Ramesh S. Balsekar: Wie entsteht das „Ich“?


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Wie entsteht das „Ich“, die persönliche Identifikation? In diesem Prozess der Manifestation und ihres Ablaufs – damit dieses Spiel Gottes oder das Lila stattfinden kann – damit diese Liebes- und Hassbeziehungen entstehen können, identifiziert sich das Bewusstsein (oder Gott) selbst mit jedem individuellen Organismus und erschafft somit dieses „Ich“, welches sich nach etwas sehnt oder über etwas grämt und an den immer gleichen Erfahrungen haftet. Wenn die urplötzliche Erkenntnis geschieht, dass dieses „Ich“ nur ein Konzept ist, das in Wirklichkeit gar nicht existiert, dann löst sich die Identifikation mit dem Organismus als einer getrennten Einheit auf.

Gott Krishna sagt, dass dieser Prozess der Entstehung des „Ich“ und dessen Zerstörung, die die Befreiung von dem Gefangensein in der Identifikation und der Verhaftung bedeutet, viele Lebenszeiten umspannt. Irgendwann geschieht dann die plötzliche Erkenntnis, dass es nichts gibt außer Bewusstsein, dass alles, was geschehen ist und geschieht und geschehen wird, nur Gottes Willen unterliegt und nicht das Ergebnis der Anstrengungen eines fiktiven „Ich“ ist. Diese plötzliche Erkenntnis, die selbst ein Ausdruck von Gottes Willen als seiner Gnade ist, bedeutet Erleuchtung oder Erwachen.

aus Ramesh S. Balsekar, „Die Bhagavad Gita“

„Wie entsteht das ‚Ich‘, die persönliche Identifikation?“ Eine gute Frage für all diejenigen, deren „Ich“ so eifrig bemüht ist, sich selbst zu meucheln. Ramesh gibt vorsichtshalber gleich seine Antwort: „In diesem Prozess der Manifestation und ihres Ablaufs – damit dieses Spiel Gottes oder das Lila stattfinden kann – damit diese Liebes- und Hassbeziehungen entstehen können, identifiziert sich das Bewusstsein (oder Gott) selbst mit jedem individuellen Organismus und erschafft somit dieses ‚Ich‘, welches sich nach etwas sehnt oder über etwas grämt und an den immer gleichen Erfahrungen haftet.“

cAls ich das las, fiel mir das Schachspiel ein mit seinen unterschiedlichen Spielfiguren und ihren unterschiedlichen Charakteren und Spielmöglichkeiten. Wenn sich jetzt jede Figur mit sich selbst identifiziert, kann das Spiel stattfinden. Ohne diese Identifikation würde möglicherweise überhaupt nichts stattfinden. Oder vielleicht doch? Das ist auch so eine Vorstellung, dass die sog. Erleuchteten die totalen Ölgötzen seien, die ohne jede Antriebskraft so vor sich hin vegetieren würden. Ich mein, was soll ein Mensch ohne Ego schon anfangen? Der geht nicht mehr ins Kino, mischt sich nicht in die Politik ein, baggert kein Weib mehr an und ernährt sich nur noch von Nektar und Ambrosia oder bestem Manna. Ich hör schon wieder den Alois Hingerl, Dienstmann Nr. 172 am Münchner Hauptbahnhof, aufjaulen.

Also, ich glaub das ja kein bisschen. Ich glaube viel mehr, dass die, bei denen der Groschen gefallen ist, auch spielen. Sie haben allerdings dabei ihre helle Freude an dieser verrückten Verkleidung und der so viel geschmähten Identifikation und an ihrem blöden Ego dazu. Das ganze Jahr Fasching oder Karneval. Und nichts macht mehr Spaß, als die Heerscharen ernsthafter Sucher zu foppen. Eigentlich ist es ja Gott, der da spielt, der alte Schlawiner. Aber was ist nicht Gott?

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15 Antworten zu Ramesh S. Balsekar: Wie entsteht das „Ich“?

  1. Thorsten Schäffer schreibt:

    Da furzt der Darm und ich glaube tatsächlich, dass ‚ich‘ gefurzt hätte! Wie wundervoll!

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    • Nitya schreibt:

      Das schützt dich aber nicht vor dem entrüstete Aufschrei einer zufälligh anwesenden Person: „Pfui, du Schwein! Du stinkst!“ Und: „Komm mir bloß nicht mit der faulen Ausrede, dass du es nicht warst!“

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  2. Thomas Faulhaber schreibt:

    Ob ein transformierter Furz oder ein egobetonter – Furz bleibt Furz.
    Und Furz ist bäh. Basta.

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  3. froeschin schreibt:

    Wenn Balsekar davon spricht, dass sich dann „die Identifikation mit dem Organismus als einer getrennten Einheit“ auflöst – dann frage ich mich natürlich: wer identifiziert sich denn überhaupt?
    Es gibt nichts außer Bewusstsein – aber dennoch macht er die Trennung zwischen einem, der´s kapiert hat und dem, der es nicht versteht – zwar gut verpackt durch Wörter, die undinglich klingen – aber letztlich in der Aussage macht er doch aus einem zwei – oder?

