Meister Mian: Es kann sein, …

BWenn Menschen sich eifrig in Zen schulen, aber trotzdem nicht Erleuchtung finden, kann das an mancherlei Hindernissen liegen.

  • Es kann sein, dass sie im Morast der Zen-Sprüche stecken bleiben.
  • Es kann sein, dass sie wie erstarrt in einer Sphäre staunenswerter Wunderdinge sitzen.
  • Es kann an der leeren Nicht-Form liegen.
  • Es kann daran liegen, dass man immer nur Zen und Buddhismus im Sinn hat.
  • Es kann sein, dass man sich um der Erleuchtung willen über die Verblendung hinwegsetzten möchte.
  • Es kann daran liegen, dass sie am Anfang keinem wahrhaft erleuchteten Meister begegnet und dadurch in ein Dickicht von Schlingpflanzen geraten sind.

Nicht nur Anfänger begegnen solchen Schwierigkeiten. Sogar Zen-Meister der alten Zeit, die den Geist zutiefst erfasst und Einsicht in sein wahres Wesen gewonnen hatten, verwirklichten zwar den ursprünglichen Zustand, erfassten aber trotzdem nicht die ganze Wahrheit.

aus: T. Cleary, „Der Mond scheint auf alle Türen“

NEs kann natürlich auch sein, dass man zu lange mit äußerster Konzentration in der Nase gepopelt hat. Mein Gott, woran es alles liegen könnte, dass es bei mir nicht zur Erleuchtung gekommen ist! Osho fällt mir ein: „Alle Gründe sind Bullshit.“

Was ist die Suche nach Gründen anderes als der Versuch, ein Werkzeug in die Hand zu bekommen, mit dem man es doch noch schafft, den lieben Gott zu überlisten und ihm so diese gottverdammte Erleuchtung abzuluchsen. Nehmen wir diesen Mahakashyapa. Der hatte einen Meister, der ihm, als er sein Blümelein hochhielt, eine plötzliche Transpiration schenkte. Mahakashyapa war Buddhas Nachfolger und damit der erste indische Patriarch. Ergo: Ich muss einen Meister finden, der mir auch so’ne Transpiration schenkt. Notfalls würde ich auch dafür bezahlen. Dann bin ich auch ein Patriarch. Die Wahrheit ist vermutlich, dass Buddha ein gutes Deo benützte und gar nicht transpirierte. Die Wahrheit ist vermutlich, dass Mahakashyapa kein Zauberblümchen für seine Erleuchtung brauchte und auch nicht lachte, weil er endlich verstand. Die Wahrheit ist wahrscheinlich, dass er über die verständnislosen Gesichter seiner Genossen lachte. Bei ihm war der Groschen längst gefallen.

Erleuchtung kann nicht erreicht werden. Man findet sie, wenn man sie unbedingt so benennen will, einfach vor oder auch nicht. Ich hatte immer Probleme mit meinen Knien und Füßen. Also vermied ich so gut es ging, mich sportlich zu betätigen. Dafür hatte ich, ätschbätsch, ein absolutes Gehör. Was konnte ich denn dafür? Ich fand alles einfach so vor. Aber wer will sich schon mit dem begnügen, was er vorfindet? Wenn die Titten zu klein sind, müssen halt Silikontitten her. Wenn die Erleuchtung zu klein ist, muss ich mir flugs ein Meistergewand im Kostümverleih besorgen.

Da ist niemand, der eine Wahl hätte.

Für die einen ist dieser Satz Blödsinn oder eine Katastrophe, für die anderen Nektar und Ambrosia.
P

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6 Antworten zu Meister Mian: Es kann sein, …

  1. fredo0 schreibt:

    Ab und an lese ich mal Texte von Ken Wilber oder Herrn Thorsten Brügge … da geht es zumeist um Bewusstseinshirarchien und Erkenntniserweiterungen der Hyperart …. Seltsam das …

    Ich kann auch keine Erleuchtung vermelden … Kann da auch nur eine sehr schwammige Deutung des Begriffes anbieten … Eigentlich habe ich über Erleuchtung keine Ahnung … und das ist gut so … ( und wer weiß , vielleicht ist ja genau das Erleuchtung ? … übrigens kein sprachlicher Joke sondern eine echte Vermutung ) .

