Karlheinz Deschner: Je größer der Dachschaden, …


D

Je größer der Dachschaden, umso schöner der Aufblick zum Himmel.

Karlheinz Deschner, Religions- und Kirchenkritiker

Seit Jahrhunderten sind die Unberührbaren nicht in den Tempel gegangen – das ist hässlich. Dann kam Mahatma Gandhi – er bemühte sich hart, er kämpfte hart – er wollte, dass die Unberührbaren in den Tempel gelassen würden. Sein ganzes Leben war ein Kampf dafür. Das ist revolutionär, aber nicht rebellisch. Warum revolutionär? Was ist dann Rebellion?

Jemand befragte J. Krishnamurti über Gandhis Kampf, die Unberührbaren in den Tempeln zu erlauben. Und was sagte J. Krishnamurti, weißt du es? Er sagte: „Aber Gott ist nicht in den Tempeln.“ Das ist Rebellion.

Gandhis Vorhaben ist revolutionär, aber er glaubt auch, dass Gott in den Tempeln ist – genauso wie die Brahmanen. Die Struktur ist dieselbe. Er glaubt, dass es sehr wichtig für die Leute ist, in die Tempel zu gehen; wenn sie nicht in die Tempel gehen, verfehlen sie Gott. Das ist die Vorstellung des Brahmanen, das ist die Vorstellung der Gesellschaft, die die Unberührbaren daran gehindert haben, hineinzugehen. Die Vorstellung ist dieselbe – dass Gott in den Tempeln lebt, und jene die in die Tempel dürfen, kommen näher zu Gott, und jene, denen es nicht erlaubt wird, werden ihn verfehlen. Gandhi ist revolutionär, aber Revolution glaubt an dieselben Strukturen. Es ist eine Reaktion.

J. Krishnamurti ist rebellisch. Er sagt: „Aber Gott ist nicht in den Tempeln, warum sich also damit herumplagen? Weder die Brahmanen erlangen es dort, noch die Unberührbaren werden es erlangen. Warum sich darum kümmern? Es ist dumm.“

aus Osho, „Was ist Sannyas?

KJiddu Krishnamurti nennt es dumm, Deschner spricht vom Dachschaden – wie soll ich es nennen, wenn männlichen Neugeborenen die Vorhaut abgesäbelt wird, um den Bund mit Gott zu erneuern, und wenn der Bundestag das als Freiheit der Religionsausübung und nicht als schwerwiegende Körperverletzung und Kindesmissbrauch wertet? Wenn ein Atheist das machen würde, würde er entweder in die Klapsmühle oder hinter Gittern kommen. Trennung von Kirche und Staat? Dass ich nicht lache. Bin ich jetzt ein Antisemit? Da kann ich nur schon wieder lachen. Bin ich jetzt ein Atheist? Ich komm aus dem Lachen gar nicht mehr raus.

GJiddhu Krishnamurti: „Aber Gott ist nicht in den Tempeln.“ Osho nennt das Rebellion. Jetzt müsste ich erst mal versuchen herauszufinden, was Krishnamurti eigentlich unter „Gott“ versteht. Ich vermute, nicht das, was „die Leute“ darunter verstehen, gehe aber mal trotzdem davon aus, dass Krishnamurti unter „Gott“ halt wie „die Leute“ Gott versteht, den Typen mit dem langen weißen Bart. Der geistert also nicht nur im Tempel herum, sondern auch auf freier Wildbahn. Dann wäre es natürlich noch rebellischer, wenn Nietzsche sagt, dass Gott tot ist, und total rebellisch wenn gesagt würde, dass es ihn nie gegeben hat, und dass jeder, der das Gegenteil behaupten würde, einen Dachschaden hätte. Und vor diesem Hintergrund würde man sich dann noch einmal die Entscheidung des Bundestags in Erinnerung rufen, dass es zur Religionsfreiheit gehöre, wenn man männlichen Säuglingen die Vorhaut abschneidet, um den Bund mit Gott zu erneuern, dass man also ungestraft das StGB ignorieren darf, wenn dies irgendeine Religion so fordert. Und solche Leute soll man dann auch noch ernst nehmen? Hmm, ich frage mich gerade, wie weit solche Forderungen wohl ausgedehnt werden dürfen. „Tot den Ungläubigen!“ wäre hier ein feines Beispiel. Erlaubt das StGB auch nicht. Und dabei war das durchaus einmal eine christliche Tugend.

Die Religionen würden ja gerne daraus wieder einen Religionskrieg basteln, dabei geht es doch einfach um das, was ist. Da ich Gott sei Dank kein Prophet bin, ist mir der Herr mit dem langen Bart noch nie begegnet. Ich habe auch noch nie irgendwelche komischen Stimmen gehört noch irgendwelche himmlischen Aufträge bekommen. Und da ich ganz bei Buddha bin, wenn er sagt, dass wir ihm kein Wort glauben sollen, sondern uns selbst ein Licht sein sollen, glaube ich diesen ganzen Schwachsinn nicht, sondern bin einfach mit dem, was sich mir offenbart: Im Winter friere ich und im Sommer schwitze ich. Mehr ist da nicht. In Klammern – na ja, bis auf diese Kleinigkeit:

 

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Karlheinz Deschner: Je größer der Dachschaden, …

    • Georg Alois schreibt:

      und ein Jeder, Jeder, Jeder kann es sehen, hören, verstehen.
      Das ist für mich eines der größten Wunder……..
      unfassbar……. „kein“ Mensch hat Interesse.
      Ich sehe es mittlerweile so, dass es mich zur Sprachlosigkeit bringt, bzw. treibt. Dem Verstand wird der Boden unter den Füßen weggezogen, der Kreis des Lebens schließt sich….. Stille

      Gefällt mir

  1. Prem-Punito49 schreibt:

    Ach- Gottchen , ach Gottchen .. und das auf`n Kirchgang – Sonntag :_)

    Es hat ein Gott
    Es hat ein Gott mich ausgekotzt,
    Nun lieg ich da, ein Haufen Dreck,
    Und komm und komme nicht vom Fleck.

    Doch hat er es noch gut gemeint,
    Er warf mich auf ein Wiesenland,
    Mit Blumen selig bunt bespannt.

    Ich bin ja noch so tatenjung.
    Ihr Blumen sagt, ach, liebt ihr mich?
    Gedeiht ihr nicht so reich durch mich?
    Ich bin der Dung! Ich bin der Dung!
    Klabund

    L.G. PUNITO

    Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s