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    • Nitya schreibt:

      Na, das allumfassende Bewusstsein identifiziert sich, identifiziert sich mit allem, was in ihm erscheint. Und es erscheinen höchst unterschiedliche Dinge im absoluten Bewusstsein. Glühbirnen, Fußballplätze, Igel, Menschen, die’s kapiert haben. Klaviere, Fürze, Einsichten, Maschendrahtzäune, Menschen, die’s nicht kapiert haben. Lakritzstangen und der Rest der Welt.

      Das Eine, das als Zwei erscheint. Wie hätte der arme Ramesh das denn ausdrücken sollen?

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  4. Chantal schreibt:

    Lieber Nitya,
    den Text kann ich dir leider nicht mehr schreiben, aber hier mal der Versuch.🙂

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    • Nitya schreibt:

      Es ist vollbracht!
      Herzlichen Glückwunsch!

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      • Chantal schreibt:

        Vollbracht, aber auch mit einer ersten kleinen Abtreibung für das Ego.

        Habe dich unter anderem mit grossem Staunen da gefragt, wie du jeden Morgen noch vor dem erstens Sonnenaufgang deine Texte hier reinsetzt. Gehört dieses Ritual auch zum vollkommen Erwachen, wie in den alten Zen-Klöstern? Da braucht es bei mir wohl noch mal einen weiteren Durchgang, weil zu dieser Zeit bin ich noch tief am träumen.🙂

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      • Nitya schreibt:

        Nö, so heilig bin ich nicht. Aber wenn ich eine Antwort geben soll, würde ich sagen: Erstens macht es mir einfach Spaß. Zweitens ist es wohl so etwas, was man senile Bettflucht nennt.

        Ein Ritual zum vollkommenen Erwachen? Pustekuchen! Vielleicht sollte ich mal zum Psychiater gehen und dieses zwanghafte Verhalten untersuchen lassen. Ich hab ja auch schon den leisen Verdacht, dass ich ein bisschen gaga bin.

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  5. fredo0 schreibt:

    nur ein bischen ? … das wär aber schade …

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  6. fredo0 schreibt:

    nur … ist es immer noch das gleiche zuhause ?

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    • Nitya schreibt:

      Ich hoffe, das klingt jetzt nicht zu heilig:
      Die Welt war noch nie mein Zuhause.
      Aber ich meinte natürlich vorhin mein weltliches Zuhause.

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    • Nitya schreibt:

      Als Jugendlicher landete ich mal nach einer Sauftour auf dem Heimweg unter einem Balkon, weil es regnete. Ich muss gesehen haben, dass die Balkontür offenstand. Also kletterte ich über das Geländer und erblickte: Ein Bett! Ich legte mich hinein und war auf der Stelle eingeschlafen. Durch einen gellenden Schrei wurde ich wieder wach. An meiner Seite fand ich die Ehefrau des Hausherrn, der gerade beim Chorsingen war, was ich aber nicht wusste. Ich fragte die Frau, was sie in meinem Bett zu suchen hätte. Dann entspann sich eine heftige Diskussion, wer denn hier eigentlich zu Hause sei. Ich fragte sie nach der Hausnummer. Blöderweise hatte sie dieselbe Nummer wie ich, was mich natürlicin in meinemGefühl im Recht zu sein bestärkte. Nach längerem hin und her konnte mich die Gnädigste dann aber doch überzeugen. Etwas unwillig nahm ich wieder den Weg über den Balkon, nicht ohne sie vor Einbrechern zu warnen, wenn diese die offene Balkontür sehen könnten.

      Ich arbeitete gerade als Werkstudent. Am nächsten Morgen berichteten meine Arbeitskollegen, da wäre ein Mann gewesen, der sich nach mir erkundigt hätte. Er habe eine Nachricht für mich hinterlassen: Wenn ich nicht heute Abend beim Hausherrn und seiner Ehefrau vorbei käme, um mich zu entschuldigen, gäbe es eine Anzeige bei der Polizei. Ich kaufte einen Blumenstrauß und tanzte bei den beiden an. Dabei betonte ich, wie leid es mir täte, dass ich aber wirklich fest davonn überzeugt gewesen sei, dass ich in meinem Bett gelandet wäre. Die Ehefrau beteuerte ihrem Gemahl, ich sei von ausgesuchter Höflichkeit gewesen und hätte sie nicht angerührt. Der Göttergatte ließ sich besänftigen,wir tranken noch gemeinsam auf unsere Gesundheit und das komische Leben und schieden als gute Freunde. Du siehst, ich hab noch nie gewusst, wo ich auf dieser Welt hingehöre.

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      • fredo0 schreibt:

        Also mit diesem bereits in jungen Jahren zu Tage getretenen hochst fragwürdigen Lebenswandel ist dieser Herr Nitya ist ja wirklich kein Vorbild für seine Enkel … oder gerade ?🙂

        ( schöne Geschichte , hat mir den Tag geschmückt …😀 )

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