Nisargadatta: ich habe es für mich selbst gesagt

NIch leide nicht; ich kann nicht leiden, da ich kein Objekt bin. Natürlich ist da Leiden, aber können Sie erkennen, was dieses Leiden ist? Ich bin das Leiden. Was auch immer manifestiert ist, Ich bin der Ablauf, das Funktionieren. Was auch immer wahrnehmbar ist, Ich bin das Wahrnehmen. Was auch immer getan wird, Ich bin das Tun. Ich bin der Tuende und Ich bin – verstehen Sie dies – auch was getan wird. In der Tat, Ich bin der gesamte Ablauf, das gesamte Funktionieren.

Wenn Sie dies erkannt haben, müssen Sie nichts darüber hinaus wissen. Dies ist die Wahrheit. Aber das entscheidende Wort dabei ist „erkannt“. Was ich gesagt habe, habe ich für mich selbst gesagt. Wenn Sie das erkannt haben, können Sie dasselbe sagen. Sie und Ich, wir sind nicht zwei, sondern die gleiche absolute Einheit.

Wenn sich diese Erkenntnis durchsetzt, kann es keinen Grund der Welt für Sie geben mit irgendjemandem zu streiten, egal was dieser tut oder nicht tut. Warum? Weil Sie dann erkannt haben, dass, was auch immer passiert, nur Teil des allgemeinen Ablaufes im Bewusstsein ist und kein phänomenales Objekt (das eigentlich ja nur eine Erscheinung im Bewusstsein eines anderen ist) irgendeine unabhängige Existenz oder Handlungsfreiheit haben kann. Denken Sie darüber zutiefst nach!

aus: Ramesh S. Balsekar, „Pointers“

Ich habe einen Teil von Nisargadattas Satz „Was ich gesagt habe, habe ich für mich selbst gesagt.“ gleich als Überschrift für mein heutiges Geschreibsel gewählt, wirft er doch für mich die Frage auf, ob das etwa nicht nur für Nisargadatta zutrifft, sondern für jede scheinbare Äußerung einer fiktiven Person. Ich erinnere noch einmal an „Satyam Nadeens Aussage“, dass jedwede „Äußerung von wem auch immer“ ohne Unterschied eine Manifestation des Noumenalen sei. Wenn also nun Nisargadattas Hinweis „Was ich gesagt habe, habe ich für mich selbst gesagt.“ für „jeden Anderen“ in der gleichen Weise gilt, gibt es denn dann „die eine Wahrheit“ überhaupt oder ist nicht jede Äußerung eines scheinbaren Wesens einfach ein Splitter der grenzenlosen Wahrheit? Sind die ersten beiden Zeilen von Hugo Balls Gedicht „Karavane: jolifanto bambla o falli bambla großiga m’pfa habla horem“ nicht genauso wahr wie die hier zitierten Zeilen Nisargadattas? Und besteht nicht das ganze Elend der Erleuchtungssuche darin, dass die Sucher hinter der Erleuchtung eines Nisargadattas, Ramanas, Oshos, Mehr Babas oder wessen Erleuchtung auch immer herrennen und diese ganz zwangsläufig nie erreichen können? Oder kann man sogar noch weitergehen und auch das so oft verteufelte Suchen als eine Manifestation des Noumenalen erkennen? Und sagt nicht Nisargadatta genau dasselbe mit dem Satz:

Was auch immer manifestiert ist, Ich bin der Ablauf, das Funktionieren.

„Wenn Sie dies erkannt haben, müssen Sie nichts darüber hinaus wissen. Dies ist die Wahrheit.“ sagt Nisargadatta. Hätte er hier nicht auch sagen müssen „meine Wahrheit“? Aber er sagt immerhin: „Aber das entscheidende Wort dabei ist ‚erkannt‘.“ Klar, wenn du nicht nur nachgeplappert, sondern selbst für dich erkannt hast, dann ist es auch deine Wahrheit. DIE Wahrheit gibt es nicht. Und eine gesprochene Wahrheit ist sowieso nicht die Wahrheit, wenn ich nicht davon ausgehe, dass sowieso nichts ist, was nicht wahr ist.

„Was ist Wahrheit?“ soll Pontius Pilatus Jesusgefragt haben. Gute Frage. Gestern habe ich Hillary Clinton gehört, als sie ihre Kandidatur für das Präsidentenamt angemeldet hat. Die Lügen einer Waschmittelreklame sind ein Dreck daneben. Aber zwischendurch lässt die Kandidatin ja die Hosen runter:

H
Der Satz stammt von James Baker und die Antwort der Kandidatin war ein dreckiges Lachen. Als ob es um „Mensch ärgere dich nicht“ ginge. Oder das hier, wo sich eine Mörderin mit ihrer Untat brüstet.

Kürzlich hat in North Charleston Michael Slager, ein weißer Streifenpolizist, den schwarzen Walter Lamer Scott bei einer Verkehrskontrolle von hinten erschossen. Der Stil des Imperiums: I came, i saw, he died. Veni, vidi, vici.

pWas ist Wahrheit?
Der Ablauf der Manifestationen.
Also auch das.

 

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