Wilhelm Reich: Eli, Eli, lama asabthani?


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 „Eli, Eli, lama asabthani?“ – „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

Welch ein Alptraum … Die Nachfahren dieser Nattern, die um das Kreuz herumstanden und gingen, werden zweitausend Jahre lang die Christusgeschichte memorieren, sezieren, goutieren, reproduzieren, talmudisieren, exorzieren, ornamentieren und parfümieren, aber der Kern der Geschichte wird ihnen entgleiten; sie werden ihn nicht einmal bemerken, allenfalls diejenigen von ihnen, die dann dafür bald im nächsten Wald an den Ästen baumeln.

SIE SCHÄNDEN UND ERMORDEN CHRISTUS, WEIL SIE HERAUSBEKOMMEN WOLLEN, OB ES SICH NICHT LETZTEN ENDES DOCH NOCH ERWEISEN LÄSST, DASS ER EIN ECHTER GOTTGESANDTER MESSIAS IST, DER SICH SELBST RETTEN KANN.

Als sie seine letzten Worte hören, geifern sie: „Schaut her, er ruft nach Elias, dem Propheten.“ Als heiliger, Gott gesandter Sohn Israels kann er nicht, darf er nicht scheitern. Christus kann und darf ihnen das nicht antun. In Bezug auf ihre Träume sind sie sehr „zart besaitet“, sehr „empfindlich“. Er darf sie jetzt nicht im Stich lassen. Auch in der letzten Minute seines Leidensweges muss Christus irgendetwas für sie tun, sie erregen, ihnen wieder etwas Hoffnung geben in ihrem Glauben, es gäbe Messiasse, Erlöser und heilige Männer, die darauf aus sind, für ihre Sünden zu sterben…

aus: Wilhelm Reich, „Christusmord“

JIm jüdischen Gebetbuch findet sich der Satz: „Er schickt am Ende der Tage unseren Gesalbten, zu erlösen, die auf das Endziel der Erlösung harren.“ Mein Gott, wer nicht alles sein Leben lang auf Godot harrt! Das sind ja beileibe nicht nur die Juden, irgendwie scheint die ganze menschliche Welt auf irgendetwas zu harren. Ich denke gerade an unsere Fisch- und Seeadler, Schwarzstörche und andere, deren Nachwuchs im Horst hockt und auf die Eltern harrt. Und wenn die dann endlich kommen, sperren sie die Schnäbel auf und lassen sich füttern. Genau dieses bei den Küken so sinnvolle Verhalten, kann man, wenn man will, unschwer auch bei den Juden unter dem Kreuz erkennen. Und nicht nur bei ihnen. Wann wird die zivilisierte Menschheit endlich erwachsen werden?

MAber die scheint gar nicht daran zu denken. Sie aalt sich lieber in ihren frühkindlichen Fixierungen, pflegt ihre Neurosen und spielt „Erwachsensein“. Und dann wundert sie sich, wenn statt irgendwelcher Elternfiguren, die sich für den Rest aller Zeiten ausbeuten lassen, die bösen Wölfe über sie herfallen und den Spieß umdrehen. Statt sich als Ausbeuter austoben zu dürfen, sind sie nun plötzlich selbst die Ausgebeuteten. Und nun stimmen sie dieselbe Anklage an wie Jesus am Kreuz: „Eli, Eli, lama asabthani?“ – „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

„Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ Zum Teufel mit dieser Vergeberei! Da gefällt mir Wilhelm Reich besser, der in seiner Rede an den kleinen Mann aus seinem Herzen keine Mördergrube gemacht hat und die ganzen Pfeifen mal wieder gründlich auf den Pott gesetzt hat. Genützt hat’s natürlich so wenig wie all den anderen Menschheitsrettern. Und nicht mal seine zur Selbstverteidigung auf seinem Grundstück hinter fast jedem Baum versteckten Gewehre konnten verhindern, dass er schließlich elendiglich in einem US-Gefängnis verrecken musste. Ich kann nur jeden, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, seine Mitmenschen zu retten, dringend davor warnen, sein edles Ziel weiter zu verfolgen. Erstens, weil er scheitern wird, und zweitens, weil die in ihren infantilen Hoffnungen enttäuschten Mitmenschen dazu neigen, denjenigen, die sie enttäuscht haben, übel mitzuspielen.

