so mit Denkmälern. Viele meinen, mit einem Denkmal sei es aber auch genug der Ehre, und vergessen, wofür die Person steht, der diese Ehre zu Teil wurde. In Augsburg, der Geburtsstadt Brechts, weigerte sich beispielsweise der CSU-dominierte Stadtrat samt seinem Oberbürgermeister lange, seinem in der Welt so berühmten Sohn in irgendeiner Weise zu gedenken. Erst 1960 wurde diese kleine Tafel auf Privatinitiative hin an seinem Geburtshaus angebracht. Mit einem Kommunisten wollten (und wollen) die Christsozialen halt absolut nichts zu tun haben.

BTGerhard Mersmann, der da oben neben Bert Brecht Platz genommen hat, betitelte das Bild mit „Besuch bei einem Freund“. Ich war ganz gerührt, als ich die beiden da so einträchtig nebeneinander sitzen sah. Am liebsten hätte ich mich dazu gesetzt. Wir haben virtuell gerade mal ein paar Worte gewechselt, aber ich guck mir jeden Tag seinen neuesten Blogbeitrag an und er anscheinend meinen. Was ich am meisten an ihm schätze, ist, dass er für sich steht. Diese Eigenschaft teilt er so ganz mit seinem Freund Bert Brecht. Dass wir vermutlich nicht in allem die gleiche Sichtweise haben, ist für uns beide selbstverständlich. Von Fußball zum Beispiel habe ich nicht die geringste Ahnung, da ich in jungen Jahren immer auf der „Ersatzreservebank“saß. Ich schätze seinen klugen Verstand und sein gesellschaftliches Engagement und sein freundliches Wesen. Ich kann euch den Blog sehr empfehlen, schmiert die Gehirnwindungen. Aber genug der Lobeshymnen und zum Gedicht von Bert Brecht.

„Ändere die Welt, sie braucht es!“ sagt Bert Brecht. Gestern hatte ich Oshos Sicht des Tao in den Blog gestellt und seinen Hinweis, dass alles Natürliche sich nur aufgrund seiner Selbstsüchtigkeit entfalten kann. Das ist kein Plädoyer für die Selbstsucht, sondern ein Beschreiben der Gesetzmäßigkeit des Lebendigen. Während die Ideologen entweder für die Verteufelung der Selbstsucht plädieren oder zumindest für das Fehlen jeglicher Bevorzugung eines Eigennutzens, ist ihr Immunsystem ganz selbstsüchtig dabei, irgendwelche Bakterien abzuwehren. Leben will in seiner Lebensspanne nur eines: Leben. Und das bedeutet, zumindest das Existenzminimum sicher zu stellen. Das billigt, wenn auch zähneknirschend, sogar die Regierung unserer sog. Republik ihren Untertanen zu. Den Menschen anderer Länder billigen sie dieses Überlebensrecht jedoch in keiner Weise zu – von den Tieren und Pflanzen mal ganz abgesehen.

Bert Brecht fragt: „Könntest du die Welt endlich verändern, wozu wärest du dir zu gut? Wer bist du?“ Das ist auch eine Frage an diejenigen, die sich für irgendwie spirituell halten und beim „ora“ das „labora“ vergessen. Mit „ora“ könnte hier auch verstanden werden, endlos spirituelle Konzepte durchzukauen und sich ansonsten die Hände in Unschuld zu waschen oder in einem missverstandenen Nicht-Selbst.

So, und dann kommt so’n Typ wie Buddha daher und sagt: „Handlungen geschehen, aber es gibt keinen Handelnden.“ Unterschreib ich sofort, aber das heißt eben nicht, dass jetzt niemand mehr handeln soll. Nochmal der deutsche Philosoph Hans Vaihinger mit seiner Aufforderung: „Handle, als ob du der Handelnde wärest, mit dem Wissen, dass du nicht der Handelnde bist!“ Gerät ja immer wieder in Vergessenheit. „Wer soll handeln?“ – Na du!“ – „Aber wer bin ich denn? Bin ich nicht ein Nicht-Selbst, wie Buddha gesagt hat?“ … Es dreht sich immer im Kreis rum und man könnte wahnsinnig werden bei diesen Verstandeskapriolen. Und in der ganzen Zeit, während diese müßigen Gedanken hin und her gewendet werden, befreit dich dein Immunsystem ganz eigennützig weiterhin von den dir schadenden Bakterien, die sich ganz eigennützig an dir laben wollen.

Bert Brecht und Gerhard Mersmann haben sich aus meiner Sicht von solcherlei verrückten Überlegungen weitgehend frei halten können, sich die Ärmel hochgekrempelt und jeder an seinem Platz und auf seine Art ganz selbstsüchtig zum eigenen und dem Besten aller gehandelt. Was ist mein Wohl schließlich ohne das Wohl aller?

Dafür sage ich einfach „Danke“.

Bert Brecht: „Ändere die Welt, sie braucht es!“ Oder hochspirituell: „Binde dein Kamel an! Gott braucht deine Hände.“ Oder …

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5 Antworten zu Bert Brecht: Ändere die Welt, sie braucht es!

  1. Georg Alois schreibt:

    Das hier von Ihnen gesagte gefällt mir mal wieder sehr gut!!
    Unser geliebte OSHO hatte ja genau das gleiche Problem, er konnte diese unglaubliche Dummheit auch nicht akzeptieren. Und dann auch noch seine „bessere Welt….. Oregon…..Shila……
    Jo, Baby, jo! Und dem Mann namens Jesus wird in den Mund gelegt: „An ihren Taten werdet ihr sie erkennen.“
    Und natürlich ist das auch mein größtes Problem. Mit „Engels-Zungen“ und auf Knien rutschend habe ich versucht meine Mitmenschen wenigstens zum Nachdenken über unser Geld- und Wirtschaftssystem zu bewegen.
    Wer sagte doch den schönen Satz?: „Wir scheitern immer besser.“
    Und hat nicht Krishna zu Arjuna gesagt:“ Du bist ein Krieger, also halts Maul und kämpfe!“
    Wenn man alle Wertungen fallen lässt, dann tut man das was man tun muss. Die anderen allerdings auch! Und warum soll der Krieg nicht auch zur Natur des Menschen gehören…..???

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    • Nitya schreibt:

      „Und warum soll der Krieg nicht auch zur Natur des Menschen gehören…..???“

      Das ist eine sehr gute Frage.

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      • Georg Alois schreibt:

        Gerade eben im Fernsehen gesehen: Verhaltensforscher, die mit Wölfen und Hunden arbeiten. Warum der Mensch den Hund vor ewigen Zeiten schon domestizierte. Da war ich echt platt! Also, die Gemeinsamkeiten von Wolf und Mensch sind: sie leben in Kleingruppen und führen Krieg gegen ihre Nachbarn.

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  2. Gerhard Mersmann schreibt:

    Lieber Wilhelm,
    ich schenke die vielen Blumen einer schönen Frau, ok?
    Kordiale Grüße
    Gerd

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