Al Huang: fassen wollen, was nur von selbst kommen kann


AH
Ich spürte immer Alans Spannungen und seine fortwährende Anstrengung, die schwere Last seines Intellekts hinter sich zu lassen. Alans Reise in seinen eigenen Osten war nicht leicht gewesen, denn er gehörte zu den Menschen, die sich mit ihren eigenen Worten Fallen stellen und dann zusehen müssen , wie sie wieder herauskommen. Auf der letzten Seite seiner Autobiographie In My Own Way (Auf meine Weise) schrieb er: „Ich habe mir jahrelang Mühe gegeben als Philosoph, aber Worte entstellen nur: Es wird nur schwarz-weiß ohne Farbe …Wenn du (das Leben) festnageln willst, kommt ein banaler, formeller Nihilismus heraus, der das Weltall sieht als ‚ein Märchen … erzählt von einem Blöden voller Klang und Wut, das nichts bedeutet.‘ Aber dieses Gefühl, dass alles ‚im Munde zu Asche wird‘, ist die Folge davon, dass man etwas fassen wollte, was nur von selbst kommen kann.“ – Stand er an der Schwelle, wo er dieses „Fassen“ aufgeben konnte, und war dieses „Etwas“ selbst zu ihm gekommen?

Al Chung-liang Huang in „Alan Watts, Der Lauf des Wassers“

AW

Alan Watts hat ganz wundervolle Worte für das gefunden, was allgemein das Tao genannt wird. Und doch peinigte ihn das Gefühl, dass alles ‚im Munde zu Asche wird‘. Und er erkannte, dass dies die Folge davon sei, dass er etwas fassen wollte, was nur von selbst kommen kann. Da hatte es Al Chung-liang Huang wohl ungleich leichter als Alan Watts, der meist eine gehörige Portion Alkohol brauchte, um sich entspannen und öffnen zu können für das, was ist. Zuletzt fürchtete er sich wohl selbst vor dem eigenen Wort, davor, dass er alles so deutlich ausspreche: „Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus, und hier ist Beginn und das Ende ist dort.“ Wie es Rilke auf den Punkt gebracht hat.

Al Huang scheint ES einfach zu leben oder lässt sich einfach von ihm leben. Was sich bei Alan Watts durch Worte ausdrückt, drückt sich bei Al Huang durch Körper in Bewegung aus. Jeder kann, wenn er Lust hat, nachspüren, was ihn tiefer berührt. Aber bevor sich jetzt jemand genötigt sieht, die beiden zu bewerten, nichts ist besser oder schlechter als das andere. In beiden Fällen ist es dieses Unnennbare, was sich in jedem Augenblick durch die beiden und den Rest aller Manifestationen ausdrückt.

 

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu Al Huang: fassen wollen, was nur von selbst kommen kann

  1. fredo0 schreibt:

    das seltsame ist ja … ist die suche beendet …
    erweist sich selbst die asche im mund als durchaus geniessbar …
    dieses feine röstaroma ….. hmmm
    und dieser kurze schlenker des knies von al huang …
    ach …… wie vortrefflich … geschlenkert …
    ( nur gut , dass ich heut morgen nicht schlenkern muss )

    Gefällt mir

  2. Savitri schreibt:

    Allein zu spüren, d a s s da etwas ist, das jemand – auf seine eigene Art – auszudrücken versucht… das ist schon berührend.

    Gefällt mir

  3. fredo0 schreibt:

    einfach so … mein pfingstgeschenk an alle hier … ( war da nicht was mit dem „heiligen geist“ ? )

    für mich ein gar feines interview … und besonders die richtigstellung des begriffes „atma vichara“ , der mit der falschübersetzung „self-inquiery“ erst zur „methode“ des ramana wurde … gar vortrefflich … mit worten „geschlenkert“ herr spira …

    Gefällt mir

  4. Baboji schreibt:

    Ah-ha…die beste Ansprache die ich heute gehört habe🙂 Klasse!

    Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s