Peter Singer: Ein Embryo hat kein Recht auf Leben.


S

Empfindet sich jemand als Belastung für seine Familie,
ist es nicht unbedingt unvernünftig, dass er sein Leben beendet.

 Dieses Statement sowie mein heutiges Thema stammen aus einem Interview, das Peter Singer der Neuen Züricher Zeitung am 18. Mai 2015 gegeben hat und wofür er mal wieder eine Menge Prügel bekommen hat. U.a. hat Michael Schmidt-Salomon die Laudatio, die er anlässlich der Verleihung des Preises für die Verminderung von Tierleid für Peter Singer halten wollte, abgesagt.

Der zentrale Punkt in dieser Auseinandersetzung ist für mich der Begriff „Recht“. Dieser Begriff hat sich mir schon als Kind aufgedrängt, etwa wenn mein Juristen-Vater immer wieder sagte: „Recht haben und Recht bekommen sind zweierlei.“ Wenn ich beispielsweise über einen nach meinem Gefühl ungerechterweise erhaltenen Verweis in der Schule herummeckerte, bekam ich von meinem Vater diesen Satz mit großer Sicherheit zu hören. Ein anderer Satz, den mir mein Vater mit auf den Weg gab, war: Ein Rechtsbruch ist nur dann schlimm, wenn man sich dabei erwischen lässt.“

Der Schluss, den ich damals daraus zog, war: Es gibt gar kein Recht, denn was nützt mir ein Recht, auf das ich mich nicht jederzeit berufen und das ich nicht jederzeit in Anspruch nehmen kann? Was bleibt denn dann unterm Strich für mich? Das Recht des Stärkeren. Und so ging ich schon sehr früh davon aus, dass dieses ganze Getue um Recht und Rechte nur eine Fals Flag-Aktion ist. Es wird gesagt: „Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand.“ Damit wird auch darauf hingewiesen, was unser sog. Recht tatsächlich wert ist. Was aber noch nicht damit gesagt wird, ist, dass man nicht nur vor Gericht und auf hoher See in Gottes Hand ist. Unsere Lebensgrundbedingung ist Rechtlosigkeit und eben kein Anspruch auf Recht. Insofern greift mir auch die Einschränkung, die Singer mit der Aussage „Ein Embryo hat kein Recht auf Leben.“ macht, zu kurz. Ich würde also sagen: Niemand hat ein Recht auf Leben. Hätten wir gern, haben wir aber nicht. Insofern kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen, warum sich der Philosoph Michael Schmidt-Salomon in dieser Sache so aufmandelt. „Si tacuisses, …“

REs gibt kein Recht und es gibt keine Sicherheit. Wer das behauptet, ist völlig lebensfremd. Oder er segelt unter falscher Flagge, indem er wie unsere Geheimdienste Sicherheit verspricht, indem er permanent unsere angeblich vom Grundgesetz garantierten Rechte und damit unsere Sicherheit beschneidet. Da kann man sich wie unser Herr Innenminister noch so demonstrativ die Federn des Rechts und der Sicherheit an den Hut stecken, Recht und Sicherheit bleiben Fiktionen. Wer an sie glaubt, ist hoffnungslos verloren. Wer für sie kämpft, treibt nur ein Windrädchen an, das sich immer im Kreis dreht.

W

Danke, lieber Eno, für den Video-Tipp!

Die alten Daoisten haben es schon immer gewusst.

Höchste Sittsamkeit tut;
Und wenn ihr niemand erwidert,
Zwingt sie die andern mit aufgekrempelten Ärmeln.

Wahrlich:

Wer den Weg verliert,
Ist nachher tugendhaft.
Wer die Tugend verliert,
Ist nachher gerecht.
Wer die Rechtlichkeit verliert,
Ist nachher sittsam.

Wohl!

Die Sittsamkeit
Ist eine Verkümmerung
von Lauterkeit und Treue;
Des Haders Anfang ist sie.

Vor-Kenntnis
Ist eine prangende Blüte des Weges,
Aber der Torheit Beginn.

aus: Laozi, „Daodejing, 38“

 

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3 Antworten zu Peter Singer: Ein Embryo hat kein Recht auf Leben.

  1. Prem-Punito49 schreibt:

    Noch nen Interview : http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/gespraech-mit-peter-singer-nicht-alles-leben-ist-heilig-a-169604.html
    Und dazu noch ein paar Bemerkungen : http://sammelpunkt.philo.at:8080/297/1/Singer.pdf
    so , lieber Nitya – Deine These :Unsere Lebensgrundbedingung ist Rechtlosigkeit und eben kein Anspruch auf Recht. .. bringt es mal wieder auf`n Punkt –
    Punkt !
    PUNITO

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    • Nitya schreibt:

      Lieber Punito,

      ich vermute, Bodhidharma hat mit seinem berühmten Satz „Offene Weite, nichts von heilig“ nichts anderes gemeint. Er meinte allerdings „nichts“ und nicht wie Singer „nicht alles“.

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