Yoka Daishi: Ku


YDie Wahrheit nicht suchen, die Illusionen nicht abschneiden. Denn mir ist klar: die zwei Elemente sind ohne Form, sind Ku.

Die Nicht-Form ist nicht Ku, nicht Nicht-Ku. Dies ist die wahre Form Buddhas. Der Spiegel des Geistes ist rein, und nichts kann ihn trüben. In seiner Reinheit und Klarheit spiegelt er das ganze Universum.

Der Widerschein der Millionen Erscheinungen offenbart sich in diesem Spiegel. Dieser kostbare Juwel hat weder Innen noch Außen. Die wahre Freiheit in Ku verjagt die Beziehung von Ursache und Wirkung. So ist alles in vollkommener Verwirrung und Unordnung, und es herrscht schreckliches Unglück. Doch U, das Dasein, aufzugeben, ist gleichermaßen eine schwere Krankheit. Das ist, als springe man ins Feuer, um nicht ins Wasser zu fallen. Die Illusionen abzulegen, um nur der Wahrheit zu folgen, ist Trennung, Künstlichkeit und Nachahmung. Wenn einer dies nicht weiß und nur der Übung folgt, ist er wie der, der einen Dieb zu seinem Sohn machen will.

aus: Yoka Daishi, „Shodoka“

Neti – Neti: Weder existiert die Wahrheit noch existiert die Illusion. Wozu also das eine suchen und das andere abschneiden? Beide existieren nur latent als Potenzial (Ku). Ist Ku nun Nicht-Form, Leere? Nein, sagt Yoka Daishi. Nicht-Form ist nicht Ku und ist auch nicht Nicht-Ku. Mit so was können die Budhhisten die Leute locker in den Wahnsinn treiben. Ja Himmel, was soll denn dann dieses blöde Ku sein? Latent existierend als reines Potenzial – da sitzt man ja zwischen allen Stühlen! Kommt ziemlich gut hin. Und was fang ich jetzt damit an? Nichts, gar nichts. Und das soll nun die wahre Form Buddhas sein?! Die wahre Form Buddhas wäre ja auch ein Etwas und damit wäre der Spiegel des Geistes schon wieder getrübt, oder hab ich da was falsch verstanden?

„Doch U, das Dasein, aufzugeben, ist gleichermaßen eine schwere Krankheit.“ Schreibt der Übersetzer. Steht U für Dasein? Keine Ahnung. Die Übersetzungen weichen mal wieder total voneinander ab. Aber auch das ist wurschtpiepegal. Macht sich eh jeder seinen eigenen Reim drauf. „Ist alles in vollkommener Verwirrung und Unordnung, und es herrscht schreckliches Unglück.“ Also so’n U bringt mich bestimmt weder in Verwirrung noch in Unordnung noch in ein schreckliches Unglück. Dazu müsste ich erst mal das U für etwas Existierendes und Bedeutsames halten. Aber was soll man nun mit so einem U anfangen? Wo keine Anhaftung, da keine Verwirrung und kein Unglück.

Gestern schrieb Chantal: „Die Stille trägt ein Geheimnis. Nur ich selbst kann es lüften. Rabia hat es gelüftet. Ich bin noch dran. Es braucht Mut.“ Liebe Chantal, da ist niemand, der es lüften könnte. Und da ist auch nichts (not hing), das gelüftet werden könnte. Eine gute Gelegenheit, mal wieder an den alten Seng-tsan zu erinnern: „Suche nicht nach dem Wahren, enthalte dich nur deiner Meinungen.“ Suche nicht nach dem Wahren oder nach irgendeinem imaginären Geheimnis. Es geht nicht darum, dem ganzen Kram etwas hinzuzufügen, sondern jedes Etwas zu vergessen. Alles existiert nur latent als Potenzial. Greifst du danach, hast du nichts in den Händen.