    Da ist trotzdem vor einigen Jahren etwas geschehen , wo man ein „davor“ und ein „danach“ bezeichnen kann. Dummerweise jedoch kein dazwischen .
    „Davor“ gab es einen Glauben an ein dauerhaft existierendes spezielles eigenes (!) Ich , was gewissermaßen in diesem , meinen Körper wohnt .
    Im „dazwischen“ zeigte sich , nein es zeigte sich niemandem , sondern es verblieb nur noch das , was IST , ohne das ich benennen könnte , -was- da IST , halt nur -das- da IST , was IST.
    Seltsam das , und doch so simpel , und desderwegen auch fürderhin unbezweifelbar .
    Im „danach“ ist im sich ereignenden Leben absolut nix verändert .
    Und doch dieser spezielle Glaube an ein beständiges Ich ist verloren gegangen .
    Nach wie vor sprudelt (Gott sei Dank) dieser Ich-Bild-Erscheinungs-Fluss , von Augenblick zu Augenblick . Doch außer einer gewissen Ähnlichkeit der einander folgenden Ich-Bildern lässt sich da nix beständiges mehr vermerken.
    Was hat sich denn dann verändert , außer dieser „Enttarnung“ der Beständigkeit nur eines Ichs , und dieser inneren Gewissheit um das , was IST . ( ohne je sagen zu können , was das ist ) ?

    tja …. eigentlich ist nur eines anders jetzt im „danach“ zu der Zeit „davor“ — die Suche ist beendet … dummerweise ohne das da was gefunden wurde … aber zu Ende ist sie , zweifelsfrei . und zwar so sehr „zu ende“ , dass mich Texte a la Wilber oder Brügge nur noch schmunzeln lassen.

    Letztlich ging es mir ja genau darum , dieses lästige Gesuche los zu werden .
    Seltsam , dass das Herr Wilber und Herr Brügge nicht geniessen können , und immer noch meinen , da einen drauf setzen zu können … mit Erleuchtung des 1. bis 100. Grades … seltsam das … denn wie könnte eine vollumfassende Ent-täuschung ( nix anderes ist dieses „dazwischen“ ) jemals mit noch mehr Ent-Täuschung getoppt werden ? Gibt es eine noch klarerer Klarheit über das was IST ? Wenn doch ja , war dies „dazwischen“ jedenfalls keinesfalls umfassend .

    und was könnte je „mehr“ sein , als ein einatmen und ausatmen zu erleben , und den vorgefundenen Augenblick mit Neugier zu würdigen ?

    etwa ein vollständig „ent-ichtes“ Leben ? – mehr Horrorvorstellung als Hoffnung , außerdem , warum sollte sich die Natur soviel Mühe damit gegeben haben , diesem Homosapiens zum besseren Funktionieren , diese Ich-bilder ins Gehirn zuschicken , wenn dies falsch wäre ? … macht Natur je etwas überflüssiges ? … denn selbst der angeblich überflüssige Blinddarm zeigt ja mitlerweile seinen durchaus relevanten Nutzen ?

    etwa ein künftiges Schweben im „Feinstofflichen“ ? – ich weiß nicht , ich mags lieber deftig .

    etwa ein nicht mehr aus dem totalen Gleichmut und der Gelassenheit fallen ? – wie langweilig !

    nee … das Ende der Suche war die Suche schon wert …

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    • Nitya schreibt:

      Wie angenehm sind Menschen, die am Ende ihrer Suche angekommen sind und wie anstrengend sind die ewigen Sucher. Gurus, Satsanglehrer und ähnlich Bekloppte können einem richtig leidtun, weil sie sich täglich diesen nervigen Suchern ausliefern. Und was ist mit denen, die nie mit irgendeiner sog. spirituellen Suche angefangen haben? Hmm, … die können auch ganz schön nerven.

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  2. Eno schreibt:

    Durch das unentwirrbare Dickicht von
    Gedanken, Begriffen, Vorstellungen
    Schlägt die Axt des Gewahrseins,
    Wieder und wieder, eine Schneise
    In die freie Unbegrenztheit des Soseins.

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  3. fredo0 schreibt:

    my big big hands too …

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