Tao-hsin: frei von Begriffen und Vorstellungen


ONiu-t’ou Fa-jung: Wenn du Betrachtung nicht zulässt, was tust du, wenn die üblichen Regungen des Geistes auftauchen?

Tao-hsin: Der Ursprung der Regungen des Geistes ist weder gut noch schlecht. An deinem Geist liegt es, dass sie überhaupt hervortreten. Wenn dein Geist frei wäre von Begriffen und Vorstellungen, wie könnte es dann zu Täuschungen und falschen Erwartungen kommen? Wenn keine Täuschungen und falschen Erwartungen eintreten, wird der wirkliche Geist imstande sein, jedes Ding, was es auch sei, ungehindert zu erfassen. Ihr braucht euch bloß dem Geist, so wie er ist, zu überlassen. Haltet nicht nach Möglichkeiten Ausschau, ihn in den Griff zu bekommen. Er ist es, der den Namen Dharmakâya trägt, das ewig unvergängliche Wesen der Dinge. Weicht nicht von ihm ab! Ich habe die Lehre von der plötzlichen Erleuchtung von Seng-ts’an, dem dritten Patriarchen, erhalten und gebe sie jetzt an dich weiter.

der dritte Ch’an-Patriarch Tao-hsin und Niu-t’ou Fa-jung

LKürzlich hab ich ganz fasziniert einer Katze zugeschaut. Irgendwie musste ich dabei an Rotkäppchen denken, die ständig vom „rechten“ Weg abkam. Völlig ziel- und planlos bewegte sie sich auf der Wiese und durch die Büsche. Ständig veränderte sie ihre Richtung. Mal schnupperte sie hier etwas, mal hörte sie da ein Geräusch, mal erkannte sie irgendwo eine Bewegung. Sie hielt jedes Mal kurz inne; manchmal setzte sie den alten Kurs fort, mal wechselte sie die Richtung, wenn sie etwas neugierig gemacht hatte. Hin und wieder schien sie lohnende Beute zu wittern und wurde auf der Stelle zur Jägerin, die nur noch ein einziges Ziel hatte: Beute machen. Ansonsten stromerte sie einfach durch die Gegend. „Ich ging im Walde so für mich hin, und nichts zu suchen, das war mein Sinn.“

Tao-hsin hatte den Niu-t’ou Fa-jung dabei überrascht, wie dieser gerade in tiefer Betrachtung des Seins versunken war. Er sagt ihm: „Ihr braucht euch bloß dem Geist, so wie er ist, zu überlassen. Haltet nicht nach Möglichkeiten Ausschau, ihn in den Griff zu bekommen.“ Genau das also, was die Katze macht. Es ist das Einfachste auf der Welt und so richtig was für so’ne faule Sau wie mich. „Ich habe die Lehre von der plötzlichen Erleuchtung von Seng-ts’an, dem dritten Patriarchen, erhalten und gebe sie jetzt an dich weiter.“

S

Ja und, wen interessiert’s?

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4 Antworten zu Tao-hsin: frei von Begriffen und Vorstellungen

  1. Georg Alois Wochnik schreibt:

    Jaaaaaaaaaaa! Genau das! Himmel, ist das schön! Es ist so Scheiß einfach, die Realität ist Gott! Warum denn der Katze das Bellen beibringen wollen??? Faul sein, gucken….. die Vögel des Himmels, die Blumen des…………und das ganze herrliche Theater………. Lobgesang

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  2. Eno Silla schreibt:

    „Ja und, wen interessiert’s?“

    Frei von Begriffen und Vorstellungen
    schien diese Kröte zu sein.
    Jedenfalls hat sie meine Belehrung
    über die Gefahren ihres Weges,
    sie versuchte grad einen Waldweg zu überqueren,
    nicht im Geringsten interessiert.
    Auch von Wissen und Nichtwissen wollte sie nichts wissen.
    Selbst als ich ihr ausmalte, wie sie plattgefahren aussehen würde,
    zuckte sie noch nicht einmal mit der Schulter.
    Was für ein stures Vieh!

    Möglicherweise, wenn ich ihr noch einige Stunden aus irgendeiner Gita vorgelesen hätte, oder wenn ich sie vor den Monitor gesetzt hätte, um Osho-Videos anzuschauen, dann…
    Hab ich natürlich nicht ;-)!

    Ich habe die Lehre von der plötzlichen Erleuchtung von einer Kröte, der dritten Matriarchin ihres Krötenklans, erhalten und gebe sie jetzt an dich nicht weiter, mich hats auch nicht interessiert.

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  3. Brigitte schreibt:

    So schön, die Beschreibung mit der Katze. Ja, es darf einfach frei fließen. Egal, was im Bewusstsein auftaucht. Kein Bild kann sich mehr verfestigen. Keine Ansicht, Vorstellung oder Idee, über was auch immer, kann sich halten in der freien Dynamik des Soseins. Frisch und neu entfaltet es sich anstrengunglos von Moment zu Moment. Wie zum ersten Mal. Wandlung ist des Lebens Elixier und des Lebens Bleibe. Nichts bleibt. Das ist alles. In allem berührst du Gott allein. Dieser natürliche Zustand ist Wonne.

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