Linji: Sackgassen


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Tugendhafte Mönche, mit eurem Schüssel-Beutel und eurem Sack voll Mist an euren Schultern eilt ihr Sackgassen hinauf und sucht Buddha und sucht Dharma. Wisst ihr, wer das ist, der jetzt in diesem Moment herumrennt und diesen Weg sucht? Er ist frisch und lebendig und hat keinerlei Wurzeln. Obwohl ihr [versucht], ihn zu umfangen, könnt ihr ihn nicht fassen; obwohl ihr [versucht], ihn zu vertreiben, könnt ihr ihn nicht abschütteln. Wenn ihr ihn sucht, zieht er sich weiter und weiter zurück; wenn ihr ihn nicht sucht, dann ist er genau hier vor euren Augen und seine wundersame Stimme ertönt in euren Ohren. Wenn einer nicht [daran] glaubt, vergeudet er sein ganzes Leben.

Jünger des WEGES, in einem Augenblick betretet ihr die Lotus-Welt, das Vairocanana-Land, das Land der Befreiung, das Land der Übernatürlichen Kräfte, das Land der Reinheit und das Dharmadhatu; ihr betretet das Schmutzige und das Reine, das Weltliche und das Heilige, das Reich der Hungrigen Geister und das Reich der Bestien. Doch wo immer ihr weit und breit suchen mögt, nirgends werdet ihr Geburt und Tod finden; es wird nur leere Namen geben.

aus dem Linji-Lu

Linji verwendet gern den Begriff „hauslos“. Üblicherweise wird darunter jemand verstanden, der weder Haus noch einen festen Wohnsitz oder Beruf hat, jemand, der seine ganze bürgerliche Existenz hinter sich gelassen hat und nur noch durch die Gegend vagabundiert. Jesus hat das mal so ausgedrückt: „Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber des Menschen Sohn hat nicht, da er sein Haupt hin lege.“ Seitdem sich das rumgesprochen hat, eilen tugendhafte Mönche, mit einem Schüssel-Beutel und einem Sack voll Mist an ihren Schultern die Sackgassen hinauf und suchen Buddha und suchen Dharma. Wenn sie sich dann irgendwo treffen und ein Lager für die Nacht gefunden haben, streiten sie sich dann am nächsten Morgen: „Hey du, das ist mein Sack voll Mist!“ Von wegen hauslos. Ein Haus muss nicht aussehen wie ein Haus. Ein Haus ist alles, wozu ich „mein“ sage. Mein Haus, mein Sack voll Mist, meine Idee, meine Erleuchtung, … alles ein Sack voll Mist.

Für Linji ist das eine einzige Sackgasse. Und dann suchen diese Tugendbolzen auch noch Buddha und den Dharma! Dann können sie wieder sagen: „Mein WEG, mein Buddha, mein Dharma.“ Das ist dann wirklich so was wie:

Solche „Hauslosen“ sind kein bisschen besser dran als die sog. Haushälter.

Und Linji stellt diese unangenehme Frage, wer das ist, der jetzt in diesem Moment herumrennt und diesen imaginären Weg sucht. Würden sich die tugendhaften Mönche diese Frage selbst stellen, würden sie vielleicht auf den wirklich Hauslosen stoßen, auf den, der weder zu fassen noch zu vertreiben ist, der sich gemeinerweise zurückzieht, wenn er gesucht wird, der jedoch da ist, wenn er nicht gesucht wird. Und dann sagt er noch: „Wenn einer nicht [daran] glaubt, vergeudet er sein ganzes Leben.“ Ich weiß nicht, ob „glauben“ hier der richtige Begriff ist. Ich denke, es geht hier mehr um ein zweifelsfreies Wissen bzw. um Nicht-Wissen.

Zuletzt weist er noch darauf hin: „Doch wo immer ihr weit und breit suchen mögt, nirgends werdet ihr Geburt und Tod finden; es wird nur leere Namen geben.“ „Geburt und Tod“ steht für alle Dinge, also dafür, wozu man „mein“ sagen kann.

Und weil ich ja hier keine Schleichwerbung betreiben will, neutralisiere ich das erste Video ein wenig mit diesem hier:

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6 Antworten zu Linji: Sackgassen

  1. Ingeborg schreibt:

    Elstern zerstören gerade die Seeadler Eier.

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  2. Ingeborg schreibt:

    s

    Keine Elster,eine Nebelkrähe hatte Hunger.

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  3. Nitya schreibt:

    Inzwischen sitzt die Mutter wieder auf ihrem Platz und von außen sieht es aus, als sei nichts geschehen.

    sa

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  4. Nitya schreibt:

    Sieht aus, als sei ein Ei noch heile geblieben und würde weiter ausgebrütet.

    sa1

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