Alan Watts: Gott als Mensch, Fisch, Insekt und Pflanze

GWenn man Lao-tzu und Chuang-tzu als Kommentar zu ihrer eigenen Zeit liest, so weisen sie auf den völligen Irrsinn politischen Machtstrebens hin, das die Menschen nur belastet, die die Macht innehaben. Wie uns heute klar geworden ist, würde kein vernünftiger Mensch der oberste Herrscher einer großen Nation sein wollen, denn es lässt sich keine Lebensweise vorstellen, die hektischer, frustrierender, mehr mit Angst verbunden und anstrengender wäre – in der man nie außer Reichweite des Telefons ist, ständig von Wächtern begleitet wird und stündlich weittragende Entscheidungen (aufgrund frisierter und unzulänglicher Informationen) treffen muss. Unter solchem Druck kann keiner ein Mensch bleiben, der Zeit hat, „stehen zu bleiben und zu staunen“, mit einem oder zwei politisch belanglosen Freunden durch den Wald zu streifen oder allein am Strand zu sitzen und das Meer zu beobachten. Große Macht ist Sorge, und totale Macht ist Langeweile, so, dass sogar Gott selbst sich ihrer entäußert und stattdessen so tut, als sei er ein Mensch, Fisch, Insekt und Pflanze: der Mythos des Königs, der verkleidet unter seinen Untertanen wandelt.

Deshalb gab Lao-tzu dem Herrscher den Rat, einen Staat so zu regieren, wie man einen kleinen Fisch brät: nämlich ihn in der Pfanne nicht so oft zu wenden, dass er zerfällt, und er stellte sich den idealen Staat nicht größer vor als ein Dorf.

aus: Alan Watts, „Der Lauf des Wassers“

Mir kommen gleich die Tränen, wenn ich Alan Watts Darstellung des schrecklichen Lebens der Herrscher lese. Die arme Frau Merkel! Der arme Mister Obama! Und all die anderen armen Mafiosi (Wikipedia: „Mafia war ursprünglich die Bezeichnung für einen streng hierarchischen Geheimbund, der seine Macht durch Erpressung, Gewalt und politische Einflussnahme zu festigen und auszubauen versucht …“)

Alan Watts sagt: „Wie uns heute klar geworden ist, würde kein vernünftiger Mensch der oberste Herrscher einer großen Nation sein wollen …“ Will die Merkel also gar nicht Kanzlerin sein, wird sie dazu nur gezwungen, oder ist sie kein vernünftiger Mensch? Ich glaube, Letzteres kann man mit Fug und Recht weitgehend ausschließen. Sie wird demnach gezwungen, Kanzlerin zu sein. Von wem denn bloß? Von einem Mafia-Boss, der noch mächtiger ist als sie? Und wer zwingt den nun wieder? Ich war ja mal Beamter auf Lebenszeit. Als mir meine vorgesetzte Mafiabossin Anweisungen gab, die ich für schwachsinnig und unmoralisch hielt, bin ich halt gegangen. Wer hätte mich denn zwingen können zu bleiben?

„Große Macht ist Sorge, und totale Macht ist Langeweile, so, dass sogar Gott selbst sich ihrer entäußert und stattdessen so tut, als sei er ein Mensch, Fisch, Insekt und Pflanze …“, sagt Alan Watts. Komisch, dass Frau Merkel sich ihrer Macht nicht entäußern will – aber sie ist halt auch nicht Gott. Sie ist dieser gelangweilte Gott, der so tut, als sei er diese Frau Merkel.
MDa haben wir den Salat. Lao-tzu kann sich den Rat an die Adresse des Herrschers, einen Staat so zu regieren, wie man einen kleinen Fisch brät, glatt in die Haare schmieren. Als ob Gott es nötig hätte, auf den Rat einer seiner unzähligen Erscheinungen zu hören. Obwohl – ich halte bisweilen auch Selbstgespräche und Ratschläge gebe ich mir ja auch oft genug. „Nitya, hör endlich mit deinem blöden Blog auf und geh lieber spazieren!“ Aber wer hört schon auf mich? Nicht einmal ich selbst.

Letztlich bleiben wir wieder bei dieser Binsenweisheit: Alles geschieht, wie es geschieht. Frau Merkel muss scheinbar mächtig sein, Lao-tzu muss Kochrezepte absondern und wir müssen über alles meckern.keif

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5 Antworten zu Alan Watts: Gott als Mensch, Fisch, Insekt und Pflanze

  1. Ingeborg schreibt:

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  2. Georg Alois schreibt:

    Und Erleuchtung ist eigentlich nichts anderes, als ein Fehler im System, ein Programmierfehler.
    Schön zu sehen bei Suzanne Segal.
    Es ist zwar „der Hammer“ schlechthin, wenn es geschieht, aber programmiert ist es ja so,dass das Eine, in der Illusion von Zwei, sich in diesem herrlichen Spiel wahrnehmen kann. Warum also nicht dieses Wunder genießen? Eigentlich geschieht ja nichts, oder?

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