Linji: Ihr selbst schafft euch die Hürden

LinjiTugendhafte Mönche, benutzt euern Geist nicht auf falsche Weise. Die gewaltige See behält tote Körper nicht zurück. Aber ihr eilt nur, sie auf Schultern tragend, durch die Welt. Ihr selbst schafft euch die Hürden, die euern Geist behindern. Wenn die Sonne oben keine Wolken hat, dann leuchtet der helle Himmel überall. Wenn das Auge keinen grauen Star hat, dann gibt es keine [imaginären] Blumen in den Lüften.

Jünger des WEGES, wenn ihr Dharma sein wollt, dann zweifelt nicht. Ausgebreitet füllt es das ganze Dharmadhatu; eingesammelt kann das kleinste Haar nicht darauf stehen. Deutlich und strahlend leuchtet es für sich; es hat nie etwas entbehrt. Kein Auge kann es sehen, kein Ohr kann es hören – welchen Namen kann man ihm dann geben? Ein Mann [Nan-yüch Huai-jang] in alter Zeit sagte: „Über etwas sprechen heißt, das Ziel verfehlen.“

Sei einfach selbst – was ist da?

Ich kann ewig so weiterreden. Jeder von euch muss für sich streben. Passt auf euch auf.

aus dem Linji-Lu 1„Ihr selbst schafft euch die Hürden, die euern Geist behindern.“ Allein so ein Satz genügt, um bei manchen Menschen einen Zustand tiefster Verzweiflung, ja geradezu von Raserei herzustellen. Ja, wie denn nun? Da sagt doch dieser Buddha, dass es kein Selbst gibt, und dann kommt dieser Kerl, dieser Linji daher und behauptet, ich sei selbst schuld an meinem Elend. Das ist doch der blanke Wahnsinn! Wollen die einen noch völlig verrückt machen? „Jeder von euch muss streben“, sagte er und „wir sollen auf uns aufpassen“. Jetzt tut er auch noch ganz führsorglich. „Passt auf euch auf!“ Wie soll ein Nicht-Selbst auf ein imaginäres Selbst aufpassen. Der spinnt doch wohl oder wie? Aber das macht ja nicht nur dieser Linji allein. Schaut euch mal im Netz irgendwelche buddhistischen Zentren daraufhin an, was man da alles lernen und tun muss. Die haben sogar Stundenpläne wie in der Schule, Aufbaukurse und so’n Zeug. Man lernt da, wie man zu innerem Frieden und Mitgefühl kommt. Ich muss gerade an das buddhistische Myanmar denken, das seine muslimische Minderheit so beschissen behandelt, dass diese lieber das Land verlässt und nun als Bootsflüchtlinge auf dem offenen Meer treiben, weil sie nirgendwo an Land gelassen werden. Buddhismus! (Keine Sorge, die Christen oder welche religiöse Gruppierung auch immer, sind keinen Deut besser.)

Nan-yüch Huai-jang sagte: „Über etwas sprechen heißt, das Ziel verfehlen.“

Ich glaube an Gott den Vater, den Allmächtigen, Schöpfer Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist vom Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel, sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten. ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches4 und ein ewiges Leben. Amen

Nan-yüch Huai-jang: „Über etwas sprechen heißt, das Ziel verfehlen.“ Es ist in allen Religionen dasselbe. Es geht immer um Machterhalt. Dieses „Glaubensbekenntnis“, das ich in jungen Jahren auswendig lernen musste, ist nichts anderes als ein Treueschwur, den man seinem Dienstherrn zu leisten hatte. Manche glauben sogar das Zeug, das sie da herunter murmeln und das nichts als Unterwerfung bedeutet. Linji: „Passt auf euch auf!“ Und er zitiert diesen Nan-yüch Huai-jang. „Über etwas sprechen“ könnte noch erweitert werden: „Etwas in Worte fassen heißt, das Ziel verlieren.“ Und was ist das Ziel? Buddhas Nicht-Selbst. „Wenn ihr Dharma sein wollt, dann zweifelt nicht.“ Vor diesem allgegenwärtigen Hintergrund kann ein Satz wie „Ihr selbst schafft euch die Hürden, die euern Geist behindern.“ nicht irritieren. Der scheinbare Widerspruch hat sich aufgelöst und es ist Ruhe im Karton. Halle-lu-u-u-u-ja!

