Attâr: …. wir, Kinder der Familie des Propheten, …

A
Ein Mann hatte auf der Straße einen Geldbeutel verloren und behauptete, daß Imam Dja’far Ssadek Abu Hanifa ihn aufgenommen habe, denn er kannte ihn nicht. Ssadek fragte ihn, welche Summe sich in dem Beutel befunden habe? „Tausend Drachmen“ gab der Mann an. Ssadek nahm ihn mit nach Haus und gab ihm diese Summe. Nach einigen Tagen fand der Mann das verlorene Geld wieder. Beschämt brachte er die tausend Drachmen zurück. Doch Ssadek entgegnete ihm:

„Was wir, Kinder der Familie des Propheten, einmal gegeben haben, nehmen wir nicht wieder zurück!“

aus: Fariduddin Attâr Shaikh, „Leben und Sprüche der Sufi-Meister des Islams“

Ich hab’s nicht so mit dem Islam. Mit dem Koran konnte ich noch nie etwas anfangen, der islamische Missionierungseifer ging mir etwa in gleicher Weise auf die Nerven wie der der Zeugen Jehovas oder der Mormonen und die blutigen Auseinandersetzungen etwa zwischen Schiiten und Sunniten machten mir diese Religion auch nicht gerade sympathischer. Nur die Sufis konnten mein Interesse wecken, Omar-e Chajjam, Rumi, Hafis, Fariduddin Attâr, Mansūr al-Hallādsch – mehr fallen mir gerade nicht ein – waren Namen, die ich liebte. Aber ansonsten … na ja, den anderen abrahamitischen Religionen konnte ich auch nicht viel mehr abgewinnen.

Eben habe ich diese kleine Erzählung von Attâr entdeckt und wieder einmal gefunden, dass ich den Islam nicht nachvollziehen kann. Das erste, was mir einfiel war eine Geschichte aus Jugendjahren. Mein Vater, obgleich eher ein typischer Zivilist berief sich doch immer wieder auf seine Jahre als Berufsoffizier. Einer seiner Lieblingssprüche war: „Ein preußischer Offizier wirft sich nicht in den Dreck.“ Dieser Satz kam mir des Öfteren in den Sinn, wenn ich mehr oder weniger angetrunken nach Hause wankte und ich mich kaum noch auf den Beinen halten konnte. Mit diesem Satz schaffte ich es dann tatsächlich, irgendwie wieder in mein Bett zu kommen.
G„Was wir, Kinder der Familie des Propheten, einmal gegeben haben, nehmen wir nicht wieder zurück!“, ließ Attâr den Ssadek sagen, und es klingt in meinen Ohren wie der Spruch meines Vaters. Preußischer Junker, preußischer Offizier, Familienmitglied des Propheten, … es stinkt (für mich) wie ein total dämlicher Standesdünkel und Egotripp. Die ganze Geschichte über diesen Ssadek ist sowas von edel, sowas von heilig, dass ich geradezu erschauere. Ich versuche mich in die Person dessen zu versetzen, der seinen Geldbeutel verbaselt hatte und nun glaubte Ssadek hätte ihn an sich genommen. Ssadek hätte die Sache aufklären können, was er jedoch nicht tat. Stattdessen verstärkte er sogar den Glauben des Mannes, indem er ihm die tausend Drachmen gab, die er angeblich gestohlen haben sollte. Der Mann fand den Geldbeutel, hatte wohl auch schon gehört, dass er da einen heiligen Mann verdächtigt hatte und kam nun voller Scham und reumütig mit dem Geld zu Ssadek zurück und bat ihn um Verzeihung. Hätte Ssadek das Geld zurückgenommen, wäre alles erldigt gewesen, aber Ssadek musste noch einen drauflegen, indem er die Annahme verweigerte. „Was wir, Kinder der Familie des Propheten, einmal gegeben haben, nehmen wir nicht wieder zurück!“ Meine Güte muss sich der arme Mann beschissen gefühlt haben, wie ein kleines Würstchen, während sich Ssadek in seinem heiligen Ruhm sonnen durfte. Mir wird ganz übel, wenn ich das lese. Aber wie gesagt, ich hab’s nicht so mit dem Islam und seinen sog. Ehrvorstellungen.

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8 Antworten zu Attâr: …. wir, Kinder der Familie des Propheten, …

  1. fredo0 schreibt:

    ich habs ja auch nicht so mit dem islam … der für mich auch gar keine religion ist , sondern eine (faschistische) staatsideologie mit religiösen attitüden … auch das mosaische hat letztlich diese eigenart , hat aber eine auf die „eigene“ gemeinschaft der juden reduzuierte dominanz entwickelt , während der islam ganz unverholen eine weltdominanz anstrebt … was man gerade jetzt nie vergessen sollte …
    diese seltsam dünkende ehrbarkeit die sich unter anderem in der zitierten geschichte zeigt , hat aber auch eine positive seite … positiv fürs gesellschaftliche zusammenleben … was auch nicht unerwähnt bleiben sollte ….
    zu bedenken ist dazu , dass in der historischen welt des propheten ( übrigens zu seiner zeit einer von dutzenden , denn damals hatte nahezu jeder arabische stamm einen eigenen „letzten der propheten“ ) eine welt voller gewalt , skrupelloser unterdrückung und blutrache die regel war .
    eine situation die beispielsweise dazu führte , dass das bevölkerungsverhältnis von mann zu frau durch krieg und blutrache in etwa bei 30 zu 70 gelegen hat . was auch eine erklärung der dominanz des männlichen erklärt , einfach weil dies auch von den frauen „gewollt“ war , einfach weil es kaum noch männer gab , diese also zur echten mangelware wurden. diese mangelsituation erklärt übrigens auch die erlaubnis zur vielweiberei , bzw. gar zu deren gebot , wenn zum beispiel ein bruder die witwe seines bruders auch zu heiraten hatte, womit diese und ihre kinder ja auch wieder versorgt war .

