Foyan Quinyuan: wie Erdklumpen dasitzen?



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Der Buddhismus ist eine leicht zu verstehende Lehre, die die Kräfte nicht überfordert. Doch die Menschen machen sich selbst allerlei Mühe.
Die Alten sahen die Hilflosigkeit der Menschen und lehrten sie, in Stille zu sitzen. Das war ein guter Rat.

Doch später verstanden die Menschen nicht mehr, was die Alten meinten. Sie schlossen die Augen, unterdrückten Körper und Geist und saßen wie Erdklumpen da, wartend auf die Erleuchtung.

Wie töricht!
0Wenn du suchst – was ist das anderes als Schall und Formen nachzujagen?
Wenn du nicht suchst – worin unterscheidest du dich dann von Erde, Holz und Stein?

Du musst suchen, ohne zu suchen.

Foyan Quinyuan

„Du musst suchen, ohne zu suchen.“ Was könnte Meister Foyan Quinyuan damit gemeint haben? Für mich heißt das: Ich suche nach meiner Brille oder nach meinen Schlüsseln oder meinem Strophanthin. Will sagen, ich suche nach etwas Bestimmten, nach einem Ding. Wenn Foyan die Erdklumpen nach der Erleuchtung suchen lässt, dann suchen sie nach ihrer Vorstellung von Erleuchtung. Selbst wenn diese Vorstellung sehr vage ist, weist sie immer noch auf ein Ding hin.

Bodhidharma soll den Hinweis geprägt haben: „Offene Weite, nichts von heilig.“ Für mich ist das dasselbe wie „suchen, ohne zu suchen“. Heilig steht für ein bestimmtes Ding. Meine Brille ist mir „heilig“. Ich brauche sie, um diesen Beitrag schreiben zu können. Offenheit steht für kein bestimmtes Ding. Sie steht im Grunde auch nicht für „alle Dinge“. Sie steht für Dinglosigkeit.

Dann sagt Foyan noch etwas Spannendes: „Wenn du suchst – was ist das anderes als Schall und Formen nachzujagen? Wenn du nicht suchst – worin unterscheidest du dich dann von Erde, Holz und Stein?“
00Ich bleibe mal meinem Erklärungsversuch treu und sage: Wenn du gezielt nach einem Ding wie der Vorstellung von Erleuchtung suchst – „was ist das anderes als Schall und Formen nachzujagen?“ Wenn du nicht suchst, wenn du nicht offen bist, nicht grenzenlos, nicht durchlässig – worin unterscheidest du dich dann von diesem Ton-Buddha? Wenn er wenigstens aus Holz wäre! Der hier eignet sich ja nicht einmal zum Verbrennen, um sich im kalten Winter an ihm wärmen zu können, wie das Meister Tan-hsia einmal machte.

Mit Grausen erinnere ich mich noch an mein allererstes Meditations-Wochenende. Unter der Leitung einer buddhistischen Meditationslehrerin musste wir alle ein Wochenende lang „toter Mann/tote Frau“ spielen. Wie heißt doch gleich dieser angebliche Dakota-Spruch? Wenn du merkst, dass du ein totes Pferd reitest, steig einfach ab. Die ollen Ch’an-Meister waren so lebendig wie Fische in einem Wildwasser.

F

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