Rick Linchitz: Es ist dir einfach nicht mehr wichtig.


RDer Verstand teilt die Welt in gut und schlecht ein. Also wird er sagen, dieser erleuchtete Mensch hier (der in Wirklichkeit nicht einmal existiert) hat etwas, das ich haben will. Aber es gibt absolut niemanden in dieser Welt, der mehr hätte als das, was du schon hast. Es ist dein Geburtsrecht. Und das einzige, was zwischen dir und DEM steht, ist der Wunsch, die Dinge zu verbessern.

Das Paradox ist, dass du absolut nichts dafür tun kannst. Es wird passieren oder es wird nicht passieren. Und wenn es passiert, wird alles klar und alle Veränderungswünsche verschwinden – nicht weil du plötzlich endlose Glückseligkeit gewonnen hast, sondern weil der Wunsch verschwunden ist, irgendetwas zu verändern. Es herrscht vollkommene Akzeptanz für alles, was ist, auch für die Verwirrung und für die Tatsache, noch nicht erleuchtet zu sein. Es ist dir einfach nicht mehr wichtig. Es hat keine Bedeutung mehr.

aus: Rick Linchitz, „Jeder Augenblick ist Gnade“

Gestern wäre Rick Linchitz 68 geworden. Er war Arzt, Ernährungsexperte, Sportfanatiker, … der Wunsch, etwas zu verändern, war ganz bestimmt auch bei ihm nicht verschwunden. Ich schreibe das, damit es nicht zu einem Missverständnis kommt. Es ist das Natürlichste auf der Welt, dass jemand, der krank ist – vor allem wenn er Schmerzen hat – wieder gesund und schmerzfrei werden will. Es ist genauso natürlich, wie seinen Hunger stillen oder seine volle Blase entleeren zu wollen. Der Begriff „erleuchtet“ wird sehr häufig gleich gesetzt mit „wunschlos glücklich“ Hatte Buddha etwa keinen Wunsch mehr, seinen Hunger zu stillen?

Braune Flammen züngeln
durch meine Erleuchtungs-Urkunde.
Warum den Esel anbinden?

Ikkyû Sôjun

Wer ist der Esel? Nun, der, der Futter braucht, der sich Hilfe wünscht, wenn es ihm schlecht geht, der von einer saftigen Karotte träumt, der auf der Wiese herumtollen will oder Bekanntschaft mit des Nachbars Eselstute machen will. Franz von Assisi nannte seinen Körper „Bruder Esel“ und damit sollte klar sein, dass dieser Bruder Esel Bedürfnisse hat und jede Menge Wünsche, die seiner Natur entsprechen. Einen Wunsch aber dürfte Bruder Esel vermutlich nicht haben: Er will nicht erleuchtet werden.
eRick Linchitz sagt: „Das einzige, was zwischen dir und DEM steht, ist der Wunsch, die Dinge zu verbessern.“ Zu wünschen, die Dinge verbessern zu können, bedeutet hier, endlich DAS zu erreichen. Bruder Esel muss sich das nicht wünschen, weil er nie die Idee hatte, aus DEM herausgefallen zu sein. Warum um alles in der Welt sollte er sich also wünschen, endlich DAS zu erreichen? Vielleicht wäre es sinnvoller sich anzuschauen, warum ich mich unbedingt von DEM trennen wollte, und so auf die verrückte Idee gekommen bin, dass ich von DEM getrennt sei.

Übrigens, den Wusch erleuchtet zu sein nicht zu haben, bedeutet nicht, dass ich erleuchtet bin. Es könnte auch sein, dass ich sowieso nicht an Erleuchtung glaube oder besoffen bin oder dass mir ein Felsbrocken auf den Kopf gefallen ist. Rick Linchitz hat dann doch noch eine Karotte auf dem Weg hinterlassen: „Es wird passieren oder es wird nicht passieren.“ Was wird passieren oder nicht passieren? Die Erleuchtung halt. Damit ist die Jagd eröffnet. Mit fröhlichem Halali versuchen all die Unzufriedenen als Erster die kostbare Karotte zu ergattern. Keine Ahnung, was Erleuchtung ist, aber sie muss was ganz Tolles sein. Ist halt wie in der Geschichte von „Des Kaisers neue Kleider“. Da kann man dann nur noch „Viel Erfolg!“ wünschen.

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5 Antworten zu Rick Linchitz: Es ist dir einfach nicht mehr wichtig.

  1. fredo0 schreibt:

    Ich nenne es die Aufhebung der Bedeutsamkeit oder das Auftauchen der allumfassenden Irrelevanz .
    Anfangs etwas irritierend , da es ein wenig wie ungesalzene Suppe schmeckt , dann aber echt tiefenentspannt .

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  2. Marianne schreibt:

    Super Beitrag …

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