U.G.: Sie können sich von dieser Kultur nicht lossagen


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Der ‚Zustand des Nichtwissens‘ ist nicht nur mein besonderer Zustand. Ich nenne ihn den ’natürlichen Seinszustand‘. Er ist ebenso Ihr natürlicher Zustand wie er der meine ist. Er ist nicht der Zustand eines Menschen, der Gott erkannt hat; er ist nicht der Zustand eines Menschen, der zur Selbsterkenntnis gelangt ist, und er ist nicht der Zustand eines heiligen Menschen. Er ist der natürliche Zustand eines jeden von Ihnen hier. Aber da Sie nach jemand anderem Ausschau halten und auf eine Art von Befreiungszustand hinauswollen – Freiheit oder Moksha, ich weiß nicht, welches dieser Worte Sie gebrauchen wollen – sind Sie verloren.

Wie aber lässt sich nun die Beschränkung des Denkens verstehen? Das einzige Mittel, das uns zur Verfügung steht, um etwas verstehen zu können, ist natürlich das Denken. Was aber ist Denken? Ich kann Ihnen eine ganze Menge Definitionen anbieten, und Sie selbst kennen auch eine Menge Definitionen darüber, was Denken sei. Ich kann sagen, dass das Denken lediglich Materie ist, es ist Schwingung, und dass wir alle innerhalb der Gedankensphäre funktionieren. Wir nehmen diese Gedanken auf, weil der menschliche Organismus ein elektromagnetisches Feld ist, und dieses Feld ist ein Ergebnis der Kultur. Das mag Ihnen merkwürdig erscheinen, aber um sich im natürlichen Zustand zu befinden, muss alles, was die Menschen vor Ihnen gedacht, gefühlt und erfahren haben, hinweggefegt und weggeräumt werden. Das heißt, dass die Kultur, in der Sie aufgewachsen sind, aufhören und verschwinden muss. Ist das möglich? Es ist möglich, aber gleichzeitig ist es auch so schwierig, weil Sie ein Produkt dieser Kultur sind – das sind Sie, und davon unterscheiden Sie sich nicht. Sie können sich von dieser Kultur nicht lossagen. Und doch ist es eben diese Kultur, die unserem natürlichen Zustand im Wege steht.

aus der Rede U.G.s 1972 in Bangalore

Na, wenn das kein klassisches Dilemma ist! Da sagt dieser U.G. „Um sich im natürlichen Zustand zu befinden, muss alles, was die Menschen vor Ihnen gedacht, gefühlt und erfahren haben, hinweggefegt und weggeräumt werden.“ Und andererseits: „Sie können sich von dieser Kultur nicht lossagen. Und doch ist es eben diese Kultur, die unserem natürlichen Zustand im Wege steht.“ Ha, das gefällt mir! Dann sagt U.G. noch etwas, das jeden Menschen mit ein bisschen Verstand glatt in die Verzweiflung treiben muss: Er fragt, ob es möglich sei, dass die Kultur, die ich bin – und von der ich mich nicht unterscheide, verschwinden kann. U.G. sagt, dass es möglich sei, gleichzeitig aber auch so schwierig, weil ich ein Produkt dieser Kultur sei – dass ich das sei, und dass ich mich nicht davon unterscheiden würde.

Wenn ich das zusammenfasse, bleibt: Es ist möglich, aber nicht für dich. Nicht weil du so blöd bist, sondern weil du glaubst, der zu sein, der es, wenn er sich genügend anstrengt, möglich machen kann. Es ist nicht möglich, weil du mit all deinen Bemühungen auf einen Befreiungszustand hinauswillst. Wenn irgendjemand deinem natürlichen Seinszustand im Wege steht, dann ist das Fiktion du zu sein.

U.G. sagt: „Aber da du nach jemand anderem Ausschau hältst und auf eine Art von Befreiungszustand hinauswillst … bist du verloren.“

„Selig die, die völlig verloren sind.“ kann ich da nur sagen.

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3 Antworten zu U.G.: Sie können sich von dieser Kultur nicht lossagen

  1. Hansi schreibt:

    Ich bin der, der denkt. Das Ergebnis, das Produkt meines Denkens, sind meine Gedanken. Gedanken sind der Ausdruck von dem was denkt, aber sie sind nicht DAS was denkt.
    Die Summe meiner Gedanken ist mein Wissen. Ich bin also nicht mein Wissen.
    Wenn wir uns gedanklich austauschen oder ich mich gedanklich mit etwas auseinandersetze, was letztendlich dasselbe ist, dann geht das nur im Bereich des Wissens. Das Nicht-Wissen ist nicht „betretbar“.

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  2. Eno Silla schreibt:

    Unsere Welt
    mag flüchtig sein wie Tau –
    und dennoch und dennoch…
    Issa

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