Kodo Sawaki: Sei einfach du selbst


K

Du willst zum Buddha werden?
Was für eine unnütze Anstrengung.
Sei einfach du selbst in jedem Augenblick.
Was glaubst du erreichen zu können,
wenn du diesen Ort aufgibst?

aus: Kodo Sawaki, „An dich, der du alles daran setzt, Satori zu bekommen“

Was glaubst du zu erreichen, wenn du diesen Ort aufgibst? Zazen – einfach Sitzen bedeutet, diesen Ort, den du gar nicht aufgeben kannst, nicht aufzugeben. Aufgegeben werden kann er sowieso immer nur in der Vorstellung. Der Martin Luther in den Mund gelegte Ausspruch „Hier stehe ich und kann nicht anders! Gott helfe mir, Amen!“ könnte im Grunde von jedermann für sich in Anspruch genommen werden.

Aber Nein, jedermann will „Buddha“ werden – oder sonst irgendwas. Ich weiß noch, wie ich das erste Mal beim Zahnarzt war und von diesem gefragt wurde: „Was willst du denn mal werden?“ Hätte ich gesagt „Lokomotivführer“ oder „Admiral“ wäre er bestimmt vollkommen zufrieden gewesen. Als ich „Keine Ahnung.“ sagte, musste ich erst mal eine längere Belehrung über mich ergehen lassen, bevor der Zahnarzt weiter seiner inneren Berufung nachgehen konnte. Schließlich man muss doch was werden! Einfach sein ist einfach nicht genug.
sitzWas ich immer verwunderlich fand, war, dass es Einführungsseminare gab, in denen man Zazen beigebracht bekam. Wie man sitzt, wie man atmet, wie man sich kleidet, wie man sich ernährt, wie man Gedankenfreiheit erreicht usw. usw. … Ihr merkt, bei mir rumort es schon wieder. Ich soll wieder etwas werden: Ein vollkommener Zazen-Arschplattsitzer. Im Moment tippe ich irgendeinen Gedankenkram in meinen Laptop. Und dabei sitze ich völlig verdreht in meinem gemütlichen Korbstuhl. Eigentlich liege ich mehr, als dass ich sitze. Und mein Atem macht einfach, was er will. Er pfeift sogar ein bisschen. Vielleicht schon auf dem letzten Loch? Unser Punito fällt mir ein. Ewig nix mehr von ihm gehört. Er wird doch nicht etwa – also mit seiner neuen Leber darf er das doch gar nicht! Punito, altes Haus, lebst du noch oder wohnst du schon bei Ikea und atmest immer noch ein und aus?

Im Moment. Reicht das nicht? Jede Anstrengung, nicht im jeweiligen Moment zu sein, ist unnütze Anstrengung. Einfach weil’s nicht möglich ist. „Was glaubst du erreichen zu können, wenn du diesen Ort aufgibst?“ fragt Kodo Sawaki. Was immer es ist, das sind nix als Flausen im Kopf.huhuhihii

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2 Antworten zu Kodo Sawaki: Sei einfach du selbst

  1. Georg Alois schreibt:

    „Affentittenobergeil“ geschrieben, dieses „Zazen-Arschplattsitzen“.
    Aber jetzt muss ich doch mal wieder meinen Senf abgeben, zum Thema: “wie soll ich sein“
    Von Astrologie wollte ich nie was wissen. Irgendwann kam zu uns in die Ferienanlage ein Astrologe. Meine Reaktion natürlich: „lächerlich!“ Bin ihm halt aus dem Wege gegangen. Doch im Laufe der Tage musste ich zugeben, dass der Kerl unheimlich sympathisch war. Da dachte ich mir halt, was soll’s, machste dir mal einen Spaß und sprichst mit ihm.
    Dieser Bernd ist jemand, der keine Geburtsdaten oder sonst was braucht. Der sagte mir „auf den Kopf zu“, wie ich ticke. Tang, tang, tang…… du bist doch so, oder?
    Da war ich natürlich platt. Er hatte komplett meinen Charakter offen gelegt.
    „Für dich kann man kein Horoskop machen“, war sein abschließender Satz, „du bist ein Sucher, kannst dich an nichts binden und im nächsten Augenblick behauptest du das Gegenteil, von dem eben gesagten. Ich kann dir über deine Zukunft gar nichts sagen. Du kannst dich nur so annehmen wie du bist.“
    Will ich ein Buddha werden oder irgendwas erreichen, wenn ich ständig diesen Ort aufgebe???
    Ich habe gar keine andere Chance, als ständig „meinen Ort“ aufzugeben!!!
    Also, selbst dieser gut gemeinte Rat vom Kodo Sawaki trifft nicht zu.
    Heimatlos……… und auch davon das Gegenteil.

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    • Nitya schreibt:

      „Will ich ein Buddha werden oder irgendwas erreichen, wenn ich ständig diesen Ort aufgebe???“

      Ich frage mich gerade, welcher Ort da aufgegeben wird? Wenn ich den Kodo Sawaki richtig verstehen, spricht er von dem berühmten ortlosen Ort. Kann man den überhaupt aufgeben. Klar kann man auch den aufgeben, wenn man sich wieder an das klammert, was ein normaler Mensch als Ort bezeichnet. Portugal zum Beispiel wäre so ein Ort oder eine Gegend. Ansonsten – im Grunde gibt es snur den ortlosen Ort und der kann natürlich auch in Portugal sein.

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