    viele regeln und usancen des islam gründen sich in dieser damals sehr problematischen gesellschaftlichen situation . und auch diese von nitya zitierte geschichte erfüllt die aufgabe einer „übergeordneten ethik“ in dem das leben und wirken des „edlen“ propheten zu einer universellen handlungsmaxime erhoben wird , die letztlich zu einer befriedung der innergesellschaftlichen situation beitragen sollte . das dies nur unter recht fragwürdigen „zurechtbiegungen“ möglich war , ist in der persönlichen geschichte dieses propheten begründet , der ja extreme mnachtpolitiker mit höchsteigenen brutälitäten war und z.B. nicht davor zurückschreckte seine ehemals zuverlässigten verbündeten zu verraten und zu massakrieren , nur weil er deren geld dringend brauchte , um seine meuternde soldateska wieder zu beruhigen . eine besondere perversion ist in der staatsideoligie „islam“ aus der „funktion“ des fast schon institutionalsierten „ungläubigen“ entstanden . anfangs zu identitäts- und gemeinschaftsstiftung wohlfeil sinnvoll , und alter trick der politik bis heute ( siehe die funktion des „bösen“ putin bei bildzeitung und co ) , und mit mehr als 52 % allere texte des koran extrems ausgebreitetes und damit auch ausgenutztes konstrukt , führte diese „feind“ im außen zwar zum zusammenhalt im inneren ( und abklingen der blutfehden ) , hat aber in der moderne seine auswüchse in eine in dauerkonflikt führende zweiteilung der menschheit in „wir und die ungläubigen anderen“ erhalten … und dies so gründlich , dass bereits der „interne“ andere ( sunnit/shiit ) zum vernichtungspflichtfall wird. hier fängt der islam an , seine eigenen „kinder“ zu fressen.

    somit hat diese anfänglich durchaus sinnvolle (prophet)-ethik dadurch ihre grenzen gefunden und letztlich versagt , in dem sie nicht in der lage war , einen begriff der (solidarischen) gesamt-menschheit (unabhängig von religionszugehörigeit) zu definieren. was dem buddhismus z.B. durchaus , zumindest teilweise gelungen ist .

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  2. fredo0 schreibt:

    was ich noch ergänzen möchte , um eine ( ich weiß , eigentlich überflüssige )“bewertung“ des islam als religion zu geben , ist folgender sachverhalt .
    nahezu alle religionen gründen auf ein „erwachen-ereignis“ ihres gründers , oder aber zeigen dieses elementare ereignis indirekt in den tradierten texten ihres „begründers“ .
    buddhas erleuchtung unterm bodhibaum und sein daraus deklarierter „weg der mitte“ ist zentrum des buddhismus.
    die „erwachte“ position krishnas in unterweisung des arjuna in der bagavadgita ist zentrale poisition des hinduismus .
    auch bei den janas und den siks lässt sich eine derartige „grundlage“ finden.
    ebenso zeigt ein jesus von nazareth , dass dies auch für/bei ihn/m gelebte tatsache ist.

    im gegensatz dazu gehen die „erfahrungen“ eines muhamed nicht über die ereignisse einen channeling hinaus .
    wer den koran einfach auf hinweise nach „dem unwörterbaren“ hin durchliest, wird diese hinweise dort vergeblich suchen. alles geschilderte verbleibt in einer seltsam magisch/mystischen vorstellungswelt von richtig und falsch und findet nicht die „basis LEERE“ ( zumindest habe ich und einige freunde trotz mehrfacher versuche dies nicht in den texten des koran finden können . wie gesagt , dies im gegensatz zu den meisten anderen „heiligen schriften“ , die eigentlich allesamt diese hinweise bieten )
    dieses element „erwachen/erleuchtung“ scheint erst mit dem auftauchen der sufis in dieser „religion“ aufzutauchen. dazu sei vermerkt, dass sich die sufis auf eine tradition stützen , die weit weit in vorislamische zeit reicht , und das sie es als mehrheitlich weltlich/kaufmännisch agierende es wohl einfach besser verstanden , sich den schafspelz „islam“ über ihren erleuchtungs-wolf-pelz zu ziehen . im gegensatz , zu den weit „freakigeren“ derwischen , die zu derartigen „tarnungen“ oft nicht bereit waren , und deshalb auch bis in die moderne brutalster vernichtungen und bedrohungen ausgesetzt waren. sehr vergleichbar zu diversen denkschulen ( z.B. meister eckehard ) in der machtsphäre des christentums …

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  3. Nitya schreibt:

    Lieber Fredo,

    mir geht’s mit dem Islam nicht anders als dir. Herzlichen Dank für deine Ausführungen! Auch dein Hinweis auf den Schafspelz, den sich die Wölfe in den abrahmitischen Religionen überziehen mussten, um nicht von dem Schafen gefressen zu werden, fand ich sehr treffend.

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  4. Eno Silla schreibt:

    Ich finde ihr habt hier die Religion Kapitalismus vergessen, die den Islam in seinem zerstörerischen Potential noch unerreichbar übertrifft. Ich jedenfalls ziehe mir sehr oft den Schafspelz über, damit ich nicht gefressen werde von der blökenden Menge Schafe, der von den Priestern des Kapitalismus verblödeten Arschkriecher (nach oben kriechen und nach unten treten). Volker Pispers erklärt uns in diesem Video wie die Religion Kapitalismus funktioniert:

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