Ashtavakra: deine Meditation erzeugt deine Bindung – meditiere

AKönig Janaka und Ashtavakra

 Gib die Illusion auf, ein individuelles Selbst zu sein, zusammen mit allen äußeren und inneren Selbst-Veränderungen, und meditiere über Atman, dem unveränderbaren, nicht-dualen Bewusstsein.

Liebes Kind, lange warst Du in den Fesseln der Identifikation mit dem Körper gefangen. Durchschneide sie mit dem Schwert des Wissens und sei glücklich.

Du bist ungebunden, aktionslos, von innen strahlend, makellos. Tatsächlich ist es Deine Meditation, die Deine Bindung erzeugt.

aus: Ashtavakra, „Ashtavakra Gita, 13-15″

Das ist mal wieder was für die, die immer an den Worten kleben. Ja wie denn nun, fragen sie. „Meditiere über Atman!“ sagt Ashtavakra und dann wieder: „Es ist deine Meditation, die deine Bindung erzeugt.“ Soll ich nun meditieren oder nicht? Meister Eckhart würde jetzt vermutlich wieder aufstöhnen und sagen: „Man muss es auch mit dieser Art aushalten.“ Oder wie Rabia es formulierte: „Oh mein Gott, ohne das Gedenken an Dich kann ich diese Welt nicht ertragen.“

Also, soll ich nun meditieren oder nicht? Meditieren ist nicht Meditieren. Wenn Ashtavakra sagt „Gib die Illusion auf, ein individuelles Selbst zu sein, zusammen mit allen äußeren und inneren Selbst-Veränderungen, und meditiere über Atman, dem unveränderbaren, nicht-dualen Bewusstsein.“, dann sollst du gar nichts. Das ist mal wieder keine Anweisung, sondern eine Aussage, die überprüft werden kann, indem die Wahrheit gesehen werden oder nicht gesehen werden kann. Dieses Sehen, das immer ein Sein ist, findet statt oder findet nicht statt. In dem Moment, in dem daraus eine formale Meditation gemacht wird, bin ich es, der da aktiv geworden zu sein glaubt. Und damit bin ich wieder in den Fesseln der Identifikation, von denen Ashtavakra hier spricht. Dann nützt auch der Versuch nichts, die Fesseln der Identifikation durchzuschneiden, indem ich wie wild mit irgendeinem imaginären Schwert herumfuchtle. Es muss schon „das Schwert des Wissens“ sein. Und dieses Wissen muss auch für das stehen, was ich als wahr erkannt habe. Ich, und nicht irgendein anderer. Und wer bin ich? Ashtavakras Antwort: „Du bist ungebunden, aktionslos, von innen strahlend, makellos.“ Ein klarer Hinweis, der vielleicht genügt, sehen zu können, wofür ich mich halte oder wer ich wirklich bin.

Auf dem kleinen Bild oben kann man die beiden Protagonisten der Ashtavakra Gita sehen, den König Janaka und seinen Guru Ashtavakra. Die Haltung des Königs drückt für mich vor allem eines aus: Eine Mischung aus Liebe, Respekt und Dankbarkeit. Notwendige Voraussetzungen dafür, dass das Licht des einen auf den anderen überspringen kann. Wenn ich an meine Schulzeit denke, dann standen oder saßen da für mich auf dem Podest in aller Regel meine Feinde. Und ich hatte meistens den Eindruck, dass auch wir für unsere Lehrer Feinde waren. Was soll da schon überspringen können? Der Westen tut sich ja ziemlich schwer mit dem Wesen des Gurus. Langsam tauchen ja Gott sei Dank auch immer wieder Leute wie etwa der Neurobiologe Prof. Dr. Gerald Hüther auf, die ihren staunenden Zuhörern die Binsenwahrheit zu verklickern versuchen, dass Freiwilligkeit, Spaß, Neugier und Zuneigung ungemein förderlich sind für jeden Lernprozess.
BDiese traurige Figur erinnert mich irgendwie fatal an mich in jungen Jahren. Einer meiner Lehrer erbarmte sich vermutlich immer wieder mal meines Stoffwechsels und rief mich ohne die geringste Hoffnung auf Dankbarkeit auf. Ich quälte mich jedes Mal unendlich langsam in die Vertikale. Wenn ich dann einigermaßen oben angekommen war, pflegte dieser Lehrer „Klingholz – flatsch!“ zu sagen, woraufhin ich mich mit einem erleichterten Seufzer wieder in die Niederungen einer weitgehend horizontalen Position hinunterrutschen ließ. Sieht so aus, als ob ich mich ziemlich gelangweilt hätte. Da kann ja nix draus werden. Das war eine ziemlich gute Vorbereitung für nix Werden.

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Eine Antwort zu Ashtavakra: deine Meditation erzeugt deine Bindung – meditiere

  1. fredo0 schreibt:

    Es gibt Meditation als eine zu machende Aufgabe.
    Da war ich stets ein erstaunlicher fauler und zutiefst unmotivierter Schüler.
    Und dessen noch nicht mal besonders ärgerlich , sondern recht bald vom Gedanken durchdrungen, „was solls , da wird es halt nix mit der Erleuchtung , hauptsache fein gelebt“.

    Und es gibt Meditation als Auf-gabe der Aufgabe , dann wenn mir Meditation zugemutet wird..

    Es gibt sie … immer öfter … diese Danach-Momente , da ich plötzlich bemerke , „Mensch das war ja eben Meditation“.

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