Bhagwan: Lebe es aus!


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Was immer du bist, was immer du deinem Gefühl nach bist, sei es ganz. Fang nicht an, darüber nachzudenken; lebe es aus. Allmählich wirst du ein Gefühl davon kriegen, wer du bist. Sogar, wenn du erst am Ende deines Lebens herausfindest, wer du bist, ist das früh. Erwarte niemals, dass dir am Anfang jemand erzählen könnte, wer du bist. Wenn es so leicht wäre, würde es jeder wissen. Man muss sich anstrengen dafür. Man muss tasten. Man muss viele Male fehl gehen. Es gibt viele Gefahren, viele Fallgruben unterwegs; tausenderlei falsche Türen und eine richtige. Es ist ein Geduldsspiel.

Das Leben ist ein Labyrinth. Aber wenn man weitergeht, nicht aufgibt, öffnet sich eines Tages die richtige Tür. Das ist der Lohn für all deine Mühen. Das Leben öffnet sich in seiner unermesslichen, unendlichen Fülle und seinem herrlich strahlendem Glanz! Doch das kann dir nicht gegeben werden. Du musst es suchen, du musst nach ihm forschen. Aber sei deswegen nicht deprimiert – genau so muss es sein.

aus: Bhagwan Shree Rajneesh, „Sprengt den Fels der Unbewusstheit!“

Einmal saß ich im Wohnzimmer der elterlichen Wohnung, als ich Besuch bekam von einem Freund und Mitschüler. Ich wusste, dass der gerade dabei war, mir die Tanzpartnerin auszuspannen, in die ich heftig verknallt war. Ich war so was von enttäuscht und wütend über diesen Verrat der Freundschaft und meiner Angst, er könnte Erfolg haben, dass ich ihn unbedingt umbringen musste. Ich zog eine 9 mm halbautomatische Pistole raus und wollte ihn auf der Stelle erschießen. Mein Freund war kreidebleich, als er meine wilde Entschlossenheit sah, und verstummte vor Schreck und Todesangst. Ich weiß nicht, was mich daran gehindert hat, abzudrücken. Ich weiß nur, dass ich danach die Pistole in den Fluss geschmissen habe. Ich war sowas von erschrocken, als ich sah, wozu ich fähig gewesen wäre. Wie nah ich dran gewesen war, einen Menschen umzubringen. Ich bin ein potenzieller Mörder – auch zumindest, auch wenn ich konkret niemanden umgebracht habe.

„Lebe es aus!“ sagt Bhagwan. Na, Prost Mahlzeit! Gott sei Dank, dass ich an der Schwelle Halt gemacht habe. Aber wie nah war ich an dieser Schwelle! Hätte mir das vorher jemand erzählt, ich hätte es nie geglaubt. Kurz danach verweigerte ich den Kriegsdienst und wollte nie wieder eine Waffe in die Hand nehmen. Überhaupt dämmerte mir damals, wie kriminell und dumm es ist, einen anderen Menschen zu was auch immer zwingen zu wollen.

Lebe es aus! Was wäre gewesen, wenn ich es ganz und bis zum bitteren Ende ausgelebt hätte? Lebe es aus – das hätte auch von Alexander S. Neill stammen können. Wenn die Kinder in Summerhill keinen Bock auf Schule hatten, durften sie einfach wegbleiben. Irgendwann war ihnen das zu langweilig und sie kamen wieder in den Unterricht. Ob Bhagwan dieses „Lebe es aus!“ auch zu den IS-Kämpfern gesagt hätte? – Bhagwan war kein Idiot.

Meine Freunde, hier ist etwas für euch:
Erleuchtung bedeutet
Fehler um Fehler.

Ikkyû Sôjun

Also irgendwie ist das schon einfacher, Tony Parsons zu lesen oder Ramesh Balsekar oder die Ohrenbarung des JHWH oder oder und dann „Ich BIN Gott “ zu verkünden. Bhagwan ist ja bekannt dafür, dass er den Leuten empfahl, sich die Hände schmutzig zu machen und sich kopfüber ins Leben zu stürzen, um so Fehler um Fehler zu machen, anstatt sich wie der berühmte Philosoph in seinen Elfenbeinturm zu verziehen und weise Töne zu spucken. Sich ins Leben zu stürzen, ist immer noch die beste „Lernmethode“ und ein wirklich guter Weg, das Catuṣkoṭi zu erfahren. Alle Konzepte folgen irgendeiner Logik, das Leben scheint das reinste Chaos zu sein. Immer wenn jemand meint, jetzt habe er’s endlich, steht er wieder mit leeren Händen da.

