Bankei: bedingungslose Hingabebereitschaft


Wer als Diener oder Dienerin arbeitet, muss vor allem von bedingungsloser Hingabebereitschaft sein. Er darf keinen Gedanken an sich selbst hegen; Was auch immer er tut, geschieht für seinen Herrn und Meister. Diese Übung vollkommener Ergebenheit gegenüber dem Meister ist zugleich Ausdruck kindlicher Liebe und Ergebenheit gegenüber den Eltern. Solltet ihr aus einem eigennützigen Bestreben, das euch nicht von Geburt an zu eigen ist, etwas Schlechtes tun oder etwas, das dem Wohl des Meisters zuwiderläuft, so missachtet ihr eure Verpflichtung ihm gegenüber; damit macht ihr aus eurem Buddha-Geist, mit dem ihr geboren wurdet, etwas Böses und lasst es obendrein an Achtung und Liebe für eure Eltern gebrechen. Seid ihr aber ein pflichtbewusster Sohn, eine pflichtbewusste Tochter, so wird die Ergebenheit, die ihr euren Eltern zeigt, auch eurem Meister zugutekommen, und die Güte, mit der er euch begegnet, wird zunehmen. Wenn die Eltern von dieser Güte erfahren, werden sie gewiss sehr froh sein. Ergebenheit gegenüber dem Meister ist hier zugleich kindliche Ergebenheit, und kindliche Ergebenheit ist Ergebenheit gegenüber dem Meister. Dies zeigt, wie entscheidend wichtig es für euch ist, um den ungeborenen Buddha-Geist zu wissen.

aus: Meister Bankei, „Die Zen-Lehre vom Ungeborenen“

eMich hat’s ja beinahe umgehauen, als ich das las. Bankei! Was hat dich denn da geritten? Ich habe anscheinend nicht die geringste Ahnung vom ungeborenen Buddha-Geist. Das zumindest glaube ich daran erkennen zu können, dass ich die Darlegung des angeblich sehr ehrwürdigen Meister Bankeis für einen ausgemachten Schmarren halte. Als ich meinem „Meister“ Heinz Butz – und der steht für viele andere „Meister“ – begegnete, beanspruchte dieser nicht die geringste Ergebenheit – weder von mir noch von einem anderen. Diese Ergebenheit war einfach da, zumindest bei mir, ohne dass ich mich dafür hätte irgendwie anstrengen müssen. Heinz Butz hätte es sicher nicht gut geheißen, wenn irgendwelche Gesetzesbrecher geköpft bzw. gekreuzigt worden wären, wie dies von Bankei ganz offensichtlich für richtig gehalten wurde. Schließlich handelte es sich ja da um Leute, die sich ums Verrecken nicht ergeben wollten. Dat hatten se nu davon! (Bankei hatte sich in den Zeilen vor diesem Abschnitt darüber echauffiert, dass die Verbrecher die Vollzugsbeamten hassten, die doch nur der Gerechtigkeit Genüge und außerdem ihre Pflicht taten.)


 
Mein angeblich ehrwürdiger Vater zitierte auch immer wieder mit Begeisterung das vierte Gebot: „Du sollst Vater und Mutter ehren, auf dass es dir wohl ergehe und du lange lebest auf Erden.“ Und was für die Eltern gilt, gilt natürlich in erhöhtem Maße für den Meister oder den Shogun oder Frau Merkel. Was ist das alles nur für eine verdrehte Welt!