Blödes Spiel.

 

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10 Antworten zu Wilhelm Reich: Eli, Eli, lama asabthani?

  1. Georg Alois schreibt:

    Gott pfeift was drauf, gerecht zu sein…….
    Es ist nur dieser Scheiß Verstand, der das nicht einsehen will.
    Haben sie zufällig gestern im Ersten die Sendung „Beckmann“ gesehen, das Interview mit Varoufakis? Da jammert der griechische Finanzminister, dass doch bitte die Deutschen helfen sollten, in Griechenland eine gerechte Steuer durchzusetzen, damit die Reichen endlich mal ihre Steuern bezahlen. Was ist das für ein Spiel????? Das überschreitet alles meinen Verstand…………..

    Wenn ich mir erlauben darf: Ihr Beitrag ist wunderbar geschrieben!

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  2. fredo0 schreibt:

    „Eli, Eli, lama asabthani“ … rief der Zimmermann aus , in Angesicht des Todes … und viele legen ihm das aus , als sei er im letzten Moment noch eingeklnickt vor der Todesangst , und ruft den Herrn um Hilfe …
    Abgesehen davon , daß mir das sogar recht sympatisch erscheinen würde , hat der Nazarehner aber einfach nur den braven Juden gegeben in dieser bedrohlichen Situation .
    Diese pflegten und pflegen nämlich allesamt noch immer in solcher Situation den Anfang des 24. Psalms ( oder wars der 25. ? ) zu rezitieren , ähnlich wie wir das Vater Unser .
    und der lautet nunmal “ Eli, Eli, lama asabthani … „

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    • Nitya schreibt:

      Ich fände das auch sehr sympathisch, wohingegen ich das Ddeklamieren von Psalmen in dieser Situation ziemlich schräg fände.

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      • fredo0 schreibt:

        nun ja … der brave jude hat da so seine gewohnheiten … nee mal kein witz , es ist ja auch ein christlicher usus in den letzten momenten ein „vater unser“-gebet zu sprechen … die keller der deutschen städte dürften in den tagen der bomberangriffe geradezu erfüllt gewesen sein von diesen worten … dies ist ja sowohl tröstend , als auch irgendwie vorbereitend auf das unbekannte , bedrohende derartiges zu deklamieren … und so ein wenig trost und auch vorbereitung dürfte ja der zimmermann durchaus auch im sinn gehabt haben … und , wie gesagt , das gebet der juden , für derartig bedrohendes ist der 24. bzw. 25. psalm …
        und während die christen , wenn überhaupt , die psalmen alas sinnsprüche lesen , sind diese für die juden eine sammlung von ritualisierten gebeten zu den verschiedensten anlässen eines lebens …

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  3. chantaltalia schreibt:

    für Nitya him self
    gefunden im Buch: „Offene Weite“ von Daniel Odier, Seite 33
    Er (der Bodhisattva) beschreitet den Weg der Welt der Form und der formlosen Welt, aber er hält diese nicht für erhaben. Er simuliert Begehrlichkeit, aber nichts ist ihm ferner als der Makel des Anhaftens. Er gibt sich wütend, aber seine Wut ist nie gegen ein Wesen gerichtet. Er tut unwissend und hat doch seinen Geist voller Weisheit und Kenntnise unter Kontrolle. …..

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  4. Eno Silla schreibt:

    diese unendliche
    unfassbare weite
    bewußtSEIN
    alles bezeugend
    alles seiend
    läßt mich
    diese einzigartige
    körpergeist erfahrung
    die absurditäten der
    flüchtigen
    dahinschwindenden
    traumartig erscheinenden
    welt
    mehr und mehr
    so wie es ist
    ertragen
    genießen
    erleiden
    erfreuend sein

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