Linji: Es gibt in der Tat kein wirkliches Dharma


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Der Bodhisattva der Vollendeten und Augenblicklichen [Erleuchtung], der in das Dharmadhatu eingetreten ist und seinen Körper offenbart hat, verabscheut das Weltliche innerhalb des reinen Landes und erfreut sich am Heiligen. Zum Beispiel hat er das Annehmen und Ablehnen noch nicht aufgegeben; Gedanken des Keuschen und Unreinen bleiben.

In der Ch’an-Lehre gilt ein anderes Verständnis – es ist ein augenblickliches Jetzt, es ist keine Frage der Zeit! Alles, was ich lehre, ist nur Behelfs-Arznei, um eine entsprechende Krankheit zu heilen. Es gibt in der Tat kein wirkliches Dharma. Wer das versteht, ist ein wahrer dem Heim Entsagender; er mag eine Millionen Goldmünzen täglich ausgeben.

aus dem Linji-Lu

Wenn der Bodhisattva der Vollendeten und Augenblicklichen [Erleuchtung] das Weltliche innerhalb des Reinen Landes verabscheut und sich am Heiligen erfreut, ist bei ihm – Titel hin, Titel her – der Groschen noch nicht gefallen. Er hat wohl seinen Bodhidharma noch nicht so ganz verstanden.

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OFFENE WEITE
NICHTS VON HEILIG

 Das Weltliche innerhalb des Reinen Landes zu verabscheuen und sich am Heiligen zu erfreuen, bedeutet, dass nicht gesehen wird, dass das Weltliche und das Heilige untrennbar eins sind. Die Trennung, die da gesehen und empfunden wird, ist reiner Mindfuck. Es bedeutet jedoch nicht, dass der psychophysische Organismus keine Reaktionen der Freude, der Trauer, des Schmerzes, der Abscheu usw. haben „dürfte“. Wenn also Linji schreibt: „Zum Beispiel hat er das Annehmen und Ablehnen noch nicht aufgegeben; Gedanken des Keuschen und Unreinen bleiben.“ dann ist das also bezogen auf bestimmte Konzepte. „Gedanken des Keuschen und Unreinen“ basieren nun mal nur auf irgendwelchen beliebigen Konzepten. Wenn aber etwa ein Lebewesen stirbt, mit dem jemand sich sehr verbunden fühlte, dann ist Trauer im augenblicklichen Jetzt eine absolut natürliche Antwort darauf.

 

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13 Antworten zu Linji: Es gibt in der Tat kein wirkliches Dharma

  1. Hansi schreibt:

    Augenblickliche Gefühle bei einem fühlenden Wesen sollten selbstverständlich sein.
    Die Frage ist, wann und wie werden Gefühle zum Selbstläufer bzw. Selbstzweck ?

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    • Nitya schreibt:

      Lieber Hansi,

      höre ich da die Flöhe husten oder höre ich da tatsächlich einen leisen Tadel? Also ich finde es ja nett, dass du augenblickliche Gefühle bei einem fühlenden Wesen zu gestatten scheinst, nicht so ohne Weiteres scheinst du jedoch zu gestatten, dass Gefühle zum Selbstläufer und Selbstzweck werden. Welchen Zweck sollte sie denn deiner Meinung nach haben und wie sollten sie denn laufen, wenn nicht von selbst?

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      • Hansi schreibt:

        Ja, ich denke es gibt so Etwas wie Angemessenheit. Und wenn es nicht mehr passt, dann wird es unwahr.
        Einfaches, drastisches Beispiel:
        Ich ärgere mich über Dich und ohrfeige Dich deswegen in meinem Groll. Daraufhin wirst Du Schmerz empfinden und evtl. ebenfalls wütend werden.
        Der körperliche Schmerz wird zügig vergehen, den kannst Du nicht festhalten. Deine Wut auf mich dagegen, kannst Du festhalten bist Du stirbst. So was wäre für mich Selbstzweck
        bzw. Selbstläufer.

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      • Nitya schreibt:

        Deine Antwort scheint darauf zu beruhen, dass es eine Person gibt, die die Wahl hat, etwas festhalten oder nicht festhalten zu können. Wenn diese Person jedoch reine Fiktion ist, gibt es da keine Wahl, was bedeuten würde, dass alles Selbstzweck und Selbstläufer ist. Wenn dies so sein sollte, würde sich jeder Tadel erübrigen – allerdings wäre dann auch der Tadel Selbstzweck und Selbstläufer.

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      • Hansi schreibt:

        Wenn Juden und Araber oder verschiedene Stämme in Afrika
        sich seit „Ewigkeiten“ bekriegen, dann stecken dahinter genau solche Gefühle, die zum Selbstläufer, zum Selbstzweck wurden.

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      • Nitya schreibt:

        Und das findest du nicht angemessen?

        Das ist halt so eine Sache mit den Angemessenheit. Wenn ein Hund vor mein Tür scheißt, ist das für ihn sehr angemessen. Ob sein Verhalten für mich angemessen ist, wage ich sehr zu bezweifeln. Aber auch das geht immer noch von einer dualen Sichtweise aus.

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  2. Hansi schreibt:

    Wir sind göttliche Wesen, d.h. wir können Gefühle gedanklich fixieren und konservieren und bei Bedarf immer wieder neu aufwärmen.
    Damit verlieren diese Gefühle ihren ursprünglichen Bezug zu der Situation, aus welchen sie „geboren“ wurden.

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  3. fredo0 schreibt:

    es ist so leicht … plötzlich ….

    und wohl deshalb so schwer für den „ich-helden“ .
    da er immer nach bedeutung strebt.
    ja streben muss …

    der arme kerl … plötzlich … nimmt ihn niemand mehr ernst .

    nix von göttlich . nix von wesen .

    nur dieses leichte …. und ein wenig schmunzeln über den „ich-helden“ ….

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  4. Eno Silla schreibt:

    Der Frühling fängt an
    Und erneut kehrt Dummheit
    Auf Dummheit zurück.
    Issa

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