M

 

 

 

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10 Antworten zu Yoka Daishi: Ku

  1. Eno Silla schreibt:

    Tau verflüchtigt sich rasch:
    „Schnöde Welt, was habe ich
    hier schon verloren?“

    Issa

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  2. Chantal schreibt:

    Lieber Nitya,
    danke für deine tröstenden Worte aus der Stille. Die Verunsicherung bei mir entsteht, weil da nichts ist, nach was ich greifen kann, und der Rest scheint in mir zu zerinnen. Das fühlt sich einfach nicht nach Befreiung an, das befreites Lachen einer weisen Frau.
    Die Worte wollen nicht fliessen. Der Geist hat sich vehockt, hat sich mit der Stille verbündet. Das verunsichert mich, der Person, die diesem inneren Schauspiel zuschaut. Ich denke, dass das ein erstes Anzeichen von Alzeimer ist. Und ich kann nur davon sprechen, wie jemand anders Krebs hat. Aber Alzeimer ist nicht heilbar. Das ist die Verunsicherung. Ich sehe meine Lebensfreude schwinden. Das sollte ich hier nicht in deinem Blog schreiben. Aber es geht ja hier um das Selbst, das Eine, das Verbindende. Radikale Offenheit.
    Geheimnis habe ich mit etwas verbunden, was das innere Zuhause meint. Der innere Kern. Aber das ist ja auch nur ein Wort. Das kann ich gut loslassen. Einfach mit mir selbst ehrlich sein, so gut es geht.
    Chantal

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  3. Georg Alois Wochnik schreibt:

    Die östliche Philosophie, Advaita, Buddhismus, Meditation und all die vielen Meister mit den schönen Schriften…….. es ist eine schöne Unterhaltung! Und deswegen besuche ich auch diese Seite so gerne. Über Jahrtausende hinweg haben die Männer palavert, die Welt erklärt und männliche Götter „erschaffen“, währenddessen die Frauen für das Lebensnotwendige gesorgt haben. Und auch jetzt wieder taucht eine Frau auf, die ganz einfach und pragmatisch die Sache auf einen Punkt bringt. „Wir wollen nicht leiden, wir wollen glücklich sein.“ Byron Katie The Work, das liegt unserem westlichen Denken viel näher und es führt uns auf direktem Wege zu dem Gesuchten, zur „Erleuchtung“ , die nichts anderes bedeutet, als die völlige Auslöschung des Gefühls selbst der Handelnde zu sein.

    Byron Katie:
    Deinen Gedanken mit Verständnis
    begegnen
    Ein Gedanke ist solange harmlos, bis wir ihn glauben. Es
    sind nicht unsere Gedanken, sondern das Anhaften an
    unsere Gedanken, das Leiden verursacht. Einem Gedanken
    anzuhaften bedeutet, ihn für wahr zu halten, ohne dies
    überprüft zu haben. Eine Überzeugung ist ein Gedanke, an
    dem wir – vielleicht seit Jahren – anhaften.
    Die meisten Menschen denken, sie sind das, was ihre
    Gedanken ihnen sagen, dass sie es seien. Eines Tages
    bemerkte ich, dass ich nicht atmete – ich wurde geatmet.
    Dann bemerkte ich zu meinem Erstaunen auch, dass ich
    nicht dachte, sondern dass ich in Wirklichkeit gedacht
    wurde, und dass Denken nicht persönlich ist. Wachst du
    morgens auf und sagst zu dir selbst: „Ich denke, heute
    werde ich nicht denken“? Zu spät, du denkst bereits!
    Gedanken tauchen einfach auf. Sie kommen aus dem
    Nichts und gehen zurück ins Nichts, wie Wolken, die über
    den leeren Himmel ziehen. Sie kommen um vorbeizuziehen,
    nicht um zu bleiben. Sie richten solange keinen Schaden
    an, bis wir an ihnen anhaften, als wären sie wahr.
    Niemand war jemals fähig, sein Denken zu kontrollieren,
    obwohl manche vielleicht die Geschichte erzählen, dass sie
    es können. Ich lasse meine Gedanken nicht los. Ich
    begegne ihnen mit Verständnis. Dann lassen sie mich los.

    Gedanken sind wie ein Lufthauch, wie Blätter am Baum
    oder wie fallende Regentropfen. Sie tauchen auf, und durch
    die Überprüfung können wir mit ihnen Freundschaft
    schließen. Würdest du dich mit einem Regentropfen
    streiten? Regentropfen sind nicht persönlich und ebenso
    wenig sind es Gedanken. Wenn wir einmal einem
    schmerzhaften Konzept mit Verständnis begegnen, finden
    wir es vielleicht interessant, wenn es das nächste Mal
    auftaucht. Was zuvor ein Alptraum war, ist jetzt einfach nur
    interessant. Wenn es das nächste Mal auftaucht, finden wir
    es vielleicht lustig. Das nächste Mal bemerken wir es
    vielleicht gar nicht mehr. Das ist die Kraft, wenn wir lieben
    was ist.