 

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9 Antworten zu Linji: Ihr selbst schafft euch die Hürden

  1. fredo0 schreibt:

    „““Wollen die einen noch völlig verrückt machen ?“““

    ja

    genau das ist der (geheime) sinn jeder unterweisung , nicht neues lehren , sondern das was da ist , ver-rücken oder besser noch zu dessen kollabieren beitragen …

    aber … pssst … das muss ja nicht erzählt werden , ist ja wie ein veratener zaubertrick ..
    wobei … egal … es wird ja doch an den gewinn geglaubt , der durch lehren entstünde .

    dumm nur , wenn dies auch der lehrer glaubt

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    • Nitya schreibt:

      Ich hoffe, lieber Fredo, dass du nach dieser Unterweisung nicht an einen Gewinn deiner Unterweisung glaubst. Verrückt machen konnte er einen allerdings. Zuerst den Trick verraten und dann fordern, ihn nicht zu verraten, also das hat ja schon das Potenzial für alles Mögliche. Ein Doublebind ist es allemal und so was sorgt für die Entstehung einer heftigen Schizophrenie, wenn man’s ernst nimmt. Und Sucher sind meistens todernst. Ob die Gurus das wohl auch bedenken oder ist ihnen das wurscht?

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      • fredo0 schreibt:

        griiiiiiiins ….. tja … ich denke , die gurus sind da auch nur geblendete des zaubertricks … und es ist ja geradezu amüsant zu beobachten , wie selbst die konsequentesten „trickser zum kollaps“ dann doch irgendwie , irgendwann , zumindest ein wenig versuchen , „ernsthaft“ zu werden , und „etwas“ anbieten .
        is ja auch dem ollen ramana mit seinem atma vichara passiert …

        und wenn man die texte der ollen vom chan liest , lässt sich da auch so die ein oder andere „etwas“-versuchung erahnen …
        der olle herr hotei ist da dieser versuchung mit seinem dauergelache wohl am konsequentesten entgangen … nett der .

        ( ich hab jetzt erst kapiert , das diese „fetten buddhas“ der chinesen , wohl eine abbildung des besagten herrn hotei sind … der schien ja auch meiner gewichtsklasse anzugehören .)

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      • Nitya schreibt:

        Ja, der Hotei, der hat’s kapiert, wandert herum, schenkt den Kindern Naschisch und Spielkram und lacht sich eins, einfach so und weil’s ihm Spaß machte. Oder die drei chinesischen Witzbolde, von denen Osho erzählt hat: https://eulenimpulse.wordpress.com/2014/03/20/equinox-am-20-marz-2014/

        Wenn mich jemand salbungsvoll nach der höchsten Stufe der Vollendung fragte, fällt mir nicht unbedingt der in vollkommene Stille versunkene Heilige ein, sondern einer von diesen chinesischen Jungs, die einfach nur noch Quatsch machen und sich todlachen über die Ernsthaftigkeit ihrer Mitmenschen oder ggf. ihrer eigenen.

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  2. Ronny schreibt:

    „auch nur geblendete des zaubertricks … “ da scheint es kein entkommen zu geben – und das zu sehen ist schon eine freunde

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  3. chantaltalia schreibt:

    “Über etwas sprechen heißt, das Ziel verfehlen.”
    Ihr lieben „3 ollen Weisen“, trotzdem macht es Spass, euch zu lesen. Es lebt hier…
    verspätete Grüsse
    Chantal

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    • Nitya schreibt:

      Liebe Chantal,
      das liegt vielleicht daran, dass hier kaum jemand „über etwas“ spricht.
      Na ja, vielleicht gibt’s mal’n Ausrutscher.
      Aber die drei Weisen aus dem Morgenland sind halt auch nur Menschen.
      Und welche Rolle hast du dir zugedacht?
      Maria, Maria Magdalena, …?
      Wie auch immer – gegrüßet seist du …🙂

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