Osho: Taoismus oder Kindergarten

ZMit jedem Tag stirbst du mehr, eines Tages wirst du einfach im Grab verschwinden. Aber ist das alles, woraus du bestehst? Ist dein Dasein nicht mehr als das? Gibt es etwas in dir, was da war, ehe du überhaupt geboren wurdest, und was noch da sein wird, nachdem du für immer verschwunden bist?

Wenn du gestorben bist, wird das, was schon vor deiner Geburt da war, bleiben – das ist unverursacht. Darum glauben die Taoisten nicht, dass Gott die Welt erschuf, dass Gott den Menschen erschuf, dass Gott Seelen erschuf. Wenn Gott Seelen erschaffen hätte, dann wären sie verursacht und würden eines Tages verschwinden – wie lange es bis zu jenem Tag noch dauert, spielt keine Rolle. Gäbe es eine Ursache für die Welt und wäre der Mensch erschaffen, dann würde die Welt irgendwann abgeschafft werden und würde der Mensch abgeschafft werden.

Die Taoisten sprechen nur von etwas Ewigem, Unverursachtem, Unerschaffenen – einen Schöpfergott kennen sie nicht. Tatsächlich hat nie wieder jemand jenen Gipfel, jenen erhabenen Erkenntnisgipfel der Taoisten erklommen. Die geistige Reife der Taoisten ist so ungeheuer, ist von solchem Glanz, ist von solch einer Höhe und Tiefe, dass keine Religion mit ihr zu vergleichen ist; neben ihr wirken sie alle wie Kindergärten – gezielt für Kinder erdacht.

aus: Osho, „Tao, The Pathless Path“
BDas ist ja mal wieder so was: Das kannste nu glauben oder nicht. Wer das glaubt, könnte genauso gut an einen Schöpfergott glauben. Im Kindergarten ist Platz für jede Art von Glauben. Wer den Kindergarten verlassen möchte, sollte Buddhas dringender Empfehlung folgen: Glaubt mir kein einziges Wort von dem was ich sage, nur weil ich Buddha, eine Autorität für euch bin. Zweifelt es ruhig an, aber haltet es einfach für möglich, probiert es dann aus und seht, erfahrt alles selbst!

„Erfahrt alles selbst“ schließt natürlich mit ein, dass auch etwas ganz anderes erfahren werden kann. Das Forschungsthema heißt: „Gibt es etwas in dir, was da war, ehe du überhaupt geboren wurdest, und was noch da sein wird, nachdem du für immer verschwunden bist?“ Wenn Osho sagt: „Gäbe es eine Ursache für die Welt und wäre der Mensch erschaffen, dann würde die Welt irgendwann abgeschafft werden und würde der Mensch abgeschafft werden“, dann klingt das irgendwie logisch, aber es hat keinerlei Beweiskraft. Na und, könnte ich sagen, dann würde halt die Welt und der Mensch irgendwann koppheister gehen. Was soll denn das beweisen?

Kann es denn hier überhaupt irgendeinen Beweis geben? „Wer warst du, bevor du geboren wurdest?“ Das ist eine Frage, die weder durch irgendeinen Beweis noch durch logisches Denken zu beantworten ist. Vielleicht ist sie in irgendeinem „Heiligen Buch“ schon beantwortet, aber das ist auch keinerlei Beweis, da kann Pierre Vogel so viel zetern, wie er will. Es geht nicht darum zu glauben oder nicht zu glauben, sondern es vielleicht für möglich zu halten und dann zu sehen und zu erfahren. Mehr an „Beweis“ ist nicht möglich. Und diesen „Beweis“ muss und kann sowieso nur jeder ganz allein für sich erbringen. Da ist jede Diskussion über die absolute Wahrheit schon im Ansatz vollkommen hirnrissig. Und deshalb würde ich auch bestreiten, dass es sich hier überhaupt um eine Religion im klassischen Sinn handelt.


 
Die Religionen sind Glaubensgemeinschaften und damit, wie Osho ganz richtig sagt, von Erziehern geleitete Kindergärten. Ach, wenn der gegenwärtige Streik der Erzieher bei uns doch nur ein ewiger Streik wäre! Ob die lieben Kleinen dann wohl ganz von selbst erwachsen werden würden?

K1K2

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3 Antworten zu Osho: Taoismus oder Kindergarten

  1. Georg Alois schreibt:

    In einem endlichen System, was soll da eine Bedeutung oder Sinn haben? Genau wie die „armen Dinosaurier“ wird alles andere auch verschwinden, das ganze Universum klappt zusammen.
    „Unterhaltung“, wie Balsekar sagt, könnte man als den Sinn dieser Inszenierung bezeichnen.
    Ich kann alles reden und in Frage stellen, aber ich kann nicht behaupten: „Ich bin nicht.“, denn das „Ich bin“ ist einfach darin erhalten.
    Ich glaube es war Nisargadatta, der das auf diesen Punkt brachte: Bleibe einfach beim ‚Ich bin‘.
    Und welcher dieser Jungs sagte dann so schön: „Ich habe einfach vertraut, und dann hat es nur 20 Jahre gedauert und dann ist es plötzlich ………“

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  2. Eno Silla schreibt:

    Ich weiß ja nichts. Außer vielleicht, dass ich bin, hier jetzt, das scheint zweifelsfrei. Alles andere, all die Meinungen und Ansichten, in tausenden Büchern, Filmen und anderen unzähligen Medien dargeboten erscheinen mir mehr und mehr hohl und leer. All das taugt vielleicht als Unterhaltung, die kurz befriedigt, oder zu einem Ärgernis wird… Zurück geworfen immer wieder auf das ganz einfache, offene, freie (Jetzt-)Sein, ist da nicht benanntes (Glücks)Erleben:
    Gestern fuhr ich so mit dem Rad vor mich hin, frische Luft und Sonnenschein, verdeckt von Sträuchern blickte ich durch eine Lücke auf einen Wiesenrand an einen Erlenbruchwald grenzend. Zwei wunderschöne Kraniche schritten da entlang, groß und still, so unendlich würdevoll. Und zwischen ihnen zwei kleine, braune, wuselige Jungvögel. Für einen Moment war ich diese Stille, voll und ganz versunken in diesen Anblick, bis die Vögel gemächlich in den Wald schreitend sich meinem Blick entzogen und ich ebenfalls weiter meines Weges zog…
    Nun weiß ich zumindest: Kraniche sind Nestflüchter!🙂

    So in etwa, aber doch viel schöner, als auf diesem Bild, das ich gerade im Net fand:

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