Terence Gray: Buddha-Wesen kann nicht verstanden werden


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Selbst unsere besten Lehrer kann man manchmal ganz bescheiden vor sich hinmurmeln hören, dass sie selbst natürlich nicht erleuchtet seien.

Welch ein Unsinn! Natürlich sind sie erleuchtet – falls überhaupt jemand. Und ebenso du und ich – falls überhaupt jemand; Zwangsläufig ist jedes Lebewesen, insoweit „erleuchtet“ überhaupt irgendeine Bedeutung hat. Als objektiver Zustand, für den wir ihn halten, existiert er nicht, könnte er gar nicht, er ist schlichtweg das, was wir schon sind, und alles, was wir sind. An anderer Stelle sagt uns Huang-po: „Unser ursprüngliches Buddha-Wesen ist, vom Standpunkt der höchsten Wahrheit, ohne das geringste Teilchen von Gegenständlichkeit. Es ist leer, allgegenwärtig, still und rein. Es ist herrliche und geheimnisvoll friedliche Freude —- nichts anderes.“

Allerdings kennen wir das Buddha-Wesen nicht, und es kennen soll Erleuchtung sein? Als Phänomen könnten wir es unmöglich kennen, wir können es nur werden. Und auch das gelingt uns nicht, weil wir dieses Buddha-Wesen bereits sind. Da wir es sind, kennen wir es nicht, denn kennen bedeutet objektives Verstehen, und das ist phänomenal. Das Buddha-Wesen kann nicht verstanden werden – denn es ist einfach Sein.

Terence Gray

Ich muss immer wieder grinsen, wenn wieder mal ein Phänomen auftaucht, das sich als „Ich“, besser noch als Nicht-Ich oder als ICH vorstellt und von sich selbst behauptet, erleuchtet zu sein, während es anderen Phänomenen eben dieses Erleuchtet-Sein in aller Bestimmtheit abspricht. Und häufig wird diese Behauptung dann auch noch begründet und bewiesen, Merkmale werden aufgelistet, die entweder vorhanden bzw. gerade nicht vorhanden sind. „Ich bin durch das Tal der Tränen hindurch gegangen und du nicht, ich habe jahrelang Schattenarbeit betrieben und du nicht usw. usw. …

1Wenn es nach irgendwelchen Merkmalen oder Bedingungen ginge, wäre keine Sau erleuchtet. Alle Merkmale und Bedingungen sind Phänomene und damit automatisch Objekte und auf der stofflichen Ebene angesiedelt.

Mir fällt gerade David R. Hawkins ein, der zur Bestimmung des Grades der Erleuchtung diesen kinesiologischen Muskeltest anbietet. Hat mal eine Therapeutin bei mir gemacht. Natürlich war sie mit ihrer Punkt-Zahl selbst näher an der Erleuchtung dran als ich. Nun ja, ich habe es verschmerzt. Zu Beginn meiner Primärtherapie wurde ich differentialdiagnostisch getestet, um meine Neurosewerte abzuchecken. Meine Fresse, war ich ein neurotisches Würstchen. Ein Schlusstest zeigte dann kaum noch neurotische Werte, dafür waren meine Psychose-Werte gestiegen. Was es nicht alles gibt! Mag ja sein, dass da auch was dran ist, aber Erleuchtungsgrade messen wollen, ist einfach nur hirnrissig. Stoffliches ist möglicherweise messbar, aber das Nichtmessbare messen zu wollen, also dafür muss man schon ein ziemliches Rad abhaben.

Terence Gray fragt: „Allerdings kennen wir das Buddha-Wesen nicht, und es kennen soll Erleuchtung sein?“ Und ich höre ihn bei dieser Frage kichern. Erleuchtung wäre ein Objekt, wenn wir es kennen könnten. Wäre es ein Objekt, könnte es sich unmöglich um Erleuchtung handeln. Mich würde nur interessieren, wer sich den Namen „Forum Erleuchtung“ ausgedacht hat.

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2 Antworten zu Terence Gray: Buddha-Wesen kann nicht verstanden werden

  1. Marianne schreibt:

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  2. Eno Silla schreibt:

    Es kann nicht verstanden werden?
    Welche Erleu(ei)cht(er)ung!

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