Bei Wikipedia finden sich unter „Bankei“ u.a. folgende Anmerkungen: „Bankeis Lehren waren in dem Sinne revolutionär, wie sie die damals herrschenden diktatorischen gesellschaftlichen Vorstellungen, die auf dem Konfuzianismus basierten und jeden individuellen Gedanken und Ausdruck verboten, durchschnitten. (…..) Bankeis Zen sollte den Menschen helfen, die von Geburt an angesammelten Eindrücke und Konzepte über sich selbst wahrzunehmen und hinter sich zu lassen.“ Wenn ich den eingangs zitierten Text von Bankei betrachte, kann ich beim besten Willen nicht erkennen, dass er die damals herrschenden diktatorischen gesellschaftlichen Vorstellungen für sich selbst durchschnitten hätte noch dass er, soweit für mich erkennbar, die von Geburt an angesammelten Eindrücke und Konzepte über sich selbst wahrgenommen und hinter sich gelassen hätte. Meiner bescheidenen Einsicht nach widerspricht er hier eindeutig seiner eigenen wundervollen Lehre vom Ungeborenen. Jedenfalls vermag ich in dieser Textpassage den anarchistischen Geist der frühen Ch’an-Patriarchen beim besten Willen nicht zu entdecken.

Aus dem Buddha-Geist etwas Böses machen … wie soll denn das gehen? Also heut kann ich Zeile für Zeile durchgehen und mich dabei nur aufregen. Ich muss an meinen Blutdruck denken und halt jetzt lieber mein Maul.

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6 Antworten zu Bankei: bedingungslose Hingabebereitschaft

  1. Prem-Punito49 schreibt:

    Ach ich liebe sie , die bedingungslose Hingabebereitschaft ,
    beim Fegen , kochen , Katzenfüttern , u.s.w .
    Meine Ahnen ( Eltern ) und der Meistääär werden von mir mit leicher Hingabe geehrt , so wie ich den Morgenaufwasch handhabe . Achtsam !!!

    Nachtrag ,Zitat Nitya :
    …..Jedenfalls vermag ich in dieser Textpassage den anarchistischen Geist der frühen Ch’an-Patriarchen beim besten Willen nicht zu entdecken……

    Eine Punito-Kodofrage für dich Dich :Das Leben lässt sich nicht so einfach meistern. Doch wenn wir unsere ganze Enerige darauf verwenden, es den anderen noch schwerer zu machen als uns selbst, kein Wunder dass die ganze Welt eine Neurose bekommt. Religiöse Praxis – egal ob es sich um Zazen oder Anrufung Buddhas oder Rezitation der Sutren oder Verbeugungen oder was auch immer handelt – muss wie eine Feuerpause im Leben sein.

    Die Menschen stellen sich nach Rang geordnet auf, und dann wird abgezählt: Eins, zwei, drei, vier… Ich stehe ganz vorne in der ersten Reihe, du ganz hinten, der achte von links. Doch wenn es heisst: „Wegtreten!“ – dann löst sich die Rangordnung auf. Es kommt darauf an, dich nach dem Ebenbild Buddhas zu erschaffen. Allerdings versteht das keiner von uns selbst. Du verstehst nicht, wie erhaben das ist, wie ein Buddha zu leben. Du verstehst es nicht, wenn es um dich selbst geht, aber wie sieht es in den Augen eines anderen aus?

    Herzgruß
    PUNITO

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    • Nitya schreibt:

      Lieber Punito,

      keine Ahnung, wie es in den Augen der anderen aussieht. Ist mir auch ziemlich schnuppe. Und ich glaube, es ist mir auch ziemlich schnuppe, ob ich dem Ebenbild Buddhas auch nur im Entferntesten ähnele. Ich habe allerdings auch keine Ahnung, wie der Kerl aussah. Ich finde jedenfalls bei mir keinerlei Ehrgeiz vor, mich nach dem Ebenbild Buddhas zu erschaffen. Ich hab genug damit zu tun, mich ständig selbst zu erschaffen. Insofern denke ich, stehe ich auch nicht ganz hinten als achter von links, auch nicht als zwölfter, sondern überhaupt nicht. Ich wüsste nicht, warum ich da überhaupt stehen soll. Ich hab genug anderes zu tun.

      Herzlichst
      Nitya

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      • Prem-Punito49 schreibt:

        …. Ich habe allerdings auch keine Ahnung, wie der Kerl aussah….
        Na , so , wie du und ich .
        Im Winter schwitzt er , im Sommer Friert es Ihm ,
        und überhaupt`s – es gibt Nichts zu tun !🙂
        Faulpelz PUNITO

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