Kunscht mir mal 2 Mark leihen?


Oder die Frage:
Was soll das bloß wieder sein – Kunscht?

P
Die Antwort in Form der Frage „Kunscht mir mal 2 Mark leihen?“ kam auf die Frage: Was ist Kunst? Das ist mir irgendwie noch aus meiner Augsburger Zeit in Erinnerung geblieben. Die Augsburger Schwaben sagen nun mal wie der Rest der Schwaben zu „kannst“ – „kunscht“. Da klingt dann gleich die kühne Behauptung mit, dass Kunst von Können käme.

Mit der Kunst ist es ja ähnlich wie mit der Religion. Da lässt der Goethe die Magarete zu Faust sagen: „Nun sag, wie hast du’s mit der Religion? Du bist ein herzlich guter Mann, allein ich glaub, du hältst nicht viel davon.“ Und meint damit natürlich mit Religion den römisch-katholischen Glauben. Und Faust windet sich in Krämpfen, um diesem eisernen Zugriff zu entkommen. Frag beispielsweise einen Evangelikalen und er wird dir genau sagen, was wahre Religion ist. Frag einen der ollen Ch’an-Meister, was Ch’an sei und er wird dir vielleicht einen Stockschlag verpassen, der sich gewaschen hat, oder einfach gelangweilt die Klappe halten.

Ich habe nicht die leiseste Ahnung, was Kunst ist. Eine Affenschande für jemanden, der im vergangenen Leben mal Kunsterzieher war. Ist Michelangelos David da oben nun Kunscht oder ist es Marcel Duchamps umgekipptes Urinal?

Blöde Frage, würde ich sagen. Um es auf den Punkt zu bringen, warum ich das für eine blöde Frage halte, nochmal – sorry – ganz kurz die Geschichte von meiner ollen Autodecke. Ich hockte, psychisch mal wieder im tiefsten Keller, in meinem bis auf eine Matratze unmöblierten Appartement auf eben dieser Matratze und hatte besagte Autodecke als Sichtschutz über eine quer durch den Raum gespannte Schnur gehängt. Die Autodecke war, wie gesagt, wirklich oll, eigentlich eher ein Lumpen als eine Decke, ausgefranst und löcherig. Sehr dienlich, wenn ich mein Auto reparierte, aber bestimmt alles andere als das, was man so landläufig „schön“ nennen konnte. Die Welt um mich herum war trist und grau und die Decke hing da wie ein Sinnbild der Sinnlosigkeit meines Daseins vor meinen Augen herum. Und dann passierte ES. Völlig unverhofft erstrahlte die alte Decke in einer Schönheit, in einem Glanz, in einem Leuchten, dass es mich glatt hingehauen hätte, wenn ich nicht schon gesessen wäre. Diese Verklärung hielt viele Stunden an und schloss nach und nach alles ein, was ich anschaute. Irgendwann verblasste alles auch wieder, aber die alte Autodecke war nie wieder die Autodecke vergangener Tage.

Vor dieser Geschichte hätte ich auch zu denen gehört, die irgendeine schlaue Antwort auf die Frage, was denn Kunst sei, auf Lager gehabt hätten. Danach war da keine Antwort mehr zu finden. Höchstens so etwas wie: Es gibt keine Kunst. Genauso wenig wie es Religion gibt. Kann sein, dass der Mensch in einem kreativen Prozess so etwas wie “ das Fließen von Kunst“ in sich erspürt, kann sein, dass der Mensch in der Betrachtung des Ergebnisses eines kreativen Prozesses so etwas wie „das Fließen von Kunst“ in sich erspürt, kann sein, dass der Mensch in der Betrachtung des Seins an sich so etwas wie „ein religiöses Fließen“ in sich erspürt, aber das hat alles herzlich wenig mit der sog. Kunstszene oder dem Kunstmarkt und den offiziellen Kirchen zu tun.

TKunst lässt sich so wenig objektivieren wie Religion. Und bisweilen wünschte ich mir wieder einen Jesus, der diese ganzen Koofmichels und Egomanen mit der Geißel sonstwohin treibt. „Steht nicht geschrieben (Jesaja 56,7): ‚Mein Haus soll ein Bethaus heißen für alle Völker‘? Ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht. (Markus, 11, 15 -17)“ – „Mein Haus“ das ist der ortlose Ort, der weglose Weg, die kunstlose Kunst, … Die „Räuberhöhle“, das ist der Ort des Objektivierens dessen, was sich nicht objektivieren lässt.

 

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10 Antworten zu Kunscht mir mal 2 Mark leihen?

  1. chantaltalia schreibt:

    Habe ja auch ein Leben mit der Kunst verbracht.
    Für mich liegt die Kunst im Auge des Betrachters. Für einen Vogel kann eine Skulptur der perfekte Nistplatz sein. Für die IS ist das alte Weltkulturerbe Teufelswerk. Für einen Superreichen wird Kunst zu einer Geldanlage. Wy not?
    Für mich ist die Begegnung mit Menschen, wenn dabei etwas zum Schwingen kommt, eine neue Form der Kunst. Das Gegenteil von „Nature Morte“, die man nicht berühren darf, wenn sie im Museum hängt.
    Kunst ist nicht zu fassen, weil sie lebt. Kunst ist Leben. Leben ist Kunst.

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  2. Prem-Punito49 schreibt:

    Kunst ist – ach egal , wasdem eenen sin Uhl …
    Liebe Grüße
    PUNITO

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  3. Nzuki schreibt:

    Test

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  4. Ingeborg schreibt:


    Und es gibt ihn doch.

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  5. Nitya schreibt:

    Ich habe ihn heute auch gesehen

    Baer

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