    http://thework.com/sites/thework/downloads/little_book/German_LB.pdf

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    • Nitya schreibt:

      Hmm, werter Georg Alois Wochnik,

      deiner Wertung von den männlichen Mindfuckern und den praktischen Frauen, vermag ich so nicht zu folgen. Das eine „schöne Unterhaltung“, ein bisschen unterhaltsamer vielleicht als Kreutzworträtsel-Lösen, das andere so lebensnah und hilfreich? Ich werde dir jetzt nicht empfehlen, damit mal die Work zu machen, wie käme ich denn dazu … Aber ein Glaubenssatz von dir scheint mir das alle Male zu sein.

      Aber die Byron Katie ist wirklich eine wundervolle Frau. Wer sie einmal in Aktion erlebt hat, muss sie einfach lieben.

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      • Georg Alois Wochnik schreibt:

        66 Jahre habe ich auf dem Buckel. Kistenweise Bücher gelesen und „Meister“ besucht. Dann alles weggeschmissen. Und gelacht! Jetzt kaufe ich mir einige der Bücher, allerdings gebraucht, wieder, weil ich, unter anderem, meinen lieben „Lebersack“ OSHO so liebe. Und ich liebe es auch auf dieser Seite zu lesen, einige Gewohnheiten sind halt geblieben. Und wie sagte doch Ramesh Balsekar, als er nach dem Sinn des Lebens gefragt wurde?: „Unterhaltung!“ Und bei den Frauen habe ich halt erleben dürfen ( Ausnahmen bestätigen die Regel), ohne viel Gelaber, so wie Byron Katie fragt: „Jetzt mal ehrlich: Was du willst, ist Glück!“ Und diese Logik, Pragmatismus, was ich an OSHO auch so liebe, kann ich nur weiter empfehlen. Und deshalb kam es mir, Byron Katie auf dieser Seite, ins Gespräch zu bringen. Ich weiß ja, ungefragt soll man die Schnauze halten, aber der Lebersack in mir lässt sich nicht immer bändigen.
        Lasst es Euch gut ergehen und genießt die Unterhaltung!!! Sonnige Grüße aus Portugal, Georg Alois

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      • Nitya schreibt:

        Welcher Lebersack lässt sich schon bändigen? Wär ja schrecklich, wenn’s anders wäre. Meinen Glückwunsch, wenn der 66-jährige Lebersack weiterhin fröhlich sein Unwesen treiben kann.

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  4. fredo0 schreibt:

    auch ( und gerade ) „the work“ ist nur ein konstrukt … eine leiter , deren stufen , egal wie hoch wir sie erklimmen , nur gegen die immer gleiche wand blicken lässt .

    es ist eigentlich recht einfach … verkündet dir jemand ein „ach so tolles“ hilfsmittel , methode , heilsverkündung , work rechts not-work links , …. dann … grins dir eins …
    deine zeit ist damit auf das beste genutzt …

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    • Nitya schreibt:

      Lieber Fredo, ich weiß ja, du bist ein fauler Sack und bist nicht gerade ein Mehthodenfetischist, aber auch deine Ablehnung von Methoden kann leicht selbst zur Methode werden. Ich putz mir mehrmals täglich die Zähne, um zu … ist auch eine Methode. Sag mir bloß nicht, dass du keine Methoden verwendet und stattdessen dir nur eins grinst. Gegen Grinsen ist ja nichts einzu wenden. Man kann auch über seine Methoden grinsen und sie trotzdem anwenden. Beispiel: Nicht mit dem Körper identifiziert sein und trotzdem die letzten Zähnchen hegen und pflegen. Wenn das nicht ganz schön verrückt ist.

      Oder …?

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      • fredo0 schreibt:

        ich bin zwar wieder fast zu faul zur antwort … will mich aber mühsam mal aufraffen …
        und das obwohl mich die senile bettflucht heut morgen um halb sechs nach 4 stunden schlaf aus dem warmen bett gescheucht hat …

        nix gegen die methode des zähneputzens oder des morgendlichen müslis … und vor allem nix gegen das ritual des schlafes in bequemen betten …

        ich sehe selbst „methoden“ im „spirituellen“ durchaus als sinnvoll …. aber nicht zum erreichen von „etwas“ …
        sondern für das , was sie bei beobachtung meiner eigenen lebensgeschichte sind … perfekte beschäftigungstherapie …
        🙂

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