Chuang-tzu: ohne mich anzustrengen, passe ich mich an


W
Ein alter Mann stürzt in einen Wasserfall und taucht stromabwärts unversehrt wieder auf. Seine Erklärung hierfür ist bei Chuang-tzu zu finden:

Nein, … ich habe nichts dazu getan. Zuerst war mein natürlicher Zustand; dann wurde die Gewohnheit zur Natur; letztlich fügte ich mich dem Schicksal. Wenn ich den Wirbel hineinstürze, bringt mich der Strudel wieder nach oben. Ich passe mich dem Wasser an, nicht das Wasser mir. Und so kann ich mit ihm umgehen. …Ich bin auf trockenem Land geboren … und passte mich dem trockenen Land an. Das war mein ursprünglicher Zustand. Am Wasser wuchs ich auf, und so passte ich mich dem Wasser an. Das meine ich mit Natur. Das tun, was ich tue, ohne mich bewusst anzustrengen, das meine ich mit Schicksal.

aus: Herbert A. Giles, „Chuang-tzu“


SVictor Schauberger, wer noch nie von ihm gehört hat, dem empfehle ich, sich mal in dem Video ein wenig über seine Arbeit zu informieren. Schauberger war Förster und fast sein Leben lang damit beschäftigt, dem Wasser seine Geheimnisse und Gesetzmäßigkeiten zu entlocken. Seine Arbeit bestand darin, nicht gegen das Wasser zu arbeiten, sondern sich an die Gesetzmäßigkeiten fließenden Wassers anzupassen und sich gleichzeitig diese Gesetzmäßigkeiten zunutze zu machen.

Wenn das Ego etwas auf den Tod nicht abkann, dann ist es, sich anzupassen. Sinnbild dieser Egomanie könnte der sprichwörtliche Brite mit Schirm, Melone und der Times in der Wüste sein. Hier allerdings eher untypisch in dynamischer Bewegung. Anpassen? Niemals!
BIn der Natur gilt jedoch das eherne Gesetz: Wer sich nicht anpassen kann, schaufelt sich sein eigenes Grab.

Der alte Mann in der Geschichte von Chuang-tzu konnte mit dem Wasser umgehen wie Victor Schauberger. Seine scheinbare Passivität im wirbelnden Wasser entsprang nicht einer dumpfen Resignation, sondern seiner natürlichen Einsicht in die Nutzlosigkeit, gegen das Wasser zu kämpfen. So viele Menschen sind schon ertrunken, weil sie gegen das Wasser oben an der Trichteröffnung eines Strudels, wo die Kraft des Wirbels am größten ist, bis zur Erschöpfung angekämpft haben, anstatt sich dem Wasser anzuvertrauen und sich hinunterziehen zu lassen.
w„Ich passe mich dem Wasser an, nicht das Wasser mir. Und so kann ich mit ihm umgehen.“ lässt Chuang-tzu den alten Mann sagen und: „Das tun, was ich tue, ohne mich bewusst anzustrengen, das meine ich mit Schicksal.“ Dieses letzte Wort ist von einiger Bedeutung für mich, zeigt es doch das tiefe Einverständnis mit dem, was auch immer geschehen mag. Der alte Mann sieht die Unmöglichkeit, sich selbst aus den Strudeln zu befreien und vertraut sich ganz dem Wasser an, dessen Gesetzmäßigkeiten er sehr wohl kennt. Der Rest ist Vertrauen. Ein Vertrauen, das auch die Möglichkeit des eigenen Todes nicht ausschließt

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11 Antworten zu Chuang-tzu: ohne mich anzustrengen, passe ich mich an

  1. Nitya schreibt:

    Guten Morgen!

    P

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  2. chantaltalia schreibt:

    Lieber Nitya
    Grüsse an den „grossen Bären“ in dir.
    “Ich passe mich dem Wasser an, nicht das Wasser mir. Und so kann ich mit ihm umgehen.”

    Ich setzte mal in diesem Satz für das Wort Wasser, die Depression ein. Das fühlt sich für mich ganz stimmig an. Ich muss nicht gegen die Depression ankämpfen. Ich kann mich, wie der alte Mann darin hinein fallen lassen, bis es mich wieder von selbst herausgewirbelt.
    Habe ja hier oft eine Schreibhemmung. Etwas davon hat sich wieder herausgewirbelt, wie du nun lesen kannst. 🙂
    Chantal

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  3. Eno schreibt:

    „Man muss nie verzweifeln, wenn einem etwas verloren geht, ein Mensch oder eine Freude oder ein Glück; es kommt alles noch herrlicher wieder. Was abfallen muss, fällt ab; was zu uns gehört, bleibt bei uns, denn es geht alles nach Gesetzen vor sich, die größer als unsere Einsicht sind und mit denen wir nur scheinbar im Widerspruch stehen. Man muss in sich selber leben und an das ganze Leben denken, an alle seine Millionen Möglichkeiten, Weiten und Zukünfte, denen gegenüber es nichts Vergangenes und Verlorenes gibt.“
    R. M. Rilke – Lektüre für Minuten (237)

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  4. Schüler schreibt:

    Was bedeutet denn *Anassen* genau ? Hat sich im 3.Reich nicht auch die grosse Mehrheit *angepasst* ? Es ist einfach, en kleines Gleichiss zu beschreiben ….. was bedeutet es aber konkret in all den Wirrnissen, im Angesicht von Krieg, Ausbeutung, Gewalt usw …. Lieber Nitya, hättest du dich auch „Angepasst“, wenn dein Vorgesetzter dir gesagt hätte, das du als Vergeltung „Partisanen“ (darunter Frauen und Kinde) zu erschiessen hättest ? Ich weis, ein krasser Vergleich, aber ich bin sicher, das du meinen unerwachten Geist erhellen kannst😉

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    • Nitya schreibt:

      Lieber Schüler,

      deinen „unerwachten Geist“ kannst du natürlich nur selbst erhellen. Deine Frage, wie ich mich im 3. Reich in dem von dir beschriebenen Fall verhalten hätte, kann ich dir beim besten Willen nicht beantworten. Solche Fragen wurden mir schon vor über 50 Jahren bei meiner Kriegsdienstverweigerung gestellt und ich habe mich auch damals geweigert, sie zu beantworten. Was ich dir heute sagen kann, ist, dass ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, dass ich ggf. die von dir angeführten sog. Partisanen erschießen wollte/könnte/würde. Aber natürlich ist diese Antwort so hypothetisch wie deine Frage.

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  5. Schüler schreibt:

    Verehrter Nitya, natürlich ist meine Frage hypotetisch😉 Genau so wie das „Treiben-Lassen“ ….
    Trotzdem vielen Dank für deine Antwort😉

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