Bodhidharma und Kaiser Wu suchen das Ego

 BBodhidharma wurde von Kaiser Wu gefragt: „Mein Ego, das Selbst, macht mich rasend. Ich habe alles ausprobiert, doch ich werde es einfach nicht los. Hilf mir!“ Bodhidharma sagte: „Komme morgen um drei Uhr früh zu mir. Komme alleine und vergiss nicht, dein Selbst mitzubringen. Ich werde es für immer vernichten.“ …

Kaiser Wu musste zu ihm gehen. Bodhidharma saß schon da und hatte seinen Stock in der Hand. „Du bist also gekommen. Wo ist dein Ego? Wo ist dein Selbst? Hast du es mitgebracht? Ich werde es für immer auslöschen.“ Der Kaiser sagte: „Wovon sprichst du? Das Selbst ist doch kein Ding, das ich mitbringen kann.“ Bodhidharma sagte: „Was ist es dann?“ „Es ist etwas in mir drinnen,“ antwortete der Kaiser. „Na gut“, sagte Bodhidharma, „innen oder außen, das macht keinen Unterschied. Mein Stock reicht überall hin. Setze dich einfach vor mich hin, schließe die Augen und versuche, es zu finden. In dem Moment, in dem du es gefunden hast, gib mir Bescheid und ich werde es umbringen.“ …

Am Morgen, nach dem Sonnenaufgang, war der Kaiser ein völlig anderer Mensch. Bodhidharma sagte: „Jetzt kannst du deine Augen wieder aufmachen. Wo ist dein Selbst? Du hältst jetzt schon drei Stunden lang nach ihm Ausschau.“ Der Kaiser berührte ehrfürchtig Bodhidarmas Füße und sagte: „Ich kann es nicht finden. Ich schaute wirklich genau hin. Niemals zuvor habe ich mich so angestrengt, das Ego zu finden. Ich habe meine ganze Energie dafür eingesetzt. Und doch konnte ich es nicht finden.“ Bodhidharma lachte und sagte: „Ich habe es dir ja gesagt, ich habe es völlig vernichtet.“

aus: Osho, „Perfect Master Vol. 2 #4“

Ich weiß nicht, ob es sich hier wirklich um Kaiser Wu gehandelt hat, weil mir meine Wikipedia-Bildung sagt, dass die Wu-Dynastie schon bei Bodhidharmas Geburt nicht mehr existierte. Aber is ja wurscht. Das sind ja alles nur so G’schichten. Worum es geht, ist der Kern aller „Lehren“. Lehren in Tüttelchen, weil da ja gar keine Lehre zu finden ist. Der Kern aller Lehren könnte zwar in Worte gefasst werden, aber das würde wohl niemandem etwas bringen. Bodhidharma, der erste Ch’an-Patriarch wurde dafür gerühmt, dass er den Buddhismus von allen Hilfsmitteln entrümpelt und die Sache in der unmittelbaren Begegnung auf den Punkt gebracht habe.

Im Falle des Kaisers Wu war wohl die Angst der Motor. Der Kaiser wollte seine Angst loswerden und hatte gleichzeitig Angst vor diesem fürchterlich aussehenden Bodhidharma, der anscheinend sein Selbst mit seinem Knüppel erschlagen wollte. Aus dieser Angst heraus tat er etwas, was er vorher wohl nie in dieser Intensität getan hatte. Er suchte sein Selbst. Natürlich hatte Bodhidharma dieses ominöse kaiserliche Selbst nicht erschlagen. Der Kaiser fand es jedenfalls einfach nicht trotz intensivster Suche.

EWas soll nun der heutige Sucher ohne einen Bodhidharma tun? Ramana empfiehlt, sich die „Wer bin ich?“-Frage zu stellen. Die Gefahr bei dieser Frage, die sich natürlich jeder selbst stellen kann, ist, dass der Verstand versucht, sie intellektuell zu beantworten. Dieselbe Gefahr besteht, wenn sich jemand Buddhas Anatta-Lehre reinzieht. Das ist halt der Vorteil, wenn ein lebender „Meister“ da ist, der einem keinen Raum für ein Entkommen lässt. Eine Erfolgsgarantie gibt es dafür natürlich auch nicht. Manchmal passiert’s auch einfach so: Enos Kranich spaziert mit seinen Jungen durch den Wald und zack – schon ist’s passiert. Manchmal tut’s auch ein Stein, über den du stolperst. Oft genug passiert’s auch nicht.

Die ketzerische Frage ist: Ist das nicht pottpiependeckelegal?

S
 

 

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8 Antworten zu Bodhidharma und Kaiser Wu suchen das Ego

  1. Georg Alois schreibt:

    Die sogenannten Sucher, was suchen die eigentlich?
    Erleuchtung light, Genuss ohne Reue, oder was???
    Da geht’s ums Sterben! „Wenn du nicht wie ein Ertrinkender nach Luft ringst…….“ oder wie hier in dieser Geschichte: „ …..(es) macht mich rasend,…… hilf mir!!!!“
    Na klar, es ist „pottpiependeckelegal“!!!! Genieße das Leben!!!!
    Nur wenn die Not halt so groß wird, dass es nicht mehr egal ist………..

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    • Nitya schreibt:

      Ich weiß im Moment nichr, wie das Buch von Ramesh Balsekar heißt, in dem er von einem Meister und seinem Schüler berichtet. Der Schüler muss wieder zurück nach Europa. Der Meister gibt ihm einen Pack Hausaufgaben mit auf den Weg und legt ihm ans Herz, regelmäßig Berichte über seinene Fortschritte zu schicken. Der Schüler erfüllt getreulich seine Pflichten. Ich glaube, der Meister schmeißt die Berichte ungelsen in den Müll. Irgendwann werden die Berichte des Schülers spärlicher und bleiben bald darauf ganz aus. Der Meister schreibt ihm: „Was ist mit deinen Erfolgen?“ Der Schüler schreibt zurück: „Wen kümmert’s?“ Und der Meister grinst vergnügt vor sich hin.

      Pottpiependeckelegal ist in diesem Sinn zu verstehen. Für wen das nicht pottpiependeckelegal ist, der darf Erleuchtung light suchen und Genuss ohne Reue, Ist doch okay. Der darf sich eine Geliebte zulegen oder eine Therapie machen oder regelmäßig Satsangs besuchen. Der darf sich auch sinnlos besaufen oder sich im See ertränken. Möglicherweise lacht er irgendwann und denkt „wen kümmert’s?“ oder eben auch nicht.

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  2. Eno schreibt:

    Kranichfamilie am Waldrand.
    Auch wenn das Bild langsam verblasst,
    Alles umfassende Stille bleibt.

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    • Eno Silla schreibt:

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      • Nitya schreibt:

        Lieber Eno,

        als ich das Video angeguckt und angehört hatte, erschienen weitere Videos, u.a. dieses hier.

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      • Eno schreibt:

        Lieber Nitya,
        wie du zu einem solchen Video kommst nach dem Hören dieser zarten, harmlosen Anna Ternheim, tztztz…
        Der Herr Strohm sagt:
        „Alles was wir hören ist sowieso Lüge. Das Ausmaß der Lüge ist unvorstellbar.“
        Ein schöner Satz für diese traumartige, dahinschwindende Welt…
        Nun höre ich mir mal weiter das Video an, mal hören was der Herr Strohm darin noch so alles zu vermelden hat.
        Dir einen schönen entspannten Himmelfahrtstag, hoffe es wird kein Himmelfahrtskommando :-)!
        Liebe Grüße
        Eno

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  3. Ingeborg schreibt:

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