Laotse: meine drei Schätze


LT

Alle Welt sagt, mein SINN sei zwar groß,
aber sozusagen unbrauchbar.
Gerade weil er groß ist,
deshalb ist er sozusagen unbrauchbar.
Wenn er brauchbar wäre,
so wäre er längst klein geworden.

Ich habe drei Schätze,
die ich schätze und wahre.
Der eine heißt: die Liebe;
der zweite heißt: die Genügsamkeit;
der dritte heißt: nicht wagen, in der Welt voranzustehen.

Durch Liebe kann man mutig sein,
durch Genügsamkeit kann man weitherzig sein.
Wenn man nicht wagt, in der Welt voranzustehen,
kann man das Haupt der fertigen Menschen sein.
Wenn man nun ohne Liebe mutig sein will,
wenn man ohne Genügsamkeit weitherzig sein will,
wenn man ohne zurückzustehen vorankommen will:
das ist der Tod.

Wenn man Liebe hat im Kampf
so siegt man.
Wenn man sie hat bei der Verteidigung,
so ist man unüberwindlich.
Wen der Himmel retten will,
den schützt er durch die Liebe.

Laotse, „Tao te king, 67“

Was könnte Laotse mit den Begriffen „brauchbar“ – „unbrauchbar“ und „groß“ gemeint haben? Vielleicht: groß nicht relativ, sondern absolut als grenzenlos, während brauchbar und unbrauchbar begrenzte Kategorien sind? Das „groß“ von Laotse hat auch nichts mit nützlich und unnütz nach menschlichem Verständnis zu tun. Begriffe wie „Nutzkraut“ und „Unkraut“ können nur menschlicher Beurteilung entsprungen sein. „Groß“ dagegen als alles, was ist und nicht ist.

Liebe, Genügsamkeit und die Einsicht, nicht der Lenker der Geschicke zu sein, sind Laotses Schätze. Zu Letzterem sagt Laotse: „nicht wagen, in der Welt voranzustehen“.

Das erläutert Laotse dann noch weiter, indem er die Zusammenhänge aufzeigt. Man könnte Angst nicht nur als Gegenspieler zum Mut betrachten, sondern auch zur Liebe. Mut ohne Liebe ist überhaupt kein Mut, sondern Fühllosigkeit. Viele Drogen bewirken diese Fühllosigkeit. Deshalb hat man immer wieder Soldaten Drogen verabreicht oder sie zumindest als Helden hochstilisiert und Tapferkeitsmedaillen verteilt, was offensichtlich ähnlich wirkt wie Drogen.

Genügsamkeit – in einer Übersetzungsversion las ich stattdessen den Begriff „Sparsamkeit“. Das kann ich so gar nicht nachvollziehen. Ich lese in dem Begriff „Genügsamkeit“, dass das, was gerade ist, völlig genug ist. Wäre es für mich nicht genug, würde ich mein Herz verschließen. Weitherzig kann ich nur sein, wenn ich zufrieden bin mit dem, was ist.

Die Einsicht, nicht Lenker der Geschicke zu sein, befähigt einen Menschen, seinen Mitmenschen mit all seinen Fähigkeiten wahrhaft als Diener zur Verfügung zu stehen.

Wenn jemand aus seinem Unverständnis heraus die Schätze Laotses als unbrauchbaren Blödsinn verwirft, bedeutet das für seine Seele den Tod.

Liebe im Kampf, in der Verteidigung, bedeutet – ganz gleich wie der Kampf ausgehen wird – Sieg, Unüberwindlichkeit, Rettung. Eine äußere Niederlage wird Liebe wohl nicht verhindern können, wohl aber die innere.

k

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