Krishna: Sei lediglich das Werkzeug


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Ich erscheine als Zeit, der höchste Zerstörer der Menschheit, bereit für die Stunde ihres Verhängnisses. Die Krieger, aufgereiht in feindlichen Armeen, die sich gegenüberstehen, werden nicht leben, egal ob du kämpfst oder deine Hände zügelst.

Deshalb erhebe dich und Kämpfe! Gewinne Königreiche und Ruhm. Sei lediglich das Werkzeug für ihr Ende – Ich habe sie bereits erschlagen – oh, beidhändiger Bogenschütze.

aus: Krishna, „Bhagavad Gita, Kap. XI/32, 33“

Uiuiui… was für ein imperiales Gehabe! Muss man sich mal vorstellen, wie Obama der Merkel sagt: „Sei mein Werkzeug, Glutäugige! Die Russen sind bereits alle tot, ich habe sie schon längst erschlagen!“

mIch mag ja diese Imperative nicht. Das erinnert mich irgendwie an einen Chiropraktiker. Wenn der meine Halswirbelsäule wieder einrenken wollte, herrschte er mich immer an: „Nu seien Sie doch mal locker!“ Oder ein Kieferchirurg, der mich anbrüllte, während er vier Wurzelspitzenresektionen in einer Sitzung hinkriegen wollte: „Hören Sie auf zu schlucken! Wie soll ich denn da arbeiten.“ Und mir lief dabei die ganze Zeit Blut und Wasser in den Hals. Na ja, und die Spiris säuseln halt: „Sei lediglich mein Werkzeug!“ Wie anders klingen doch Feststellungen wie: Sein Wille geschieht. Ich bin. Ich bin ein Werkzeug – oder nicht?

Ich stelle mir vor, dass die Leutchen vor ein paar tausend Jahren damit nichts hätten anfangen können. Sie waren Fürsten und Könige, Kriegsherrn und Götter gewöhnt. Und die stellten keine Frage, sondern befahlen. Da war so etwas wie „Herr dein Wille geschehe!“ nur eine weitere Unterwerfungsgeste und damit der alte Dualismus.

Der Begriff Werkzeug lässt einen fast unwillkürlich beispielsweise an einen Hammer denken und an den, der es benützt, an einen Gott und an mich, den er benützt. Aber das ist natürlich Quatsch. Ich bin Shiva und zugleich Shakti. Oder in unserem Beispiel: Ich bin Krishna und zugleich Arjuna. Da gibt es keinerlei Trennung. Insofern ist mein Wille immer auch sein Wille. Und was die Bhagavad Gita da beschreibt, ist nichts als ein Monolog. Kein Herr, kein Sklave. Einfach ein Geschehen ohne jemanden, der geschehen lässt. Einfach ein Traum ohne Träumer.
K

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10 Antworten zu Krishna: Sei lediglich das Werkzeug

  1. Chantal schreibt:

    Mein Denken steht mir im Weg, wie der Mond heute vor der Sonne. Der Mond handelt nicht, mein Denken handelt auch nicht. Es geschieht einfach. Bald ist der Spuk am Himmel wieder vorbei. Das letzte mal war das mam 11. 08. 1999. 🙂
    Mondgrüsse von Chantal

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  2. Eno Silla schreibt:

    „Traum ohne Träumer“
    Irgendwas ist immer:

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  3. Brigitte schreibt:

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    • Eno Silla schreibt:

      Vielen Dank für dieses Video!

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    • Nitya schreibt:

      Liebe Chantal,

      auch von mir herzlichen Dank.

      Ja, Anteilnahme. Ein anderes Wort für Liebe. Seit Jahrtausenden beschworen. Eine bittere Notwendigkeit, wenn diese Welt nicht endgültig vor die Hunde gehen soll. Dieter Duhm, Sabine Lichtenfels und viele andere haben ihren Wilhelm Reich verstanden. Sie sind nicht in die Falle Otto Mühls getappt, in die er selbst geraten ist. Sie wussten am Anfang ihrer Reise nur: So nicht! Und dann mussten sie sich ihren Weg ganz authentisch mühsam erarbeiten. Wenn heute Dieter Duhm von Anteilnahme spricht, dann kann ich ihm das abnehmen. Ich kann sie spüren und auch sein Bedürfnis zu helfen. Es ist die urchristliche Botschaft: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“

      Ob sie heute die Herzen der Menschen erreicht? Niemand kann es wissen. Und so sind wir heute so hilflos wie vor 2000 Jahren. Anteilnahme ist nicht ein Aufkleber am Auto: Anteilnahme ist kein Lippenbekenntnis. Um zur Anteilnahme zu kommen, muss jeder bereit sein, seine Vergangenheit mit all den alten Programmen als Angst- und Hassprogramme zu erkennen und loszulassen und wieder ganz von vorne anzufangden. Fehler über Fehler zu riskieren und an ihnen und mit ihnen seinen ureigenen Weg zu finden. Dann steht am Ende vielleicht Anteilnahme, Mitgefühl, Liebe, Eigentlich brauchen solche Prozesse Zeit. Wenn wir den Zustand der Welt betrachten, sehen wir, dass wir diese Zeit nicht mehr haben.

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      • Chantal schreibt:

        Lieber Nitya,
        auch dir ein Danke für deine Anteilnahme.
        Dieter Duhm und Sabine Lichtenfels habe ich mal vor vielen Jahren in Portugal in ihrer Gemeinschaft „Tameria“ besucht. Sie waren da noch in Aufbruchstimmung. Am Morgen erzälten wir uns in Gruppen unsere Träume, am Tag war Visionssuche, und am Abend wurde das Leben gefeiert. Eine bereichernde Erfahrung für mich, die neue Impulse nach sich zog. Freie Liebe und wieder andere Gruppen, neue Lebensformen.
        Darum hat mich dieses Vidio sehr berührt, wenn Dieter Duhm da steht, und sagt: „wir müssen helfen.“
        Du schreibst: „Wenn wir den Zustand der Welt betrachten, sehen wir, dass wir diese Zeit nicht mehr haben.“
        Genau, und darum habe ich heute mein erster „Antidepressivum“gegen den Weltschmerz eingenommen. Ich sehe es auch so. Es gibt nur den einen Ausgang aus der Trennung: Leben und Tod sind eins. Geniessen wir jetzt das Leben, wie du in deinem heutigen Blog schreibst. Dem Tod können wir trotzdem nicht entkommen.
        Herzliche Grüsse an den Weisen in dir.
        Chantal

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  4. Eno Silla schreibt:

    „Sei lediglich Werkzeug“
    klasse
    was für ein witz
    als hätte ich eine
    wahl
    oder
    keine wahl
    ach mensch
    wie ich es liebe
    dieses verrückte spiel
    so vollkommen (aus)geliefert
    so unglaublich arrogant
    ach hätte ich die wahl
    die liebe wärs
    hier jetzt
    ein kurzes sehen
    und
    dann
    lach ich mich tot

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