Ich vermute mal, dass die nondualen Hardliner in Bhagwans Text mit ihrem Rotstift herum wüten würden. Er ist einfach nicht systemkonform. Aber seit wann hat sich das Leben um Systeme geschert?

 

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8 Antworten zu Bhagwan: Lebe es aus!

  1. Brigitte schreibt:

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  2. Hansi schreibt:

    Osho sagte niemals „erschiesse deinen Nebenbuhler“.
    Osho wusste, der Nebenbuhler ist nicht verantwortlich für DEIN Gefühl.
    Es sind DEINE Gefühle, DU erschaffst sie SELBER.

    In solchen Situationen empfahl Osho „Nimm ein Kissen, geh alleine in ein Zimmer und schlage dieses Kissen, schreie und tobe bis DU dich besser fühlst“.

    Osho sagte niemals „Lebe es aus an deinen Mitmenschen“

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    • Nitya schreibt:

      „Osho sagte niemals“ – mir scheint, du liebst die „Lehren“. Aber du musst aus Osho keinen Lehrer machen, nur weil du selbst dich ständig als Lehrer darstellen möchtest. Osho ist lebendiger Widerspruch, damit genau das nicht passiert, dass jemand aus seinen Worten eine Lehre zusammenbastelt.

      „In solchen Situationen empfahl Osho …“ Du scheinst ihn mit einem Rezepte verteilenden Dale Carnegie zu verwechseln. Als Rajneeshpuram zusammenbrach und man ihm vorhielt, er habe doch immer nur gesagt, man solle sich total hingeben, soll er nur gesagt haben: „Habe ich euch gesagt, ihr sollt Idioten sein?!“

      Osho ist nichts für Gläubige und nichts für den neuen Priesternachwuchs..IHWH schrieb in seinem Vorwort zur Ohrenbarung: „Ich bin für den ganzen Inhalt des Buches verantwortlich und Du für das, was Du aus diesem Buch herausliest bzw. je nach Reife Deines Bewußtseins hineinzuinterpretieren vermagst.“ Das gilt in gleicher Weise für „In solchen Situationen empfahl Osho …“ Du bist dafür verantwortlich, was du daraus herausliest bzw. nach Reife deines Beuwusstseins hineinzuinterpretieren vermagst.

      „In solchen Situationen empfahl Osho …“
      „Osho wusste …“
      Das ist die Sprache der allwissenden Pfaffen und Oberlehrer.

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      • Hansi schreibt:

        …” Du bist dafür verantwortlich, was du daraus herausliest bzw. nach Reife deines Beuwusstseins hineinzuinterpretieren vermagst.“

        Das ist wahr.
        Ich habe es gewagt Deine Interpretation von Osho’s Aussage zu kritisieren, indem ich das wiedergab, was zusätzlich dazu gesagt hat und Du in diesem Zusammenhang einfach mal weggelassen hast.

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      • Nitya schreibt:

        „Ob Bhagwan dieses “Lebe es aus!” auch zu den IS-Kämpfern gesagt hätte? – Bhagwan war kein Idiot.“

        Lies doch einfach.

        “Nimm ein Kissen, geh alleine in ein Zimmer und schlage dieses Kissen, schreie und tobe bis DU dich besser fühlst”. Meinst du, ich kenne diesen Teil nicht? Ich arbeite seit Jahrzehnten als Primärtherpeut und habe dies sinngemäß immer wieder im therapeutischen Rahmen gesagt. Mensch, halte doch deine Mitmenschen nicht allesamt für Idioten, denen du ein Licht aufstecken musst.

        Ich war 17, als ich beinahe zum Mörder wurde. Habe ich das etwa als Empfehlung Oshos dargestellt? Du kapierst echt gar nix und gehst mir langsam gewaltig auf den Senkel mit deiner Besserwisserei. Da scheint dein Holofeeling nicht viel geholfen zu haben.

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  3. Hansi schreibt:

    Es gibt kein „Besser“-Wissen. Das Wissen ist die Summe aller Gedanken aller denkenden Wesen.
    Du schreibst deine Gedanken nieder und andere schreiben ihre Gedanken dazu nieder.
    Wo sollte es da ein besser oder schlechter geben, ausser in Deinem be-urteilendem Verstand ?

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    • Nitya schreibt:

      Ohne meinen beurteilenden Verstand hätte ich schon längst das Zeitliche gesegnet. Mein beurteielnder Verstand ist, wie ich schon dezent angemerkt habe, von deinem Oberlehrer-Wörtersalat jedenfalls gelangweilt und genervt. Deshalb verabschiede ich mich hiermit von dir. Ich wünsche dir noch viele Leser und Zuhörer, die deine weisen Worte zu schätzen wissen.

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