Foyan Quinyuan: für nichts und wieder nichts


BEigentlich gibt es nichts, das einem beigebracht werden müsste,
nichts zu verdauen, und zu diskutieren.
Aber weil man sich selbst nicht glaubt, packt man seine Sachen
und macht sich auf den Weg in anderer Leute Häuser,
interessiert sich für Zen, Tao, Mysterien und Erleuchtung,
wendet sich an Buddhas, Meister und Lehrer.

Man glaubt sich auf der Suche nach dem Absoluten
und macht daraus seine Religion.
Aber im Grunde irrt man blind umher.
Je angestrengter man herumläuft,
desto weiter ist man vom Ziel entfernt.
Man erschöpft sich nur – für nichts und wieder nichts.

Foyan Quinyuan

 „Eigentlich gibt es nichts, das einem beigebracht werden müsste, nichts zu verdauen, und zu diskutieren.“ Alles klar? Also geht nach Hause und genießt den Frühling! Wie fing der ganze Unsinn eigentlich an? Ich denke gerade an meinen Lehrer Heinz Butz. Tut mir leid, wenn ich euch nerve, aber an den muss ich halt immer wieder mal denken. Wenn es uns beim Aktzeichnen etwa um die Frage ging, wie man Dreidimensionales zweidimensional so darstellen kann, dass die Dreidimensionalität scheinbar erhalten bleibt, dann ging es nur darum und um nichts anderes. Wir sollten bei ihm Anregungen bekommen im Umgang mit Farbe und Form und verschiedenen Werkzeugen und Methoden. Das Absolute und so’n Zeug stand nicht auf dem Lehrplan. Und doch – er hatte für mich einfach etwas ganz Besonderes. Die Art, wie er Dinge berührte, seine liebevolle Art der Wahrnehmung, die Zärtlichkeit seines Seins, … Ich wäre nie auf die Idee gekommen, ihn etwa zu fragen: „Meister, was ist es, was Sie haben und ich nicht habe? Was muss ich tun, um auch so zu werden wie Sie? Was ist ihr Geheimnis? Was ist Ihre Lehre?“ Ich wollte gar nicht so werden wie er. Wir waren völlig verschieden. Und trotzdem veränderte ich mich durch die Begegnung mit ihm mehr, als mir selbst damals so richtig bewusst war. Ich schrieb es, glaube ich, schon einmal: Es war eher so etwas wie ein kannibalistischer Akt meinerseits. Mich erinnerte das manchmal an eine Stelle aus dem Thomasevangelium: “ Thomas sprach zu ihm: ‚Meister, mein Mund ist völlig unfähig auszusprechen, wem du gleichst.‘ Jesus sprach: ‚Ich bin nicht dein Meister. Da du getrunken hast, bist du trunken geworden von der sprudelnden Quelle, die ich vermessen habe.'“ Heinz Butz erzählte zwar auch zwischendurch mal von Zen und dem Kram, aber das war eigentlich nicht so wichtig für mich. Wichtig war nur sein Sein. Was hätte es da zu diskutieren gegeben? Ich habe ihn einfach nur total genossen.

War ich auf der Suche nach dem Absoluten? Quatsch. Manchmal habe ich es mir trotzdem eingebildet. Und dann war es genau so, wie Foyan es beschreibt: „Aber im Grunde irrt man blind umher. Je angestrengter man herumläuft, desto weiter ist man vom Ziel entfernt. Man erschöpft sich nur – für nichts und wieder nichts.“

„Sei einfach nur.“ hat Nidargadatta gesagt. Heinz Butz war einfach nur. Seine unausgesprochene Botschaft war nicht: „Folge mir nach!“ oder „Versuche zu werden wie ich!“ Seine unausgesprochene Botschaft war auch: „Sei einfach nur.“ Diese Botschaft ist eigentlich so überflüssig wie ein Kropf. Sie wurde dennoch immer wieder mal verkündet. Sie wurde verkündet, weil die Menschen sich nie damit begnügen wollten, einfach zu sein, sondern immer etwas Bestimmtes sein wollten. Erleuchtet zum Beispiel. Trotzdem sind sie natürlich einfach nur, ob sie wollen oder nicht.

hihi

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7 Antworten zu Foyan Quinyuan: für nichts und wieder nichts

  1. Nitya schreibt:

    EINFACH NUR SEIN

    Bussard

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  2. Georg Alois schreibt:

    Jetzt müsste ich eigentlich meine Klappe halten,
    denn mit dem, was Sie jetzt gesagt haben, ist alles gesagt.
    Und es kommt ein wenig die Sorge auf, dass Sie ab jetzt das Schreiben einstellen könnten…….
    wo ich mich doch allmorgendlich so freue, Ihre Ausführungen zu lesen.
    Als Kommentar erlaube ich mir anzumerken: Vertrauen
    (und, da ist ein ganz gemeiner Übersetzungsfehler in der Bibel, als man „Vertrauen“ mit „Glaube“ übersetzt hat)

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    • Nitya schreibt:

      Alles gesagt ist sowieso schon längst.
      Eigentlich muss gar nichts gesagt werden
      Ich fürchte nur, morgen werde ich wieder überflüssigerweise irgendwas dahersabbeln.
      Ich muss einen Dachschaden haben.
      Ich kann nicht anders.
      Gott helfe mir.
      Amen

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  3. Ingeborg schreibt:

    Seeadler plündert Schwarzstorch -Horst 24.4

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  4. Ingeborg schreibt:

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  5. Ingeborg schreibt:

    aahhh

    So ist es.
    .

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