Osho: Konfuzius und Laotse


O

Für den Westler ist Konfuzius absolut einleuchtend, Ja, er ist ein Westler. Er wurde zwar im Osten geboren, denkt aber keine Spur östlich. Er hat eine aktive Lebenseinstellung. Das ist eine yang-Haltung, eine männliche Haltung. – Kämpfe und reib dich mit anderen, streite, erobere, setze deinen Willen durch! Du bist nur dazu hier, um deinen Willen durchzusetzen. Du musst der Welt beweisen, dass du jemand bist. Du musst der Geschichte deinen Stempel aufdrücken, andernfalls hast du umsonst gelebt. Du musst dich mit anderen messen, musst kämpfen – nur so kannst du in die Geschichtsbücher eingehen. Aber wie willst du das schaffen, wenn du nur still dasitzt und dich nicht vom Fleck rührst? Laotse hat der Geschichte nicht seinen Stempel aufgedrückt – Tamburlan wohl. Tschuangtse hat der Geschichte keinen Stempel aufgedrückt – aber Despoten wie Nadir Shah, Alexander, Napoleon oder Hitler, Stalin und Mao haben alle sehr wohl der Geschichte ihren Stempel aufgedrückt. Mao war Konfuzianer. Er schwor auf Konfuzius und ließ nichts unversucht, um alle Spuren und Potenziale des Taoismus in China auszumerzen. Er zerschlug viele taoistische Klöster und wollte sie dem Erdboden gleich machen. Warum? Weil sie nichts vom Kämpfen halten. Wie kannst du zur Revolution aufrufen, ohne den Kampf zu predigen?

Die taoistische Haltung ist auf Kooperation, nicht auf Konflikt aus. Die taoistische Haltung geht nicht gegen die Natur an, sondern mit ihr; sie lässt die Natur gewähren, ihren eigenen Lauf nehmen, unterstützt sie, folgt ihr. Die taoistische Haltung beruht auf völliger Entspannung.

aus: Osho, „Das Herz der Freiheit“

Es ist schon merkwürdig, dass so friedliche Menschen wie die Taoisten solchen Hass auf sich ziehen. Es geht ihnen da nicht viel anders als den Anarchisten. Beiden ist Herrschaft und Gewalt völlig fremd und trotzdem scheinen sie irgendwie Gewalt geradezu anzuziehen – auch in den eigenen Reihen. Das ist ein interessantes Phänomen. Wenn man dann etwas genauer hinschaut, kommt man vermutlich zu der Feststellung, dass es sich bei diesen Taoisten und Anarchisten eher um Bewegungen handelt. Sobald Taoismus oder Anarchie in irgendeiner Weise organisiert werden, scheinen sie ihren ursprünglichen Duft zu verlieren. Ich denke gerade an den ehrenwerten Herrn Kropotkin, der kürzlich von „Sucher“ erwähnt wurde. Wer Kropotkins Lebenslauf liest, ist vermutlich beeindruckt von seinen zahlreichen Aktivitäten. Für mich hat er sich wohl allzu sehr in die Politik eingemischt, hat immer wieder Verbündete gesucht, hat fast zwangsläufig Partei ergreifen müssen und schließlich auch Kriegseinsätze befürwortet. Ich könnte ihn beim besten Willen nicht mehr einen Anarchisten nennen. Auch einen kommunistischen Anarchisten vermag ich mir nicht vorzustellen.

WMit den Taoisten ist es keinen Deut anders als mit den Anarchisten. Weder mit den Anarchisten noch mit den Taoisten kann man einen Blumentopf gewinnen, geschweige denn einen Krieg. Und obwohl sie offensichtlich niemandem an den Karren fahren wollen, werden sie sehr häufig als höchst gefährlich eingestuft, verleumdet, verfolgt und vernichtet. Gerade ihr „Ideal“ von Unbrauchbarkeit ist für eine Leistungsgesellschaft vermutlich sehr problematisch. Carl Sandburgs Satz „Stell dir vor es ist Krieg und keiner geht hin.“ sei als Beispiel genannt. Oder das Bundeslied des ADAV von Georg Herwegh mit den Anfangszeilen „Mann der Arbeit, aufgewacht! Und erkenne deine Macht! Alle Räder stehen still. Wenn dein starker Arm es will.“ Aber das war alles schon wieder viel zu organisiert. Viel gefährlicher und gleichzeitig viel eher im Sinn der Taoisten und der Anarchisten ist da schon Wolfgang Borcherts „Sag NEIN!“ oder das „MYOB“ (mind your own business) aus dem Science-Fiction-Roman von Eric Frank Russel „Die große Explosion“. Das richtet sich viel eher an den Einzelnen – ganz im Sinne Max Stirners und seinem „Der Einzige und sein Eigenthum“.

„Die taoistische Haltung ist auf Kooperation, nicht auf Konflikt aus. Die taoistische Haltung geht nicht gegen die Natur an, sondern mit ihr; sie lässt die Natur gewähren, ihren eigenen Lauf nehmen, unterstützt sie, folgt ihr. Die taoistische Haltung beruht auf völliger Entspannung.“ sagt Osho und hat aus meiner Sicht damit auch die anarchistische Haltung sehr gut gekennzeichnet. „Anarchisten“ sind nicht ohne eigene Beteiligung als Terroristen in Verruf geraten. Revolutionäre Anarchisten, kommunistische, feministische oder sonst irgendwie definierte Anarchisten sind halt gar keine Anarchisten, so wenig wie irgendwie begrifflich definierte Taoisten Taoisten sind. Osho spricht von Haltungen, nicht von irgendwelchen Ideologien. Und Haltungen können wir auch etwa bei den Kranichen finden, die Eno gestern so schön beschrieben hat. Eigentlich sind Taoisten, Anarchisten und Kraniche einfach und sie sind ganz ohne weitere Zusätze.

cc

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Osho: Konfuzius und Laotse

  1. fredo0 schreibt:

    es gibt da so ein feines ( süffisant provozierendes ) zitat :

    wer versucht , der geschichte seinen stempel aufzudrücken ,
    hat womöglich ein problem mit seinem stempel .
    😉

    Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s